Politik : Deutschland sucht fünf Elite-Unis

Bulmahn: Alle können am Wettbewerb teilnehmen / Internationale Jury / Humboldt-Präsident lobt, Union kritisiert

Markus Feldenkirchen

Berlin. Die Bundesregierung will bestehende deutsche Hochschulen zu Spitzenuniversitäten ausbauen. Im Rahmen eines Wettbewerbs sollen sich „bis zu fünf“ Universitäten qualifizieren, die dann ab 2006 mit jeweils 250 Millionen Euro gefördert werden sollen, kündigte Bildungsministerin Bulmahn (SPD) am Montag in Berlin an. Bis 2010 will die Regierung rund 1,25 Milliarden zusätzlich für die Schaffung von Elite-Unis bereitstellen. Der Wettbewerb soll alle vier Jahre erneuert werden. Es gehe darum „eine positive Leistungsspirale“ in Gang zu setzen, sagte Bulmahn. Die Union lehnte die Pläne als zu bürokratisch ab.

„Was uns fehlt, sind Spitzenuniversitäten, die weltweit strahlen und die klügsten Köpfe anlocken“, sagte Bulmahn auf dem Innovationskongress „Deutschland. Das von morgen“. Der Wettbewerb mit dem Titel „Brain up! Deutschland sucht seine Spitzenuniversitäten“ soll in diesem Sommer beginnen und steht allen Hochschulen offen. Eine Jury aus nationalen und internationalen Experten soll zunächst zehn Universitäten auswählen, die dann ein umfassendes Konzept vorlegen, wie die eigene Hochschule zur Eliteeinrichtung ausgebaut werden kann. Die Siegeruniversitäten sollen dann ab 2006 für fünf Jahre jeweils 50 Millionen Euro jährlich erhalten. Nach vier Jahren soll der Wettbewerb in die zweite Runde gehen und wieder allen Hochschulen offen stehen. Kriterien für die Förderung sollen unter anderem wissenschaftliche Exzellenz sowie die Förderung des Nachwuchses sein. Der Präsident der Humboldt-Universität zu Berlin, Jürgen Mlynek, begrüßte die Idee. Jetzt gebe es endlich einen konkreten Vorschlag, wie herausragende deutsche Forschungsuniversitäten gezielt gefördert werden könnten, sagte Mlynek dem Tagesspiegel und kündigte an, seine Hochschule werde sich um die 250 Millionen Euro bewerben.

Bei der Union stießen die Pläne auf Kritik. „Wenn Frau Bulmahn glaubt, mit einem solchen Wettbewerb die von ihr propagierten Elite-Universitäten finden zu können, dann wird sie eine ähnliche Überraschung erleben wie der Gesangswettbewerb „Deutschland sucht den Superstar" mit Daniel Küblböck“, sagte Thüringens Wissenschaftsministerin Schipanski. CDU-Chefin Merkel kündigte an, die Union werde diese Woche einen Gesetzentwurf in den Bundestag einbringen, mit dem mehr Wettbewerb für die Universitäten ermöglicht werden soll. Unter anderem soll das Verbot von Studiengebühren gekippt werden. Kanzler Schröder kündigte auf dem Kongress an, die Regierung wolle künftig stärker in Zukunftsprojekte investieren. Es müsse eine Umverteilung weg von „der Vergangenheitssubvention zu Zukunftsinvestitionen“ geben, sagte Schröder. Den Forschungsorganisationen will der Bund fünf Jahre lang steigende Zuschüsse garantieren, wenn diese effizienter arbeiten. Zudem werde sich die Projektförderung stärker auf eine „Missionorientierung“ ausrichten, sagte Bulmahn. Politik, Wissenschaft und Wirtschaft würden sich dabei auf ein gesellschaftlich wünschenswertes Ziel verständigen.

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