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Bundeswehr

Strukturen aus dem Kalten Krieg

Die Bundeswehr will ihre Logistik erneuern – mit einem milliardenschweren Großauftrag an die Wirtschaft.
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Berlin - Die Bundeswehr vergibt einen lukrativen Großauftrag an die Wirtschaft: Das Verteidigungsministerium prüft, ob die sogenannte Basislogistik durch die Auslagerung der Bereiche Lagerhaltung und Materialverteilung effizienter gestaltet werden könnte. Vier bis fünf Milliarden Euro, schätzen Experten, könnte das Geschäft wert sein. Wer den Zuschlag bekommt, soll bis Mitte 2008 entschieden werden: Bislang haben die DHL, die Bahn AG mit ihrem Transportunternehmen Schenker, die Dienstleistungsfirma Arvato und ein mittelständisches Konsortium Interesse an dem Projekt bekundet.

Für die Lagerung und Distribution von Munition, Sanitätsmaterial und Betriebsstoffen wie Benzin oder Diesel soll jedoch auch in Zukunft die Bundeswehr zuständig sein – unter anderem deshalb, weil es in dem Bereich hohe Sicherheitsauflagen gibt, die sich für ein privates Unternehmen als hinderlich erweisen könnten.

Durch die Privatisierung wollen die Streitkräfte Kosten sparen und sich veränderten verteidigungspolitischen Anforderungen anpassen. „Wir sind jetzt endlich dabei, die letzten logistischen Altlasten des Kalten Krieges zu beseitigen“, sagt der ehemalige Chef des Bundeswehr-Logistikzentrums, Brigadegeneral a. D. Hans Peter Ueberschaer. Die Logistik der deutschen Streitkräfte sei viele Jahrzehnte auf die Verteidigung Deutschlands ausgerichtet gewesen. Für den Fall, von russischer Seite angegriffen zu werden, bunkerte die Bundeswehr seit den 60er Jahren entlang der deutsch-deutschen Grenze in Depots Munition und Material – die Truppen sollten innerhalb von 48 Stunden auf den Verteidigungsfall reagieren können. Obwohl dieser heute praktisch ausgeschlossen ist, existieren die militärischen Lagerstätten noch: Rund 3000 Zivilisten sind derzeit mit der Lagerung und Verteilung der Bundeswehrgüter in Deutschland beschäftigt.

Doch der Nachschub wird nun im Ausland benötigt: In Afghanistan, Kosovo und überall dort, wo die Bundeswehr Soldaten für Friedensmissionen bereitstellt. Rund 6980 Soldaten sind derzeit rund um Globus stationiert – und wie es aussieht, dürften es in absehbarer Zeit eher mehr als weniger werden. Das bedeutet, dass neben dem Personal auch immer mehr Material in die oft tausende Kilometer entfernten Einsatzgebiete geschafft werden muss – eine Aufgabe, der die Bundeswehr mit ihren logistischen Strukturen aber oft nur teilweise gerecht werden kann. Beispielsweise verfügen die deutschen Streitkräfte über kein weltweites Netz von Niederlassungen wie etwa international tätige Speditionen. Diese könnten bei Bedarf rund um den Globus auf Mitarbeiter zurückgreifen, die sich um Zollangelegenheiten oder die Verladung von Gütern kümmern. „Die sind in fast jedem Ort der Welt vertreten“, sagt General Ueberschaer. „So etwas können sich die Streitkräfte aber nicht leisten.“

Auch die für die Auslandseinsätze der Bundeswehr festgelegten personellen Mandatsobergrenzen sind aus logistischer Sicht eine Herausforderung. Es geht nämlich darum, das Verhältnis zwischen Einsatz- und Unterstützungsaufgaben möglichst zugunsten des Einsatzes zu gestalten. Das bedeutet, wenn Unterstützungsleistungen durch zivile Firmen erbracht werden können, müssen hierfür keine Soldaten eingesetzt werden. Diese können dann Einsatzaufgaben übernehmen. Allerdings bestehen in Bundeswehrkreisen Zweifel darüber, ob private Logistikunternehmen gerade bei Auslandseinsätzen den Anforderungen der Streitkräfte genügen. Die meisten Logistikunternehmen arbeiten nach dem kosteneffizienten „Just-in-Time“-Prinzip: Sie lagern keine Vorräte sondern beschaffen bestimmte Güter erst, wenn diese vom Kunden nachgefragt werden. „Nachschub im Ausland muss aber sofort zur Verfügung stehen“, sagt ein Bundeswehroffizier.

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 04.01.2008)
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Kommentare [ 1 ] Kommentar hinzufügen »

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von yogi1954 yogi1954 ist gerade offline | 4.1.2008 9:18 Uhr
Fein,
nun wissen wir bestätigt, wem die Aggressionen gegen die Erdölförderländer nutzen:
Der Rüstungsindustrie.

Nach dem Zusammenbruch des sozialistischen Lagers musste ein neues Feindbild geschaffen werden, um deren Profite zu sichern und - schlimmer noch - zu mehren.
Ganz besonders widerlich in diesem Zusammenhang das Wort: "Friedensmission"!

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