Eine neue Studie kommmt zu dem Ergebnis, dass im Umfeld von Atomkraftwerken überdurchschnittlich viele Kleinkinder an Leukämie erkranken. Umweltminister Sigmar Gabriel ist skeptisch und will die Untersuchung nun bewerten lassen.
Berlin -
Die neue Studie zu gehäuften Krebsfällen bei Kindern, die in der Nähe von Atomkraftwerken wohnen, zieht weitere Prüfungen nach sich: Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) beauftragte die Strahlenschutzkommission, Ergebnisse und Konzept der Studie sowie Ursachenzusammenhänge zu bewerten. Erst danach werde das Ministerium über das weitere Vorgehen entscheiden. Zur Begründung verwies der Minister darauf, dass bisherige wissenschaftliche Erkenntnisse "nicht im Einklang" mit Folgerungen aus der Studie stünden. Die Grünen forderten eine schnellere Abschaltung von Atomkraftwerken als bisher geplant.
Das Bundesumweltministerium hob hervor: "Zu den Ursachen der erhöhten Krebsraten enthält die Studie keine Aussagen." Der Anstieg bei den Krebserkrankungen könne nach derzeitigem Kenntnisstand der Wissenschaft "nicht durch die Strahlenbelastung aus einem Atomkraftwerk erklärt werden", teilte Gabriel mit. Um das erhöhte Krebsrisiko zu erklären, müsste demnach die Strahlenbelastung der Bevölkerung um mindestens das Tausendfache höher sein. Das Ministerium hob hervor, dass sich die Studie ausschließlich mit dem statistischen Zusammenhang der Entfernung des Wohnorts von dem jeweiligen Akw befasse.
Aus der neuen Studie des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS) geht hervor, dass die Häufigkeit von Krebserkrankungen bei Kindern unter fünf Jahren mit der Nähe zum Reaktorstandort deutlich zunimmt. Im Umkreis von fünf Kilometern um die Reaktoren wurde für den Zeitraum von 1980 bis 2003 ermittelt, dass 77 Kinder an Krebs erkrankten, davon 37 Kinder an Leukämie. Im statistischen Durchschnitt wären 48 Krebserkrankungen beziehungsweise 17 Leukämiefälle zu erwarten. Der Studie zufolge gibt es also zusätzlich 1,2 Krebs- oder 0,8 Leukämieerkrankungen pro Jahr in der näheren Umgebung von allen 16 untersuchten Akw-Standorten.
Experten: Erhöhtes Krebsrisiko im Umkreis von 50 Kilometern
Die "Süddeutsche Zeitung" berichtete, dass die Forscher der Universität Mainz einen klaren Zusammenhang zwischen Nähe des Wohnorts zu Atomkraftwerken und den Häufigkeit von Krebserkrankungen herstellen. Das Blatt zitiert die Forscher mit der Aussage: "Unsere Studie hat bestätigt, dass in Deutschland ein Zusammenhang zwischen der Nähe der Wohnung zum nächstgelegenen Kernkraftwerk zum Zeitpunkt der Diagnose und dem Risiko, vor dem fünften Geburtstag an Krebs (beziehungsweise Leukämie) zu erkranken, beobachtet wird." Nach einem Mitglied des Expertengremiums, das die Studie betreute, weisen die Daten sogar auf ein erhöhtes Krebsrisiko für Kinder im Umkreis von 50 Kilometern hin.
Grünen-Chef Reinhard Bütikofer mahnte, die Studie müsse ernst genommen werden und dürfe nicht wieder beiseite gewischt werden. Es sei die wissenschaftlich genaueste Untersuchung, die dazu bisher erstellt worden sei. Dies müsse nun vertieft werden. Doch hob er angesichts der Ergebnisse hervor: "Wir Grüne fordern die beschleunigte Abschaltung gerade der ältesten Atomkraftwerke." Wer noch immer "für einen längeren Betrieb von Atomkraftwerken oder gar deren Neubau eintritt, handelt völlig verantwortungslos", erklärte Bütikofer.
Der Energieexperte der Grünen im Bundestag, Hans-Josef Fell, kritisierte: "Die etablierte, meist atomfreundliche Wissenschaft hat die Gefahren der Atomenergie bisher maßlos unterschätzt." Dabei hätten kritische Wissenschaftler und Ärzte schon lange über eine höhere Krebsrate und Missbildungen in der Nähe von Akw berichtet. Er erklärte: "Hilflos sind die Äußerungen konservativer Wissenschaftler, die festgestellten erhöhten Kinderkrebsraten seien mit den Erkenntnissen der etablierten Wissenschaft nicht erklärbar. " Fell verlangte eine zweite Studie zur Gesundheitsgefährdung der gesamten Bevölkerung.
(küs/AFP)
Kommentare [ 8 ] Kommentar hinzufügen »
Diese Studie des Umweltinstituts München umfasste den Zeitraum von 1983 bis 1998.
Damals musste das Bundesamt für Strahlenschutz die erhöhten Krebsfallzahlen bei Kindern offiziell bestätigen.
da spielt z.B. die Bevölkerungsdichte im Umkreis von... usw. auch noch 'ne Rolle,
sihcer aler ist, dass derartige Statistiken seit den 80er Jahren z.B. über Krümmel vorliegen.
Das tingelt dann ab und wann durch die Presse, wird bei irgend einem PANORAMA oder MONITOR gesendet und das war's dann wieder,
die Sache ist auch zu heiß.
Soviel ich weiß, werden die meisten Vorfälle, wenn erheblicher Verdacht besteht, dass..., mit Geld und Unterlassungserklärungen erledigt
02. Dezember 2007
Die jetzt vorliegenden Meldungen für das Jahr 2004 zeigen in Bayern fast 50.000 neu aufgetretene Krebserkrankungen. Die Zahl der krebsbedingten Sterbefälle ist dagegen in Bayern wie in ganz Deutschland insgesamt rückläufig, insbesondere bei Dickdarm- und Prostatakrebs. Eine Zunahme bei den krebsbedingten Sterbefällen gibt es aber als Folge von Speiseröhrenkrebs, Lungenkrebs bei Frauen und schwarzem Hautkrebs bei Männern.
http://www.krebsregister-bayern.de/
Genau. Und die Erde wäre immer noch eine Scheibe, um die sich die Sonne dreht, so daß die sie tragenden Elefanten eine Sonnenbrille bräuchten usw. usf. Das Ergebnis dürfte doch eindeutig sein ...
Erich K.H. Kalkus, Lehrer i.R.
Diese Studie dagegen ist wieder ein guter Beweis, wie der Grundsatz "Self full-filling prophecy" mit Mitteln der Statistik "herbeigebeugt" wird. Warum die Altersbegrenzung, wie wäre es mit diversen Vergleichsgruppen zur Gegenprüfung der Hypothese?
Mit einiger Mühe lassen sich immer "Korrelationen" herbeiführen. Wenn der statistisch errechenbaren Koinzidenz aber keine vernünftige Hypothese zugrundeliegt, kann es dennoch Unfug sein.
Also, lasst die Kirche im Dorf und versucht Energie zu sparen, ohne Kohlenkraftwerke zu bauen, ohne Kamine der Häuslebauer, ohne alte Spritfresser in China, Indien und USA ....
Wo ist die Initiative für das abgasfreie Auto für die globalisierte Welt?