Politik : Deutschland-Trend: Krisenmanagement bringt Regierung aus dem Tief

Für den Deutschland-Trend hat das Institut In

Für den Deutschland-Trend hat das Institut Infratest/dimap vom 27. September bis 2. Oktober im Auftrag von ARD ("Bericht aus Berlin") und Tagesspiegel 1300 Wahlberechtigte befragt.

Vor dem Hintergrund der Terroranschläge in den USA und deren möglichen Konsequenzen sind die Bürger so besorgt wie seit Jahren nicht mehr: 65 Prozent äußern sich beunruhigt. Bei der Terrorismusbekämpfung sprechen sich zwei Drittel für eine militärische Unterstützung der USA aus (64 Prozent), ein Drittel ist dagegen (33 Prozent). Bei Art und Weise dieser Unterstützung sind die Deutschen zurückhaltend: Sechs von zehn sind für rein logistische Unterstützung, doch immerhin jeder Dritte plädiert für eine Beteiligung der Bundeswehr an Kampfeinsätzen. Grafiken: Politiker in der Wählergunst
Die Sonntagsfrage
Verhältnisse in Deutschland Durch diese Ereignisse ist die Problematik des internationalen Terrorismus schlagartig in den Vordergrund gerückt: Zwar ist die Arbeitslosigkeit weiter das wichtigste politische Problem (61 Prozent), doch schon an zweiter Stelle steht die Forderung nach verstärktem Schutz vor Terrorismus in Deutschland (24 Prozent). Auf diesem Feld sowie bei der Terrorismusbekämpfung auf internationaler Ebene wird der regierenden SPD mehr zugetraut als der Union (32 : 29 bzw. 39 : 26 Prozent). Darüber hinaus ist es der SPD gelungen, ihr Profil nach dem Tief im August zum Teil deutlich zu schärfen. Den Sozialdemokraten wird deshalb auch wieder eher als der CDU/CSU zugetraut, die Zukunftsprobleme Deutschlands zu lösen (33 : 28 Prozent). Infolgedessen wird die Bundesregierung wieder besser bewertet als im Vormonat: 39 Prozent sind mit ihrer Arbeit zufrieden, ein Plus von sechs Punkten.

Wenn am nächsten Sonntag Bundestagswahl wäre, ginge die SPD mit 40 Prozent klar als stärkste Partei hervor und könnte sich als einzige Partei gegenüber dem Vormonat leicht - um zwei Punkte - verbessern. Die Union käme wie im Vormonat auf 36 Prozent. Verlierer wären die FDP mit neun Prozent und die Grünen mit sechs Prozent, die jeweils einen Prozentpunkt abgeben. Die PDS würde erneut fünf Prozent der Stimmen erreichen und müsste um den Einzug in den Bundestag bangen. Alle anderen Parteien kämen zusammen auf einen Wähleranteil von vier Prozent.

Zweistellige Zuwächse

Die Stärke der SPD dürfte zu einem großen Teil am Krisenmanagement des Regierungschefs und seines Innenministers nach den Terroranschlägen liegen. Sowohl Schröder als auch Schily haben zweistellige Zuwächse zu verzeichnen und sind derzeit auf ihrem Popularitätshoch: Mit Schröders Amtsführung sind 72 Prozent zufrieden, ein Plus von 13 Prozent. Er kann sich darüber hinaus bei der Direktwahlfrage weiter von seinen Unions-Herausforderern absetzen und erzielt einen Rekordvorsprung vor Angela Merkel. Die Arbeit von Otto Schily wird von 61 Prozent positiv bewertet, ein Plus von 19 Prozent. Er kommt auch bei den Anhängern der Oppositionsparteien gut an. Auf Platz eins der Rangliste steht auch im Oktober Außenminister Joschka Fischer (81 Prozent).

Der sensationelle Wahlerfolg der Schill-Partei bei der Bürgerschaftswahl in Hamburg hat bundesweit Aufsehen erregt. Aus dem Stand erreichte die Partei des Amtsrichters Ronald Schill 19,4 Prozent der Stimmen in der Hansestadt. Schill war vor allem deshalb erfolgreich, weil er aus Sicht der Wähler glaubwürdig für die Bekämpfung der Kriminalität eintrat. Beflügelt von seinem Wahlsieg hat Schill angekündigt, bei der Bundestagswahl im nächsten Jahr zu kandidieren. Ob dieses Vorhaben erfolgreich sein wird, bleibt abzuwarten. Fest steht jedoch, dass knapp die Hälfte der Bevölkerung eine Partei, die sich vorrangig um die Verbrechensbekämpfung kümmert, auch auf Bundesebene für notwendig hält (48 Prozent). Die andere Hälfte der Bürger ist der Meinung, dass sich die im Bundestag vertretenen Parteien bereits ausreichend um dieses Thema kümmern (45 Prozent).

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