Politik : Deutschland-Trend: Rot-Gelb überholt Rot-Grün

Für den "Deutschland-Trend" hat Infratest dimap im Auftrag von ARD ("Bericht aus Berlin") und Tagesspiegel vom 28. Juni bis 3. Juli 1300 Personen befragt.

In der Union wird um den Kanzlerkandidaten gestritten; bei den Anhängern der Unionsparteien hat der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) mehr Rückhalt als CDU-Chefin Angela Merkel. Im Profilvergleich wird Stoiber eher als Merkel zugetraut, die Wirtschaft voranzubringen, neue Arbeitsplätze zu schaffen und die richtigen Konzepte zur Lösung der Zukunftsprobleme vorzulegen. Stoiber würde im Vergleich zu Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) besser abschneiden als Merkel, doch läge bei einer Direktwahl Schröder deutlich vor den beiden Unionspolitikern (55 zu 34 Prozent bei Stoiber, 66 zu 23 bei Merkel).

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Koalition mit der PDS in Berlin
Politiker in der Wählergunst Die Führungsdiskussion schadet offenbar der Union: Wenn bereits am Sonntag Bundestagswahl wäre, käme sie nur noch auf 34 Prozent der Stimmen, ein Minus von 3 Punkten gegenüber dem Vormonat. Die FDP könnte dagegen um einen Punkt auf 10 Prozent zulegen und erreichte erstmals seit der Bundestagswahl einen zweistelligen Wähleranteil (siehe Grafik). Mit diesem Ergebnis hätte die rot-grüne Koalition ihre Mehrheit verloren: Sie käme nur noch auf einen Wähleranteil von 46 Prozent. Dagegen erhielte ein sozial-liberales Bündnis mit zusammen 49 Prozent eine Regierungsmehrheit. Dieses wäre nach Auffassung von 38 Prozent der Bevölkerung eine gute Sache. In praktisch gleichem Maße (37 Prozent) wird dem rot-grünen Bündnis bescheinigt, die Probleme hier zu Lande bewältigen zu können. Vor der letzten Bundestagswahl war das rot-grüne Modell der klare Favorit aller Wähler: Im Herbst 1998 waren 53 Prozent der Auffassung, dass eine SPD/Grüne-Koalition gut für unser Land wäre. Am wenigsten Zuspruch erhielte ein rot-grünes Bündnis unter Einschluss der PDS, das nur 16 Prozent für gut befinden, 32 Prozent für weniger gut und 50 Prozent für ausgesprochen schlecht. Auf wenig Zustimmung stößt "Rot-Rot-Grün" bei den SPD-Anhängern: Lediglich 23 Prozent beurteilen eine solche Regierung positiv.

In Berlin könnte nach aktuellen Umfrageergebnissen von Infratest dimap eine rot-rote Koalition eine Mehrheit erzielen, ohne auf die Grünen angewiesen zu sein. Auf Bundesebene ist die Bevölkerung in dieser Frage gespalten: knapp die Hälfte der Befragten befürwortet eine Regierungsbeteiligung der PDS in Berlin oder würde sie hinnehmen, wenn die PDS zur Senatsbildung notwendig sein sollte. Die andere Hälfte lehnt eine Beteiligung grundsätzlich ab.

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