Politik : „Deutschland ist eines der sichersten Länder“

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Berlin (mfk/dpa). Nach den Worten von Innenminister Otto Schily gehört Deutschland nach wie vor zu „den sichersten Ländern im internationalen Vergleich". Insgesamt könnten Bund und Länder eine positive Bilanz der Inneren Sicherheit ziehen, sagte Schily bei der Präsentation der polizeilichen Kriminalstatistik für das Jahr 2001. Als Beleg nannte der Innenminister vor allem den Rückgang bei besonders schweren Taten wie Mord, Totschlag und Raubüberfällen.

Dagegen wurden im vergangenen Jahr knapp 2,9 Prozent mehr Fälle gefährlicher und schwerer Körperverletzungen registriert. Die Zahl von Vergewaltigungen und besonders schweren sexuellen Nötigungen stieg um 5,2 Prozent. Der Anstieg sei vor allem auf einen Wandel im Anzeigeverhalten zurückzuführen, sagte Schily. Opfer fänden häufiger den Mut zur Anzeige.

Die jährlich erstellte Kriminalstatistik erfasst alle bekannt gewordenen Straftaten. Insgesamt waren dies 2001 rund 6,36 Millionen Delikte, knapp 100 000 mehr als im Vorjahr – von Graffiti-Sprühereien über sexuelle Nötigung bis hin zur Korruption.

Für den Anstieg der erfassten Straftaten sieht der Innenminister vor allem zwei Entwicklungen als entscheidend an: eine wachsende Aufmerksamkeit der Bevölkerung und eine erfolgreichere Arbeit der Ermittlungsbehörden. Zur Analyse der Kriminalstatistik will die Bundesregierung demnächst wieder ihren periodischen Sicherheitsbericht veröffentlichen.

Um künftig noch effektiver gegen die Kriminalität in Deutschland vorzugehen, benötige man ein ausgewogenes Verhältnis zwischen harten Sanktionen und Prävention, sagte Schily. Dabei dürfe Prävention nicht allein Sache der staatlichen Behörden sein, sondern müsse auch in den Familien geleistet werden. Die schrecklichen Ereignisse von Erfurt hätten gezeigt, dass es gerade bei jungen Menschen „unbewältigte Entwicklungskonflikte“ gebe, die zu „gewalttätigen Hassausbrüchen“ führen könnten. Schily sprach sich für mehr vorbeugende Maßnahmen und die Bekämpfung der Jugendgewalt aus. Insgesamt aber sank im vergangenen Jahr die Kriminalität von Kindern und Jugendlichen - wenn auch nur gering. Auch die Zahl ausländischer Tatverdächtiger war mit 24,9 Prozent geringer als noch im Vorjahr.

Als alarmierend bezeichnete Schily indes die Entwicklung im Bereich der Computerkriminalität. Der Computerbetrug – Vermögensvorteile durch Manipulation bei der Datenverarbeitung – stieg um 162,3 Prozent auf 17 310 Fälle, der Betrug mit Zugangsberechtigungen zu Kommunikationsdiensten sogar um 265,7 Prozent auf 8039 Fälle. Stark angestiegen ist auch die erfasste Wirtschaftskriminalität mit einer Zunahme von 23,1 Prozent. Der Betrug mit EC- und Kreditkarten nahm im vergangenen Jahr ebenfalls zu.

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