Deutschland und die Ukraine : Streit um Behandlung verwundeter Soldaten

Deutschland behandelt 20 verletzte ukrainische Soldaten - doch in Kiew gibt es plötzlich Kritik an der Auswahl der Patienten. Bundeswehrärzte weisen nun die Vorwürfe zurück.

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Verletzte ukrainische Soldaten kamen am Dienstag in Berlin-Tegel an. Betreut wurden sie von Ärzten der Bundeswehr.
Verletzte ukrainische Soldaten kamen am Dienstag in Berlin-Tegel an. Betreut wurden sie von Ärzten der Bundeswehr.Foto: Reuters

Eine Spezialmaschine der Bundeswehr startete am Dienstag in Kiew. An Bord: 20 verwundete ukrainische Soldaten, die nun in Deutschland behandelt werden. Die Bundesregierung will damit ihre Unterstützung für die Ukraine zeigen. Doch zwischen Kiew und Berlin gibt es wegen dieser Hilfsaktion Verstimmungen. Die Deutschen hätten die Behandlung schwerverletzter ukrainische Soldaten abgelehnt und stattdessen andere ausgewählt, die weniger stark verwundet seien, sagte der leitende Militärarzt Vitali Andronati der Zeitung „Kyiv Post“.

"Keine minderschwer Verletzten an Bord"

Der Sanitätsdienst der Bundeswehr wies die Kritik am Donnerstag zurück. „Die Vorwürfe sind aus der Luft gegriffen“, sagte Oberstarzt Dr. Axel Höpner, Chef der Verwundetenleitstelle der Bundeswehr, dem Tagesspiegel. „Wir hatten keinen minderschwer verletzten Patienten an Bord.“ Einige von ihnen mussten während des Fluges intensivmedizinisch betreut werden, mehrere wurden nach der Ankunft sofort operiert.

Gegen eine Behandlung in Deutschland entschieden sich Höpner und seine Kollegen etwa im Fall eines Hirntoten oder eines Querschnittsgelähmten. „Wir haben diejenigen ausgesucht, die von einer Behandlung in den Bundeswehrkrankenhäusern profitieren.“ So wurde ein verletzter Soldat nach Deutschland gebracht, dem ein großer Teil des Schädelknochens fehlt, ein anderer hat eine Schussverletzung im Bereich der Lendenwirbelsäule.

Präsidentenberaterin stellte Entscheidung der Chirurgen in Frage

Die Bundeswehrärzte beschreiben die Zusammenarbeit mit den ukrainischen Kollegen als sehr gut. Am späten Montagabend tauchte allerdings die am selben Tag ernannte Präsidentenberaterin Olga Bohomolez auf. Die Dermatologin, die als „Heldin vom Maidan“ gilt, stellte die Entscheidung der deutschen Chirurgen in letzter Minute in Frage.

Das Verteidigungsministerium in Kiew distanzierte sich am Donnerstagabend in scharfer Form von den Vorwürfen gegen die Deutschen und sprach von einer „Verzerrung der Fakten“. Die Zitate des Militärarztes Andronati seien aus dem Zusammenhang gerissen und entsprächen nicht den Tatsachen.

Das ukrainische Gesundheitssystem stößt wegen der vielen Verwundeten im Konflikt in der Ostukraine an seine Grenzen. Nach Ansicht von Experten fehlen Reha-Einrichtungen und Pflegeheime.

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