Eine Spende aus dem Hotelgewerbe bringt die FDP in Erklärungszwang. Funktionieren die Regeln noch?
Die einen, vor allem in der Opposition, wittern den großen Skandal. Die anderen, insbesondere die FDP selbst, sagen, alles sei ganz legal. Es gebe kein Zeichen für Käuflichkeit. Konkret geht es um eine in mehreren Tranchen gezahlte Spende in Höhe von 1,1 Millionen Euro der Düsseldorfer Substantia AG an die FDP. Tatsächlich geht es aber um mehr als diesen Einzelfall. Das deutsche Parteispendensystem steht auf dem Prüfstand.
Was macht die FDP-Spende so schwierig?
Formal haben die Liberalen keinen Fehler gemacht. Das Parteiengesetz schreibt in Paragraf 25 Absatz 3 vor, dass Spenden, die eine Höhe von 50 000 Euro überschreiten, dem Präsidenten des Deutschen Bundestages sofort anzuzeigen sind. Das hat die FDP gemacht. Zwischen Oktober 2008 und Oktober 2009 erhielten die Liberalen insgesamt 1,1 Millionen Euro von der Substantia AG. Die letzte Zahlung erfolgte am 13. Oktober 2009 (300 000 Euro). Das Problem ist ein politisches. Die Substantia AG gehört dem mit einem Vermögen von rund 5,2 Milliarden Euro fünftreichsten Deutschen, August Baron von Finck. Seine Familie ist Miteigentümer der Mövenpick-Gruppe mit 14 Hotels in Deutschland. Und die FDP hat sich für eine Reduzierung des Mehrwertsteuersatzes von 19 auf sieben Prozent für das Hotelgewerbe eingesetzt – und dies auch erfolgreich in der schwarz-gelben Koalition durchgesetzt. Deshalb wirft die Opposition der FDP nun Käuflichkeit vor. SPD-Vize Olaf Scholz forderte die FDP auf, die Spende zurückzuzahlen. Und Grünen-Chefin Claudia Roth sagte: „Das stinkt doch zum Himmel.“ Die Liberalen wehren sich. FDP-Generalsekretär Christian Lindner sagte: „Es gibt keinen politischen Skandal.“ Und auch der Koalitionspartner sieht keine Probleme. „Spenden gehören zur Finanzierung der Parteien. Und die Forderung nach Reduzierung des Mehrwertsteuersatzes ist schon alt“, sagte Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU).
Sind andere Parteien in der Koalition auch betroffen?
Die FDP war nicht allein Triebkraft für die Senkung des Mehrwertsteuersatzes für Hotels. Auch die CSU hat sich dafür stark gemacht. Sie bekam offenbar ebenfalls eine Großspende aus dem Umfeld der Milliardärsfamilie. Nach Angaben des Deutschen Bundestags erhielt die Partei im September 2008 sechs Tage vor der Landtagswahl von der Clair Immobilien Deutschland GmbH 430 000 Euro und der Mercator Verwaltung GmbH 390 000 Euro, also zusammengerechnet 820 000 Euro. Hinter beiden Firmen steckt nach Recherchen der „Süddeutschen Zeitung“ die Familie von Finck.
Gibt es Alternativen zum Spendensystem?
Kritik üben Wissenschaftler schon lange an der Praxis der Parteispenden. Der Politikwissenschaftler Ulrich von Alemann forderte eine Begrenzung von Parteispenden. Es könne nicht sein, dass in Deutschland Parteispenden in unbegrenzter Höhe möglich seien, sagte er der WDR-Fernsehsendung „Westpol“. Zugleich forderte er, dass Parteispenden von Unternehmen verboten werden. Auch Martin Höpner, Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung, setzt sich seit Jahren mit dem Parteispendensystem auseinander. Und er sieht in dem aktuellen Fall einen Beleg dafür, wie wenig transparent das deutsche System ist. Dabei könnte man auf den ersten Blick genau den gegenteiligen Eindruck gewinnen, schließlich ist die Spende ja erst durch die vorliegende Regelung bekannt geworden. „Aber die greift viel zu spät“, sagt Höpner. „Skandalös“ sei die deutsche Praxis. Erstens sei die Ad-hoc-Veröffentlichungspflicht viel zu weit oben angesetzt. „Diese Pflicht müsste schon ab einer Summe von 5000 bis 10 000 Euro greifen“, sagt Höppner. Das eigentlich Problematische an der deutschen Praxis sei aber gar nicht der Verdacht der Käuflichkeit, dem sich Parteien durch an sie gezahlte Spenden aussetzen. Vielmehr gebe es eine Verzerrung im politischen Wettbewerb. „Parteien, deren Wähler eher aus wohlhabenderen Milieus kommen, erhalten höhere Spenden und können sich deshalb finanziell mehr leisten als Parteien, deren Wähler eher aus ärmeren Milieus kommen“, sagt Höpner. Verbieten sollte man Spenden von Unternehmern oder reichen Personen allerdings nicht. „Sonst müsste der Staat komplett die Finanzierung der Parteien übernehmen“, sagt Höpner. Eine Obergrenze der Spenden sei aber sinnvoll.
Würden die Spenden als Einnahmequelle für Parteien wegfallen, müsste der Staat komplett die Finanzierung übernehmen. Schon jetzt erhalten Parteien Unterstützung vom Staat. Doch da nahezu alle Parteien auch mit Rückgängen der Mitgliederzahlen zu kämpfen haben, womit auch finanzielle Einbußen einhergehen, bliebe der Staat als einzige Geldquelle für Parteien. „Das ist auf Dauer auch nicht sinnvoll“, sagt Höppner.
Wie sieht die Spendenpraxis in Deutschland aus?
Für Unternehmen sind Parteispenden wichtig. Sie verfolgen ein bestimmtes Interesse und sind – anders als die Parteien – nicht dem Allgemeinwohl verpflichtet. Dabei hat sich die Spendenpraxis der Unternehmen in den vergangenen Jahren etwas verändert. Spendeten einige Unternehmen früher oft nur einem bestimmten politischen Lager Geld, gehen größere Unternehmen dazu über, nahezu allen politischen Gruppierungen zu spenden. „Politische Landschaftspflege“ nennt man das. Höpner sieht darin das Bedürfnis von Unternehmen, eine Art „Umweltstabilisierung in unsicheren Zeiten“ herzustellen. Dieser Trend verstärke sich von Wahl zu Wahl. Allerdings trifft dies nicht für Verbände und Einzelpersonen zu. Die spenden nach wie vor gezielt einem politischen Lager.
(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 19.01.2010)
Kommentare [ 33 ] Kommentar hinzufügen »
Oder vielleicht noch: Bimbes-Republik!
PS: Nicht alle FDP-Verantwortlichen sind von der Hotellobby gesponsort, es gibt da auch noch die Zuträger der Versicherungswirtschaft und der privaten Krankenversicherungen.
Haben die schon irgendeinen Nutzen aus der Regierungsbeteiligung der FDP gezogen? Ich finde, jetzt sind die Versicherungen, Banken, Segelbootbesitzer und die privaten Krankenkassen auch mal dran!
Wie ist die Fraktion der FDP denn aufgeteilt? Wieviele Abgeordnete hat die Hotelbranche? Und das Bankenwesen?
Ich bin sicher, dass die FDP in diesen Fragen ein gutes Augenmaß für Gerechtigkeit hat.
Das Alles erinnert an frühere Jahrhunderte. Da gab es die Zünfte und Stände; wer im Ständehaus, der Versammlung der Unternehmer, saß, hatte häufig auch einen Sitz im Stadtrat.
Vielleicht hat die FDP eine Ader für Nostalgie und Romantik, die wir noch gar nicht zu schätzen gelernt haben.
Wer's glaubt, wird selig !
Eine zweite Wählertäuschung wird Der FDP nicht mehr gelingen. Demnächst in NRW oder sonstwo nicht, auch nicht 2011 in Berlin.
Wenn so etwas passiert, dann darf die Mehrheit für die Zuwendungen aufkommen und weiterhin gleiche Preise zahlen, da diese den wohltätigen Spendern nun direkte Gewinne bringen.
aber bis zur nächsten Wahl, bei der die FDP für solcherlei eindeutiger Klientelbedienung in einer funktionierenden Demokratie abgestraft würde, hat der Wähler das schon wieder vergessen; sein Hirn ist mit Privat-TV-Müll zugeschstopft
Dadurch läuft nun auch ein anderes Klientel der FDP Sturm, dem durch diese Regelung hohe Verwaltungskosten entstehen. Die Spende war völlig legal aber es ist auch völlig legal und richtig der FDP zu unterstellen, dass hier Geld für eine Gegenleistung geflossen ist. Dieser Verdacht sollte die Partei des Flickskandals auch nicht überraschen. Er ist alles andere als absurd und mit hoher Wahrscheinlichkeit war.
Beweise? Ich brauche keine! Wenn der VERDACHT einer angeblichen Pfandunterschlagung von 1 Euro 30 nach geltendem Recht ausreicht, um jemanden zu kündigen, dann sind doch die Massstäbe gesetzt. Die FDP ist in der Pflicht zu beweisen, dass sie nicht auf die legale Art korrupt ist und noch das Vertrauen der Wähler verdient. Dass so ein Geschäft gesetzeskonform abgewickelt werden kann, macht es aus meiner Sicht nicht besser. Es verdeutlicht nur, wie dieses Land funktioniert. War das nun die Ausnahme, oder ist es die Regel, die durch dumme Arroganz hier ans Licht kam?
Die Sache hat aber auch eine gute Seite. Alle Diskussionen um die erwarteten Sparmassnahmen dürften milde gesagt etwas zäher werden. Genau wie die Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst. Warum sollen Krankenschwestern, Lehrer und Polizisten verzichten, damit den Hoteliers oder Abwrackern gegeben werden kann.
Zugegeben der Bundestag würde dann etwas Bunter und nicht mehr so Einfarbig.
Aber man hätte das Problem, das man nicht mehr wüste mit wem man es zu Tun hat.
Mann könnte ja gar nicht mehr die Ausweise des Bundestages erkennen.
Und Jeder Sponsor möchte doch sicher an oberster stelle sein Logo Sehen.
Oder würden sie ihr Firmen Logo (so sie denn eins Haben) am Hinterteil von Frau Merkel oder Herrn Westerwelle sehen wollen.
Auch wenn alles ganz legal ist, so bleibt doch ein übler Nachgeschmack...
Ich frage mich, warum die Bundespräsidenten solche Gesetze, wie in diesem Fall das Parteispendengesetz, unterschreiben.
Hatte der entsprechende Bundespräsident die Gefahr der Korruption nicht im Blick?
MAKSAS
Wieso hängt man die FDP und CSU nur an einer unterteilten Spende auf, wenn doch alle Hoteliers davon profitieren?? Da müssten doch noch viel mehr Spenden fliessen als nur diese Peanuts!
Ich bin ja für Wirtschaftsnahe Politik, schließlich ist Deutschland ein Industrieland, nur sollte doch irgendwo klar sein, dass die Politik die Mehrheit der Bevölkerung vertritt und nicht Einzelinteressen welche die Mehrheit nur Geld kosten.
Dros
dann aber nur dann,
habt ihr beste Möglichkeiten, die Bildungsmöglichkeiten zu verbessern.
Eine Million für eine Partei verspendet, bedeutet mindesten 11 Milliarden Euro für einen guten Zweck.
Guter Schnitt.
Da ist der Politikerkauf in Afrika ja noch teurer!
Ja natürlich, sieht man doch! Die alte Regel "Eine Hand wäscht die andere" hat noch nie ihre Gültigkeit verloren und ist in den Köpfen so präsent wie nie.
eine Regierungspartei sollte wenigstens versuchen, den Anschein zu erwecken, dass sie als Regierung "dem Gemeinwohl", d.h. so viel wie möglich Bürgern Gutes tun will.
Wenn aber eine Partei
Hoteliers, Erben großer Vermögen, Apotheker, Steuerberater, (gewerbliche) Hausbesitzer, Pharmaindustrie nebst privater Krankenversicherer
mit ihren Gesetzesvorhaben begünstigt und dann von dieser Seite auch noch Großspenden erhält,
muss schon die Frage an die FDP-Verantwortlichen gestellt werden,
ob sie überhaupt Politik machen
oder sich als "politische" Kaufleute betätigen...
Und die Gier höret nimmer auf...!
das IST Bestechung, es riecht nicht nur danach. Das ist ganz einfach Bestechung. Legale Korruption.
cu
Dros
Ich finde dieses System immer undemokratischer.
Der Einkauf der Parteien ist wie in einem Supermarkt, einiges bleibt als Ladenhüter halt liegen und anderes geht weg wie warme Brötchen.
Jene die einmal illegal eingekauft wurden - sagten nur -sorry - leisteten Meineide und bezahlten großzügig Standgelder und damit war der Fall als Kavaliersdelikt gegessen.
Warum aufregen - wenn da nicht die Vergangenheit wäre- jene da- ganz weit hinten -auch Hitler wurde einmal von der Großindustrie "eingekauft" - übrigens ganz legal. Damals gab es noch kein Gesetz der Parteifinanzierung, Das Resultat führte allerdings im Nachkriegsdeutschland zu einem entsprechenden "Einkauf" Gesetz - aber nun schauen eben jene "dumm drein" , deren Angebot nicht gefragt ist ( wenn schon nicht den Scheckverteiler - zumindest den Wähler sollte man überzeugen).
Was also machen: Neues Gesetz vielleicht, um das Fell des Bären besser aufteilen zu können? Oder wie wäre es einmal - es nur mit einer besseren Politik zu versuchen? Aber da liegt eben der Haken !
Ich vermute der FDP ist diese Großspende etwas unangenehm. Wegen der schlechten Presse. Der Großspender hätte vielleicht vorher mal anrufen sollen und die Spenden in kleineren Batzen überweisen sollen. Machen die Amis doch auch so...
Warum wurde die MwSt nochmal nicht für z.B. den ÖPNV und die Bahn gesenkt? Wo tatsächlich die meisten Bürger was von hätten?
Dros
Dabei wollte die FDP die Steuergesetzgebung VEREINFACHEN! Naja, dann fangt mal schon jetzt an, sonst wird das wieder nix!
Man muss sich nur mal die Frage stellen wieso eine so kleine Partei wie die FDP so einen großen Betrag gespendet bekommt.
Da ist doch was oberfaul!!!
Wer keine Lobby hat und seine Wählerstimme in blindem Vertrauen auf ehrliche Politik nach Berlin verschenkt hat, der bekommt nichts, außer einem Tritt in den Allerwertesten.
Wirklich naiv, wer noch glaubt, dass in Berlin Politik für den Bürger gemacht würde. Noch naiver, wer diese Ausbeuteragentur auch noch selbst gewählt hat. ...
Artikel Steuern rauf - außer für Lobbyisten und erst nach der Wahl