Politik : Deutschland geht bei Vergabe wichtiger UN-Posten leer aus

Jan Dirk Herbermann[Genf]

Deutschland ist bei der Besetzung von Toppositionen bei den Vereinten Nationen (UN) bisher nicht berücksichtigt worden. Nach der Liste, die der neue UN-Generalsekretär Ban Ki Moon zirkulieren ließ, ist unter den 20 Nominierungen für hochrangige Posten kein Deutscher. Die Bestrebungen des drittgrößten UN-Beitragszahlers Deutschland, eine prominentere Rolle in der Weltorganisation zu spielen, haben damit einen Dämpfer erhalten. Diplomaten bestätigen aber, dass die Bundesrepublik bei Ban auf eine spätere Berücksichtigung von Deutschen drängen will.

Ban übernahm sein Amt am 1. Januar und wollte mit einem neuen Team starten. Bei der Zusammensetzung seines Führungszirkels bediente er die fünf ständigen Mitglieder des Sicherheitsrates vorrangig: Das hat Tradition. Zudem kamen aber auch die EU-Staaten Schweden, Italien, Niederlande und Polen zum Zuge. Die Besetzungen einiger der aufgeführten Positionen lösten Kritik aus. So soll die Ex-Außenministerin Tansanias, Asha-Rose Migiro, als neue stellvertretende UN-Generalsekretärin weitgehend den komplexen UN-Apparat organisieren – ohne ausreichende Erfahrung für diese Aufgabe. Auch die Personalie Alicia Bárcena ließ Beobachter aufhorchen: Die neue mexikanische Untergeneralsekretärin für Management fiel bisher nicht als Verwaltungsfachfrau auf.

Ranghöchste deutsche Beamtin am Hauptsitz der Vereinten Nationen in New York bleibt Angela Kane. Sie behält ihren Posten als Stellvertreterin des Untergeneralsekretärs für politische Angelegenheiten. Deutschland hatte Kane als neue Untergeneralsekretärin für Information empfohlen – doch Ban entschied sich für den Japaner Kiyotaka Akasaka. Er bekleidete vorher den Posten des stellvertretenden Generalsekretärs der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Kooperation (OECD) in Paris.

Die Schlüsselposition im Kabinett übernimmt ein Amerikaner: Neuer Untergeneralsekretär für politische Angelegenheiten wird der US-Diplomat Lynn Pascoe. Bislang hatten vor allem Briten diesen Posten inne. Der 1943 geborene Pascoe blickt auf eine drei Jahrzehnte dauernde diplomatische Karriere zurück. Pascoes Nominierung löste bei Entwicklungsländern Irritationen aus, da Washington in vielen südlichen Konflikten eindeutig Partei bezieht.

Der bisherige chinesische Botschafter bei den UN in Genf, Sha Zukang, soll Bans neuer Untergeneralsekretär für Wirtschaft und Soziales werden. Sha gilt als durchsetzungsfähig; Diplomaten erwarten deshalb, dass der Chinese dem zurückhaltenden Koreaner Ban in die Quere kommen könnte.

Frankreichs Jean-Marie Guéhenno behält die Leitung der expandierenden UN- Friedensmissionen. Dieser Posten gilt als einer der wichtigsten: In UN-Missionen dienen weltweit rund 100 000 Soldaten, Polizisten und Zivilisten. Der UN-Chef will in nächster Zeit weitere Personalentscheidungen bekannt geben.

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