[Kommentare: 0]

Dessau

Plädoyers in Prozess um Tod eines Asylbewerbers verschoben

Es war an Händen und Füßen gefesselt und verbrannte in einer Dessauer Polizeizelle - der Prozess um den Asylbewerber Oury Jalloh geht in die letzte Runde. Die Plädoyers um seinen Tod wurden jetzt aber verschoben.
Anzeige
Bild vergrößern
Trauer um Oury Jalloh: Im März stehen Angehörige am geöffneten Sarg. - Foto: ddp
Dessau -  Die für Dienstag geplanten Plädoyers im Prozess um den Tod des Asylbewerbers Oury Jalloh vor dem Landgericht Dessau sind verschoben worden. Es gebe noch "Gesprächsbedarf", sagte die Nebenklagevertreterin Regine Götz nach einer halbstündigen Sitzung mit dem Vorsitzenden Richter Manfred Steinhoff und den Verteidigern der beiden Angeklagten. Ursprünglich sollte in dem Prozess gegen zwei Polizisten, denen eine Mitschuld am Tod von Jalloh vorgeworfen wird, am Dienstag die Staatsanwaltschaft plädieren. Der Asylbewerber aus Sierra Leone war im Januar 2005 an Händen und Füßen gefesselt in einer Dessauer Polizeizelle verbrannt. Laut Obduktion starb er an einem Hitzeschock.

Nach Angaben einer Gerichtssprecherin braucht die Vorbereitung zum Abschluss des bereits seit März 2007 andauernden Verfahrens "mehr Zeit, als die Kammer und die Verfahrensbeteiligten vermutet haben". Der Termin am Dienstag sei deshalb aufgehoben worden. Nähere Einzelheiten nannte sie aber nicht. Ulrich von Klinggräff, der als Anwalt der Nebenklage den Vater von Oury Jalloh vertritt, sagte, es gebe einen Vorschlag des Gerichts, über den er mit seinem Mandanten sprechen müsse. Voraussichtlich soll nun am Freitag, spätestens aber Montag mit den Plädoyers begonnen werden. Nach Gerichtsangaben bleibt es bei dem für den 8. Dezember geplanten Termin für die Urteilsverkündung.

Alarm zweimal ignoriert

Der Tod von Oury Jalloh hatte in Deutschland und auch international für großes Aufsehen gesorgt und Proteste ausgelöst. Der Asylbewerber war am 7. Januar 2005 festgenommen worden, weil sich zwei Frauen von dem alkoholisierten Mann belästigt fühlten. Weil Jalloh sich den Beamten nach deren Angaben widersetzte, wurde er an eine Pritsche in eine Gewahrsamzelle gefesselt. Die Anklage wirft dem früheren Dienstgruppenleiter des Polizeireviers Dessau, Andreas S., vor, nach Ausbruch des Feuers in der Zelle, den Alarm zweimal ignoriert zu haben. Er muss sich deshalb wegen Körperverletzung mit Todesfolge verantworten.

Dem Mitangeklagten Hans-Ulrich M. legt die Staatsanwaltschaft fahrlässige Tötung zu Last. Er soll bei der Durchsuchung des Asylbewerbers ein Feuerzeug übersehen haben, mit dem Jalloh später trotz Fesselung die Matratze in der Gewahrsamzelle entzündet haben soll. (saw/AFP)
Sie interessieren sich für dieses Thema und wollen keinen Artikel im Tagesspiegel dazu verpassen? » Informieren | » Login

Aus anderen Ressorts

Manipulierter Fußball:

Da kommt noch mehr, wetten?
Manipulation beim Fußball ist wie Doping. Beides verdirbt die Idee des Spiels. Ob sich alle an die Regeln halten und am Ende die beste Leistung zum Sieg führt, kann der Zuschauer nicht mehr wissen. Wie viele Spieler wohl an diesem Wochenende verdächtigt werden, denen der Ball unglücklich über den Fuß rutscht?

Untersuchungsausschuss:

Spreedreieck-Affäre: Strieder rechnet mit Nachfolgern ab
Ex-Bausenator Strieder will beim Spreedreieck frühzeitig gewarnt haben. Nachbarn des Areals klagen erneut.

Kommentare [ 0 ]

zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden

Kommentar hinzufügen Neue Community-Funktionen Richtlinien


Sie können noch Zeichen schreiben.
Kommentare werden nicht sofort angezeigt. Beachten Sie hierzu unsere Richtlinien.

Um diesen Beitrag absenden zu können, müssen Sie eingeloggt sein.

Benutzername  
Passwort  
     
Sie haben noch keinen eigenen Account? Dann bitte
Geben Sie bitte folgende Daten ein, um sich zu registrieren und Ihren Kommentar zu speichern.
Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet, und nicht ohne Ihre Zustimmung an Dritte weitergegeben werden!

gewünschter Benutzername:
gewünschtes Passwort:
Wiederholung Passwort:
Email:


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wie viel ist 43 - 10 = 


Anzeige
Weitere Themen

Bafögsätze sollen steigen Lesezeichen hinzufügen

Die Bundesregierung will zum 1. Oktober 2010 das BAföG erhöhen. mehr...

Entsorgungsfragen Lesezeichen hinzufügen

Von Reimar Paul, Göttingen
Umweltschützer befürchten, das Bundesamt für Strahlenschutz könnte seinen ... mehr...

Von Nord-Wasiristan bis Berlin Lesezeichen hinzufügen

Von Frank Jansen, Erfurt
Geheimdienste fürchten Anschläge im Zusammenhang mit der ... mehr...

Mehr Bafög – und 300 Euro für die Besten Lesezeichen hinzufügen

Die Bundesregierung will das Bafög erhöhen und besonders leistungsstarke ... mehr...

Mohammed al Baradei: Der Aufseher Lesezeichen hinzufügen

Von Andrea Nüsse
IAEA-Chef Mohammend al Baradei steht vor dem Ende seiner Amtszeit - klare Worte ... mehr...
Fotostrecken

Franz Müntefering (20 Bilder)

Die Feierlichkeiten zum 9. November (19 Bilder)

Das neue Bundeskabinett (16 Bilder)

Die letzten Wochen der DDR (23 Bilder)

Schwarz-gelbe Koalitionsverhandlungen (10 Bilder)

Oskar Lafontaines politisches Leben (18 Bilder)
Mauerfall 1989 - Foto: dpa
Lesen Sie hier persönliche Geschichten aus dem Wendejahr