Politik : Deutschland – ein Wintermärchen

Weniger als vier Millionen Arbeitslose, mehr Wachstum, höhere Gewinne / 2007 soll auch gut werden

Carsten Brönstrup

Weniger als vier Millionen Arbeitslose, mehr Wachstum, höhere Gewinne / 2007 soll auch gut werden

Berlin - Dank der guten Wirtschaftslage ist die Arbeitslosigkeit im November erstmals seit vier Jahren wieder unter die Marke von vier Millionen gesunken. 3,995 Millionen Menschen suchten eine Stelle, meldete die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Donnerstag. Ökonomen zufolge wächst die deutsche Wirtschaft derzeit so stark wie in keiner anderen Industrienation der Welt.

Im Vergleich zum Oktober gab es 89 000 Arbeitslose weniger. Zwei Drittel davon bezogen zuvor Hartz-IV-Leistungen. Die Zahl der Erwerbstätigen wuchs zudem um 350 000 im Vergleich zum Vorjahr. „Durch die gute Konjunktur und die günstige Witterung hat sich die Herbstbelebung bis in den November fortgesetzt“, sagte BA-Chef Frank-Jürgen Weise. Der November gilt als sonst schwacher Monat für den Jobmarkt. Auch für das kommende Jahr rechnet er mit einer weiteren positiven Entwicklung: „Die Nachfrage an Arbeitskräften ist ungebrochen.“

Noch zu Beginn des Jahres hatten Experten dem Arbeitsmarkt nur wenig Bewegung zugetraut. Nun aber sind die Unternehmen so optimistisch wie seit 15 Jahren nicht mehr, auch die Verbraucher geben sich extrem zuversichtlich. Dank der höheren Beschäftigung könne das Wachstum zwischen Oktober und Ende Dezember bei bis zu 3,4 Prozent liegen, sagte Marco Bargel, Chefvolkswirt der Postbank, dem Tagesspiegel. „Damit liegen wir in diesem Quartal deutlich vor den USA, Großbritannien, Kanada, Italien, Frankreich und Japan“, sagte er. Im gesamten Jahr erwartet er eine Rate von bis zu 2,7 Prozent – das wäre fast so viel wie im Boomjahr 2000. Bert Rürup, der Chef des Wirtschafts-Sachverständigenrats, hatte sich vor kurzem im Gespräch mit dem Tagesspiegel ähnlich geäußert und die Schätzung von 2,4 Prozent Wachstum als „konservativ“ bezeichnet.

Neben der anziehenden Binnennachfrage stützen der noch immer gut laufende Export und die steigenden Investitionen der Unternehmen das Wachstum. Viele Firmen haben sich umstrukturiert und sind dadurch schlagkräftiger geworden – das schlägt sich nun in den Ergebnissen nieder. Einer Studie der Landesbank Rheinland-Pfalz zufolge werden allein die 30 Dax-Konzerne in diesem Jahr ihre Gewinne um 10,9 Prozent steigern – auf dann 56,1 Milliarden Euro.

Auch die Erhöhung der Mehrwertsteuer um drei Prozentpunkte zu Beginn kommenden Jahres wird für keinen wirtschaftlichen Einbruch sorgen, prognostiziert die Postbank. „Dazu ist der Aufschwung zu robust“, sagte Chefvolkswirt Bargel. Nur beim privaten Konsum sei in den ersten Monaten 2007 ein Dämpfer zu erwarten. Das Wachstum werde bei zwei Prozent liegen und für 300 000 neue Stellen sorgen.

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