• „Deutschland ist kein geeigneter Standort“ Polen und Tschechien lehnen Vertriebenen-Zentrum in Berlin ab

Politik : „Deutschland ist kein geeigneter Standort“ Polen und Tschechien lehnen Vertriebenen-Zentrum in Berlin ab

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Berlin (dpa). Die Regierungschefs Polens und Tschechiens haben sich eindeutig gegen die Einrichtung eines „Zentrums gegen Vertreibungen“ in Berlin ausgesprochen. Derweil wird in Deutschland über das vom Bund der Vertriebenen (BdV) geplante Zentrum weiterhin gestritten. Joachim Gauck, der frühere Leiter der StasiUnterlagenbehörde, sprach sich für einen selbstbewussten Umgang der Deutschen mit der Kritik der Nachbarn aus.

Polens Ministerpräsident Leszek Miller sagte am Wochenende in einem Fernsehinterview, sofern die Errichtung eines solchen Zentrums als Verneigung vor den Tragödien vieler europäischer Völker gedacht sei, müsse man „einen anderen Ort“ suchen. „Das kann nicht Deutschland sein.“ Der tschechische Ministerpräsident Vladimir Spidla forderte in der „Süddeutschen Zeitung“, stattdessen ein „Zentrum zur Erforschung der Gründe und Folgen von Kriegen“ einzurichten. Dabei könne auch das Thema Vertreibungen eine Rolle spielen.

Der frühere DDR-Bürgerrechtler Gauck sieht in Warnungen der Nachbarländer keinen Anlass, den Standort Berlin aufzugeben. „Kein Land hat wie Deutschland über zwei Generationen intensiv über die eigene Schuld an Unrecht und Mord debattiert“, sagte Gauck der Deutschen Presseagentur. Er zeigte Verständnis für Kritik einstiger Nazi-Opfer, monierte aber, dass sie von deutschen Politikern zum Teil überbewertet werde. „Das ist das Denken aus alten Schützengräben heraus.“

Gegen den Standort Berlin gibt es auch in Deutschland massive Vorbehalte. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD), der diese Woche bei einem Besuch in Prag wohl auch auf dieses Thema angesprochen wird, hatte vor „Geschichtsklitterung“ gewarnt, wenn man die Ursachen der Vertreibung nach dem Krieg verwische. Außenminister Joschka Fischer (Grüne) warnte, mit einem solchen Symbol „relativiert man die historische Schuld“. Der BdV „taugt nicht als Museumsdirektor“. Befürworter des Zentrums werfen Fischer nun vor, den Vertriebenen die Trauer um die Toten und die verlorene Heimat verwehren zu wollen. Gegner des Konzepts plädieren für eine europäische Lösung, etwa im polnischen Breslau.

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