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Studie

Wenig Bildungschancen für sozial Schwache

Die soziale Herkunft von Jugendlichen entscheidet in Deutschland maßgeblich über deren Bildungs- und Berufschancen. Das geht aus der 18. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks für 2006 hervor.
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Kostspielige Bildung: Das Studentenleben wird oft von der Familie finanziert. - Foto: dpa
Berlin -  Die soziale Herkunft von Jugendlichen entscheidet in Deutschland maßgeblich über deren Bildungs- und Berufschancen. Das geht aus der 18. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks für 2006 hervor. Kinder von Akademikern haben danach eine fast doppelt so große Chance, Abitur zu machen, wie Kinder von Nichtakademikern. Während 83 Prozent der Kinder von Akademikern ein Studium aufnehmen, sind es bei den Nichtakademikern nur 23 Prozent.

Mehr als 75 Prozent der Eltern von Studenten sind der rund 500 Seiten starken Studie zufolge berufstätig. Studenten verfügten 2006 im Durchschnitt über 770 Euro im Monat. Damit ist ihr Einkommen in den vergangenen vier Jahren zwar gleich geblieben, aber aufgrund der Inflation im Vergleich zu 2003 fünf Prozent weniger wert.

"Sozialer Numerus Clausus"

Im Schnitt erhielten die Studenten monatlich 448 Euro von den Eltern. Die durchschnittliche Bafög-Förderung lag bei 376 Euro pro Student im Monat. Jeder vierte Student erhielt der Studie zufolge Bafög. Die Quote blieb im Vergleich zu 2003 fast unverändert. Damit ist Bafög die drittwichtigste Finanzierungsquelle nach der Unterstützung durch Eltern und Nebenjobs.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) forderte als Konsequenz aus der Studie ein "Aktionsprogramm zur sozialen Öffnung der Hochschulen". Die vorgelegten Daten seien Besorgnis erregend und zeigten, dass der Hochschulzugang ganz maßgeblich von der sozialen Herkunft abhänge. "Dieser soziale Numerus Clausus muss schleunigst aufgehoben werden", forderte GEW-Vorstandsmitglied Andreas Keller.

SPD-Politiker fordern Bafög-Erhöhung

Auch die SPD-Bildungspolitiker Renate Schmidt und Jörg Tauss sprachen von einem "alarmierenden Zeichen". Die Studiengebühren einiger Unions-geführter Länder begännen sich negativ auszuwirken. Für die SPD seien die Ergebnisse "eine klare Handlungsaufforderung". Eine erste wichtige Antwort werde "mit der deutlichen Erhöhung des Bafög noch 2008 gegeben". Die SPD-Fraktion wolle hierfür 290 Millionen Euro neue Mittel zur Verfügung stellen.

Die Bildungsexpertin der Links-Fraktion, Nele Hirsch, kritisierte, mit der Einführung von Studiengebühren und dem jahrelangen Verzicht auf eine Bafög-Erhöhung werde "der Geldbeutel noch stärker zum Kriterium, das über die Aufnahme eines Studiums entscheidet". Hirsch forderte eine Bafög-Reform sowie analog zur GEW die sofortige Erhöhung der Sätze um mindestens zehn Prozent. Ferner müsse das Bafög künftig allen Schülern aus einkommensschwachen Haushalten schon in der Oberstufe zur Verfügung stehen.

Storm: Deutschland braucht mehr Chancengerechtigkeit bei Bildung

Bildungs-Staatssekretär Andreas Storm (CDU) räumte ein, dass es nach wie vor zu wenig Studienanfänger gebe. Zum Ergebnis der Studie merkte der CDU-Politiker an, die Studie zeige, "dass sich über den Zeitraum der letzten zwei Jahrzehnte die Bildungsbeteiligung der Kinder aus den unterschiedlichen Herkunftsmilieus tendenziell angenähert hat." Die Chancen für Kinder aus nichtakademischen Familien seien "spürbar gesteigert" worden. Dennoch bleibe "die Verwirklichung von Chancengerechtigkeit eine vordringliche Aufgabe der Bildungspolitik in Deutschland".

Für die vom Bundesbildungsministerium finanzierte Erhebung wurden im Auftrag des Studentenwerks 17.000 Studenten befragt.
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Kommentare [ 1 ] Kommentar hinzufügen »

Comment
von dmeyer dmeyer ist gerade offline | 20.6.2007 19:59 Uhr
Bildungschancen
Warum sollen möglichst viele studieren? Wir brauchen auch
Handwerker und " Straßenfeger ".
Ein guter Handwerker ist genauso wertvoll, wie ein Akademiker.

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