Politik : Deutschland hilft Afghanistan im Anti-Drogen-Kampf

Sven Lemkemeyer

Berlin - Deutschland unterstützt die afghanische Regierung im Kampf gegen die Drogenproduktion. Allerdings nicht durch den Einsatz der am Hindukusch stationierten Bundeswehrsoldaten, sondern durch Experten des Bundeskriminalamts (BKA). Sie sollen mehr als 600 Angehörige der afghanischen Grenz- und Fernstraßenpolizei sowie des Zolls schulen, teilte das Bundesinnenministerium am Donnerstag mit. Die Lehrgänge des BKA in Kabul, Herat und Kundus wwürden bereits am Samstag beginnen, sagte Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) in Berlin. Daran beteiligen werden sich nach seinen Angaben auch Beamte des Landeskriminalamts Hamburg und des Zolls.

Die deutschen Experten sollen ihren afghanischen Kollegen in den einwöchigen Lehrgängen neben Informationen über verschiedene Rauschgiftarten auch Kenntnisse über möglichst effektive Durchsuchungen und Festnahmen von Verdächtigen vermitteln. Deutschland koordiniert bereits seit 2002 die internationale Unterstützung beim Aufbau der afghanischen Polizei.

Nach UN-Angaben ist Afghanistan auch nach dem Ende des Taliban-Regimes 2001 der bei weitem größte Opium-Produzent der Erde. Das Land lieferte im vergangenen Jahr rund 87 Prozent des Rohopiums weltweit, das zur Herstellung von Heroin benutzt wird. Der Drogenhandel macht Schätzungen der Vereinten Nationen zufolge 60 Prozent des Bruttoinlandsproduktes aus. Für viele Bauern ist der Anbau von Schlafmohn die wichtigste Einnahmequelle, dies gilt besonders für die Hauptanbaugebiete im Norden des Landes. Internationale Experten befürchten, dass sich die Sicherheitslage weiter dramatisch verschlechtern könnte, wenn zu massiv gegen die Drogenproduktion vorgegangen wird, da sich viele der lokalen Kriegsfürsten aus dem Rauschgifthandel finanzieren.

Erst am Mittwoch hatte Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) angekündigt, er werde dafür werben, dass das Einsatzgebiet der etwas 2200 deutschen Soldaten der Internationalen Schutztruppe für Afghanistan (Isaf) auf das gesamte Land ausgeweitet wird, um die Nato-Partner flexibler unterstützen zu können. Einen Einsatz der Bundeswehr im Kampf gegen den Drogenanbau schloss er erneut aus.

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