Die ultrarechte Gruppierung "Pro Köln" provoziert mit einem "Anti-Islamisierungskongress". Dagegen regt sich reichlich Widerstand.
Köln/Berlin -
Die Propaganda will Angst machen: Eine riesige türkische Moschee verdeckt fast den Kölner Dom, die Minarette überragen die Türme der zweithöchsten deutschen Kirche. Mit der Fotomontage wirbt die ultrarechte „Bürgerbewegung Pro Köln“ im Internet für eine Veranstaltung im Spätsommer, die in der rheinischen Metropole schon vorab viel Unmut provoziert. Am 20.September will Pro Köln einen „Anti-Islamisierungskongress“ abhalten – symbolträchtig an der Südseite des Doms, auf dem Roncalliplatz. Inzwischen hat sich auch die Bundesregierung auf Anfrage der Linksfraktion mit dem Kongress befasst – und gewarnt, solche Veranstaltungen „wirken in hohem Maß kontraproduktiv auf die Bemühungen um Integration von Menschen muslimischen Glaubens“.
Als Teilnehmer kündigt Pro Köln bekannte ausländische Demagogen an: der Franzose Jean-Marie Le Pen soll kommen, aus Österreich wird FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache erwartet und aus Belgien Filip Dewinter von der flämischen Separatistenpartei Vlaams Belang. Die in Italien mitregierende Lega Nord schickt einen Europaabgeordneten. Aufschlussreich ist auch die Liste der Deutschen.
Da wäre der Bundestagsabgeordnete Henry Nitzsche, der Ende 2006 lautstark die CDU verließ. Der sächsische Rechtspopulist mit dem ordinären Vokabular („Multikultischwuchteln“), tut sich nun mit Leuten zusammen, die Verfassungsschützer als rechtsextrem einstufen. Das gilt nicht nur für Le Pen, auch der von Pro Köln erwartete Harald Neubauer ist als Herausgeber der NPD-nahen Zeitschrift „Nation & Europa“ einschlägig bekannt. Zugesagt hat auch Rechtspopulist Heiner Kappel, Ex-FDP-Abgeordneter in Hessen und von 2001 bis 2005 Chef der Deutschen Partei, die mit der NPD flirtete.
Pro Köln selbst, mit fünfköpfiger Fraktion im Rat der Stadt vertreten, werden vom Verfassungsschutz Nordrhein-Westfalen „Anhaltspunkte für den Verdacht rechtsextremistischer Bestrebungen“ bescheinigt. Der Anti-Islamisierungskongress, heißt es in Sicherheitskreisen, „bestätigt die Einordnung“. Außerdem zeige sich, dass die Unterschiede zwischen Rechtspopulisten und Rechtsextremisten nicht so groß sind, wie gerade die um ein seriöses Erscheinungsbild bemühten Populisten behaupten. Allerdings sind zur Veranstaltung zumindest offiziell NPD und andere Neonazis nicht geladen.
Mehrere hundert Teilnehmer würden zum Kongress kommen, hat Pro Köln der Polizei mitgeteilt. Die Gruppierung profitiert von der weit verbreiteten Skepsis gegenüber dem Islam. In Köln wird kontrovers über den Bau einer großen Moschee debattiert, die der von Ankara gelenkte Dachverband der türkischen Moscheegemeinden Ditib in Deutschland im Stadtteil Ehrenfeld errichten will.
Gegen den Kongress regt sich reichlich Widerstand. Im Juni verabschiedete eine große Mehrheit im Rat der Stadt eine Protestresolution. Der Kongress im Schatten des Doms sei ein „unerträglicher Gedanke“, sagte Oberbürgermeister Fritz Schramma (CDU) dem Tagesspiegel. In Sicherheitskreisen ist zu hören, die Veranstaltung könnte auf einen anderen Platz verlegt werden. Dass gegen die ausländischen Ultrarechten ein Einreiseverbot ausgesprochen wird, wie es die Bundesregierung in ihrer Antwort auf die Anfrage der Linksfraktion offen ließ, glauben Sicherheitsexperten allerdings nicht. Ohne größere Zweifel lasse sich aber vorhersagen, dass an den Protestveranstaltungen Kölner Nazi-Gegner mehrere tausend Menschen teilnehmen werden.
(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 01.08.2008)
Kommentare [ 11 ] Kommentar hinzufügen »
Im übrigen scheint selbst die Pressestelle des VS Rechte, Rechtsradikale und Rechtsextremisten nicht mehr unterscheiden zu können.
Ein Einreiseverbot von gewählten Politikern aus EU - Staaten gefährdet mehr die Demokratie als dieser Kongress .
Das dieser Vorschlag von der Linken kommt - ausgerechnet die Nachfolgepartei von Mauerbau und Stasi .
sind es nicht genau die verharmlosenden Stimmen, die dann bei Gelegenheit, schon mal von "Linksfaschisten" sprechen,
also
was ist der Unterschied zwischen "Rechtspopulisten" und Nazis?
coyote,
ich warte...
der allerdings hieß,
da es ein "D-Wurf" war
somit der erste Buchstabe ein "D" sein musste,
und unsere Hunde seit etwa 90 Jahren aber nach Malern heißen,
eben Dali,
van Dyk war uns denn doch zu übertrieben,
Ach so,
Dali selbst schreibt zu deutschmichels Kommentar:
"Man forderte […] von mir, ich solle mich endlich entscheiden, Stalinist oder Hitlerist zu werden. Nein! […] Ich würde immer bis zum Tod derjenige bleiben, der ich war, Dalí und nur Dalí! Ich glaubte weder an die kommunistische Revolution noch an die nationalsozialistische Revolution."
(Salvador Dalí: Das geheime Leben des Salvador Dalí, S. 444f.)
Wenn Sie meine Beiträge bisher gelesen haben wissen Sie , daß ich immer über Migranten positiv geschrieben habe - ich bin seit 32 Jahren auch auch einer . In Frankreich, USA und Berlin .
Aber die Herrschaften von Vlaams Belang , Pro Köln , Legia Nord , Republikaner oder FPÖ sind keine Nazis . Und ein Antiislamisierungkongress kein Weltuntergang - auch wenn ich von solchen Veranstaltungen nichts halte . Aber viele Menschen haben Angst vor einer starken Islamgemeinschaft . Und das nutzen diese Parteien populistisch aus . Aber gleich Nazis ? Ist das nicht eine Aufwertung der wahren Nazis vor über 60 Jahren ? Ich bin überzeugt , es gibt in Deutschland keine Nazis mehr . Deutschland ist ein ausländerfreundliches Land !!
Ja , was ist ein Nazi ? Menschen , die den Holocaust leugnen - wie der Iraner ?? Ich weiss es nicht .
Faschismus,
ist die Ideologie, die prinzipiell fremdenfeindlich (nicht nur Ausländern gegenüber) autoritäre Statsstrukturen sucht und eine gehorsamsorientiertes Menschenbild erzeugen und umsetzen will.
Weiterhin sind sämtliche menschlichen Besonderheiten als abartig auszusondern und als solche zu behandeln (NUR ALS BEISPIELE: Schwule, Behinderte, Kriminelle usw.)
Diese Erscheinungen werden nicht als individuelle Eigenschaften oder, wie bei kriminellen, auf gesellschaftliche Abläufe, für die diese dann ja die Verantwortung hätte zurückgeführt, sondern auf "schlechte Einflüsse" (gern von fremden Kulturen) oder genetische Defekte gegründet.
Der Unterschied zu "Rechtspopulisten" besteht in den Mitteln, wie diese Gesellschaft erreicht werden soll,
die einen akzeptieren dafür Gewalt, die anderen wollen dies auf parlamentarischem Weg erreichen.
@klaus,
die in Lichtenberg halte ich nicht für Faschos, sondern für blöd
Aber die Herrschaften von Vlaams Belang , Pro Köln , Legia Nord , Republikaner oder FPÖ sind keine Nazis - auch wenn ich die nicht mag .