Deutschland in der Griechenland-Krise : #BoycottGermany wird zum Twitter-Trend

In der Debatte um eine Rettung Griechenlands gerät Deutschland international immer stärker in die Kritik. Das bricht sich derzeit vor allem auf Twitter Bahn. Ein Auszug.

Alexandra Belopolsky
Protestplakate für eine Demonstration vor der Europäischen Zentralbank in Frankfurt/Main
Protestplakate für eine Demonstration vor der Europäischen Zentralbank in Frankfurt/MainFoto: Reuters/Ralph Orlowski

Dass Griechenland mit einem dritten Hilfsprogramm geholfen werden soll, trägt auch die deutsche Seite mit. Doch die Bedingungen, die vor allem Deutschland diktiert hat, kommen nicht überall gut an. Vor allem in Griechenland natürlich. Insbesondere Finanzminister Wolfgang Schäuble und sein zwischenzeitlicher Vorstoß eines Grexit auf Zeit hat großen Unmut ausgelöst. Und der kommt nun im Netz zum Ausdruck - mit Boykott-Aufrufen. Seit Dienstagmorgen wird unter dem Hashtag #BoycottGermany auf Twitter zum Boykott von deutschen Produkten und Dienstleistungen aufgerufen. Auch Panos Kammenos, rechtspopulistischer Koalitionspartner der linken Syriza-Partei von Ministerpräsident Alexis Tsipras, beteiligte sich an der Kampagne. Dabei wird auch auf Nazi-Symbolik zurückgegriffen.

Die Empörung stammt hauptsächlich aus Griechenland – dort ist #BoycottGermany bereits der populärste Twitter-Trend. In Deutschland diskutieren die Nutzer heftig mit, hier ist der Trend immerhin auf dem zweiten Platz. Andere Länder beschäftigen sich allerdings mit anderen Themen – in Spanien, Italien, Frankreich, Israel, Russland oder der Ukraine ist #BoycottGermany, wenn Twitter zu glauben ist, kein großes Thema.

Ein Boykott sei der einzige Weg Deutschland zurückzudrängen, sagt ein Nutzer: 

Manche Protestierende nehmen konkrete Produkte ins Visier eines Boykott-Aufrufs:

Andere versuchen alles auf einmal zusammenzufassen:

Auch die Tatsache, dass Angela Merkel kein Twitter Konto hat stört nicht – die Nutzer zielen einfach auf die gefakte Kanzlerin. Oder wussten sie es nicht besser?

Viele Nutzer greifen das Londoner-Schuldenabkommen von Februar 1953 auf, mit dem Deutschland ein Teil seiner Schulden erlassen wurde. Griechenland war an dem Abkommen damals beteiligt.

Ein israelischer Nutzer schlägt vor, Deutschland sei jetzt moralisch gezwungen, die Gelder des damaligen Schuldenschnitts zurückzuzahlen – mit Zinsen. Bis dahin gelte der Boykott.

Es werden auch Parallelen zu Boykott-Aufrufen gegen Israel gezogen:

Die Gegner eines Boykotts gehen mit der Debatte lockerer um - und vor allem ironisch.

Andere fragen, woher soll das Geld für Griechenland sonst kommen?

Einige Nutzer wundern sich, wie die griechische Regierung dann voran kommen will:

…und andere geben bereits die Antwort darauf:

Einige können dem Boykott-Aufruf auch etwas Positives abgewinnen: Die vermeintlich deutsche Gewohnheit, Socken in den Sandalen zu tragen, solle abgelehnt werden:

…andere rufen zu höherer Fernsehqualität auf…

Anderen warten mit Alternativen auf:

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