Politik : Deutschland in zehn Jahren: Sabine Jünger: Die offene Gesellschaft

Sabine Jünger (27) ist B,estagsabgeordnete

Wir haben das Jahr 2010. Mein Sohn Phillip ist gerade 12 geworden. Er geht auf das Gymnasium. Dumm nur, dass ihn seine Mutter jeden Morgen hinbringen und wieder abholen muss. Einen Schulbus gab es mal, aber auf dem Land fahren Busse und Bahn schon lange nicht mehr. Und es ist auch gut, ihn sofort nach der Schule abzuholen. So kommt er wenigstens heil nach Hause. Als Sohn lesbischer Mütter steht er ganz oben auf der "Abschussliste" der rechten Kameradschaft vor Ort. Ausländer gibt es hier schon lange nicht mehr. Das Grundrecht auf Asyl ist abgeschafft. Phillips Mütter halten sich mit mehreren Jobs über Wasser. Wenn Phillip studieren will, muss er Studiengebühren zahlen, bekommt kein Bafög.

Ein Horrorbild? Ja, und ich hoffe sehr, dass Deutschland anders aussieht: Phillip fährt mit dem Bus in seine Schule. Die Eltern von Migranten kochen aus ihrer Heimat. Sie sind gern gesehen und willkommen. Die Schule hat ein Solardach und ein kleines Windkraftrad. Atomstrom brauchen wir nicht mehr, und das Wasserstoffauto ist fast überflüssig, Busse und Bahnen fahren regelmäßig. Einen Ausbildungsplatz wird Phillip bekommen. Wenn er studieren will, wird er elternunabhängiges Bafög erhalten. Seine Mütter - rechtlich heterosexuellen Eltern gleichgestellt - erhalten gleichen Lohn wie ihre Kolleginnen im Westen. Deutschland hat die erste Bundeskanzlerin - es muss ja nicht eine lesbische sein.

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