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Rechtsextremismus

Mit Neonazis unter einem Zeltdach

In Sachsen-Anhalt ist ein Polizei-Spezialist für IT-Sicherheit bei einem Treffen von Neonazis aufgefallen. Das dürfte die schon schwelenden Polizeiaffären im Lande um einen weiteren Fall ergänzen.
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Rechte Kriminalität ist in Sachsen-Anhalt seit Jahren ein besonderes Problem. - Foto: pa/dpa
Berlin -  Das Wetter war miserabel, die Neonazis kamen dennoch. Pfingstsamstag 2005 versammelte sich eine Horde Rechtsextremisten am Bergwitzsee, einem der größten Gewässer Sachsen-Anhalts nahe Wittenberg. Die Polizei beobachtete schon vom Nachmittag an das Treiben in den zwei offenen Partyzelten. Als am späteren Abend, unter anderem aus den Boxen in offen stehenden Autotüren, volksverhetzende Musik von Bands wie "Macht & Ehre" schallte, griffen die Beamten ein. Sie trafen knapp 30 meist alkoholisierte Personen an, darunter Mitglieder der als gewaltbereit geltenden Gruppierung "Freie Nationalisten Dessau". Mindestens neun Neonazis waren aus einer Vielzahl von Verfahren wegen Körperverletzung, Volksverhetzung, Landfriedensbruch und anderen szenetypischen Delikten bekannt. Bei einem Mann indes stutzten die Polizisten: Es war ein Kollege. Und nicht irgendeiner. Der Beamte entpuppte sich als einer der führenden Spezialisten für die Sicherheit in der Informations- und Kommunikationstechnik der Polizei in Sachsen-Anhalt.

So wird der Sachverhalt in polizeiinternen Unterlagen dargestellt, wie der Tagesspiegel aus zuverlässigen Quellen erfuhr. In den Akten heißt es demnach, dass der Polizeioberkommissar, Dezernent für IT-Security-Management im Technischen Polizeiamt Sachsen-Anhalt, am Abend des 14. Mai 2005 angetroffen wurde - und zunächst angab, die beiden Partyzelte organisiert zu haben. Außerdem soll er gesagt haben, er treffe sich schon seit zehn Jahren mit seinen Freunden am See und die Polizei habe noch nie einen Grund gesehen, einschreiten zu müssen. Als ihn die Beamten darauf ansprachen, die anwesenden Personen seien teilweise dem harten Kern der rechten Szene zuzuordnen, soll der Polizist geäußert haben, die Partyzelte seien von ihm "nur so" aufgebaut worden, weil sich dort am See meist viele Leute träfen.

Der Verdacht, ein Beamter, der an einer hochsensiblen Schaltstelle der Polizei von Sachsen-Anhalt sitzt, sei Mitveranstalter eines Neonazi-Treffens gewesen, dürfte die schon schwelenden Polizeiaffären im Lande um einen weiteren Fall ergänzen. Die Geschichte sei "ungeheuerlich", sagt Wulf Gallert, Chef der Linksfraktion im Magdeburger Landtag. Er kündigt an: "Das wird ein Thema im Untersuchungsausschuss." Die Linksfraktion hatte Anfang Juli beschlossen, nach der Sommerpause einen Untersuchungsausschuss zu installieren, der sich mit der Dessauer Polizeiaffäre befasst. Es geht um mutmaßlich mehrfaches Fehlverhalten von Beamten aus dem Bereich der Polizeidirektion Dessau bei der Bekämpfung rechter Kriminalität. Mit dem neuen Fall gerät nun auch das Technische Polizeiamt des Landes unter Druck.

Und was wusste das Innenministerium? Ein Sprecher der Behörde sagt, im November 2005 sei eine Sicherheitsüberprüfung des im Mai am See kontrollierten Beamten eingeleitet worden - und noch im Gange. Der Polizist bleibe mit seiner Arbeit betraut, strafrechtlich liege nichts vor. Wegen des Abspielens volksverhetzender Musik am See wurde ein Neonazi verantwortlich gemacht, er musste 400 Euro Strafe zahlen. Und nach Erkenntnissen des Ministeriums habe der Polizist seine "beamtenrechtliche Wohlverhaltenspflicht nicht verletzt", sagt der Sprecher. Der Polizist war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen, sein Chef reagiert heftig. "Alles Tatarengerüchte", erregt sich Hans-Joachim Bogner, Leiter des Technischen Polizeiamts, als er mit Fragen zum Fall konfrontiert wird. "Das ist ein untadeliger Beamter", disziplinarische Vorermittlungen hätten ihn vom Verdacht einer Verbindung zu Neonazis "befreit". Bogner dementiert, dass der Beamte sogar zum Polizeihauptkommissar befördert worden sein soll, "das war er schon vorher". Wieso die Beamten ihn im Mai 2005 nach Vorlage seines Dienstausweises nur als Polizeioberkommissar notierten, bleibt offen.
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Comment
von p.petersen p.petersen ist gerade offline | 23.7.2007 19:03 Uhr
Das sind _was_ für Gerüchte?
Offensichtlich falsche, will Herr Bogner uns wohl mitteilen, um einen Polizeibeamten in Misskredit zu bringen - wie „Tataren“ es eben so machen?! Welches „Tatarenvolk“ meint er denn mit diesen Negativ-Zuschreibungen?!

Da wundert es mich wirklich nicht, wenn ein ein Nazi-Treffen organisierender, offensichtlich schuld-unbewusster (Zelte nur für Freunde) Polizeibeamter nicht nur im hochsensiblen Amt bleibt, sondern möglicherweise (für seine Haltung?) auch noch befördert wurde.

Was für ein brauner Sumpf, dem die Sicherheit der Bürger und ihrer Verfassung anvertraut wurde…!
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von gfdylan gfdylan ist gerade offline | 23.7.2007 23:02 Uhr
Nazis...
...raus aus Deutschland! Auf jeden Fall aber aus der Polizei, BW, Justiz,...
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von onumrich onumrich ist gerade offline | 24.7.2007 9:02 Uhr
Polizei auf dem rechten Auge blind
Die interne Untersuchung hat ergeben, dass der Polizist, der für polizibekannte Neonazis zwei Festzelte am See aufgebaut hat, der anwesend war, als rechtsextreme Musik gehört wurde, unschuldig war. Aha... Man kann sich nur wundern, dass die private Beziehung zu bekannten Rechtsextremen nicht zu einer Außerdienststellung des Polizisten geführt hat, der noch da zu in einem sensiblen Bereich arbeitet, möglicherweise Zugriff auf die persönlichen Angaben von Opfern von Naziübergriffen hat. Entweder der Leiter des Technischen Polizeiamts ist nur blind auf dem rechten Auge, was schlimm wäre, oder ist Teil der engen Gemeinschaft von Nazis und Polizei in Thüringen, was entsetzlich wäre. Und mich dennoch nicht überraschen würde.
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von cremont cremont ist gerade offline | 24.7.2007 13:15 Uhr
Aklimatisierung
Von einer Bekannten, nach einer Weiterbildung (es ging um den Umgang mit der rechtsextremen Szene im öffentlichen Dienst) waren Äußerungen zu hören wie: Es gibt Gesetze, die der Bürger gar nicht kennt, die er nicht wissen darf und die ihn nichts angehen! Die sind geheim. Was der wir, der öffentiche Dienst, die Polizei oder die Verwaltung macht, geht den Bürger meistens nichts an. Unsere Dienstvorschriften sind geheim."

Die Weiterbildung war Mitte 2006!
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von unbekannt | 24.7.2007 18:12 Uhr
volksverhetzende Musik aus Autotüren!
Hätte der Polizist ohne Uniform angesichts einiger dutzend Glatzen herbeieilen sollen mit dem Spruch "mach doch mal die volksverhetzende Musik leiser- oder möglichst aus". Die Rechten hätten sich doch ausgeschüttet vor Lachen- und dann wäre die Party erst richtig losgegangen. Auf welch sonderbarem Planeten wohnt eigentlich Wulf Gallert, Chef der Linksfraktion im Magdeburger Landtag?

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