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Korruption

4500 Wohnungen auf Pump

Es gibt erste Hinweise für Verbindungen zwischen Sachsens Korruptionsaffäre und dem Berliner Bankenskandal.
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Berlin/Leipzig - In der sächsischen Korruptionsaffäre geht es nicht nur um Klüngel aus Politikern, Juristen, Polizisten und der organisierten Kriminalität. Jahrelang sollen fragwürdige und illegale Immobiliengeschäfte vor allem in Leipzig abgewickelt worden sein. Jetzt gibt es Verbindungen zum Berliner Bankenskandal: Die Aubis-Gruppe hatte in den neunziger Jahren Tausende von Wohnungen bei der Leipziger Wohnungsbaugesellschaft (LWB) gekauft. Aubis-Verantwortliche haben jahrelang Kontakt zum früheren LWB-Rechtsabteilungsleiter Martin Klockzin gehabt. Er gilt als eine der Schlüsselfiguren in der Korruptionsaffäre. Vor gut eineinhalb Wochen trennte sich die LWB von Klockzin im gegenseitigen Einvernehmen.

Die städtische LWB hatte nach der Wende rund 120 000 Wohnungen von der DDR-Gebäudewirtschaft übernommen. Wie in anderen ostdeutschen Städten auch war die LWB an schnellen Verkäufen und Privatisierungen interessiert. Mitte der 90er Jahre war die Berliner Immobilienfirma Aubis auch an Leipziger Plattenbauwohnungen interessiert. Über das Zwischenerwerbermodell, für das Aubis millionenschwere Kredite von der Berlin Hyp erhalten hatte, erwarb die Gruppe in Leipzig 4500 Wohnungen. Diese Kreditgeschäfte und eine später aufgeflogene Parteispendenaffäre waren der Beginn des Berliner Bankenskandals.

Die LWB hatte damals vier von elf Verträgen mithilfe des Zwischennutzermodells mit Aubis abgeschlossen. Es gibt Verdachtsmomente in der Affäre, wonach es bei einigen LWB-Wohnungsverkäufen nicht immer sauber abgelaufen sein soll und zu geringe Preise bezahlt worden sein sollen. Klockzin bestreitet das und verweist auf eine interne fünfköpfige Kontrollgruppe. Bei den Verkäufen sei alles mit rechten Dingen zugegangen. Ende des Jahres scheidet er aus der LWB aus. Offiziell hat die Trennung von Klockzin nichts mit den Wohnungsverkäufen zu tun. Gegen Klockzin wird wegen Urkundenfälschung ermittelt: Der Jurist soll jahrelang im Rahmen von Verkehrsvergehen Schreiben im Namen von fiktiven LWB-Mitarbeitern verfasst haben. Auffällig ist nur, dass die LWB zeitgleich mit der Trennung von Klockzin mitgeteilt hatte, dass alle Immobilienverkäufe der neunziger Jahre von der Konzernrevision noch einmal aufgerollt werden. Außerdem werden zivil- und arbeitsrechtliche Verfahren des Unternehmens noch einmal überprüft.

In der Vergangenheit gab es zwischen Aubis und der LWB nachweisbare persönliche Verbindungen: Heinrich Wahlen, der frühere LWB-Geschäftsführer, wechselte 1998 in die Leitungsetage einer Aubis-Firma. Und Klockzin kannte auch Klaus Wienhold, einen der beiden Aubis-Geschäftsführer: Der LWB-Manager war zeitweiliger Schatzmeister des Fußballklubs FC Sachsen Leipzig, bei dem Wienhold als Sponsor und Präsidiumsmitglied bekannt war.

Verbindungen zwischen Leipzig und Berlin gab es auch durch den früheren Leipziger Wärmelieferanten Elpag. Die Ex-Aubis-Geschäftsführer Wienhold und Christian Neuling waren angeklagt, durch überhöhte Heizpreise einen Millionenschwindel eingefädelt zu haben. Die Angeklagten haben das stets bestritten, der Prozess ist aus gesundheitlichen Gründen bei Wienhold und Neuling ausgesetzt worden.
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Kommentare [ 3 ] Kommentar hinzufügen »

Comment
von scotty scotty ist gerade offline | 25.6.2007 5:49 Uhr
Vertrauenswürdig?
Wenn man das alles so verfolgt muß man sich wirklich fragen, wie vertrauenswürdig Politik und Justiz überhaupt noch sind.
Comment
von unbekannt | 25.6.2007 10:59 Uhr
Interessant wäre es ob jetzt der Staatsanwalt
das eingestellte Verfahren gegen Christian Neuling (CDU) weil er als Vorsitzender des Bundestagsunterausschusses zur Kontrolle der Treuhandanstalt gleichzeitig als Unternehmer mit der Treuhandanstalt am Anfang der 1990er Jahre Grundstücksgeschäfte betrieben hatte, wieder aufgenommen wird.
Comment
von klaus_weiss klaus_weiss ist gerade offline | 25.6.2007 12:13 Uhr
Von all diesen Verflechtungen ...
... haben die Damen und Herren Aufsichtsräte wie Fugmann-Heesing oder Wowereit oder auch der Fonds-Zeichner Strieder nichts gewußt? Wieder ein Nackenschlag mehr für den Urnenpöbel, wieder ein Beispiel für Korruption und Selbstkorruption in der Politik. Und wieder ein Grund für einige, die Demokratie insgesamt in Frage zu stellen, wo doch nur das bundesdeutsche System Parteilistendemokratie versagt hat.

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