Berlin - Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble will die staatlichen Befugnisse im Kampf gegen den Terror drastisch erweitern. Der CDU-Politiker sprach sich in einem Gespräch mit dem „Spiegel“ dafür aus, so genannte Gefährder in Unterbindungsgewahrsam zu nehmen und den Straftatbestand der Verschwörung einzuführen, um besser gegen Sympathisanten terroristischer Netzwerke vorgehen zu können. Zudem will Schäuble klären, unter welchen Bedingungen der Staat Terroristen gezielt töten darf. Der Koalitionspartner SPD und die Oppositionsparteien wiesen Schäubles Forderungen zurück.
„Das Grundgesetz würde doch zerbrechen, wenn wir es nicht anpassen würden, gerade bei solchen zentralen Fragen“, verteidigte Schäuble seinen Vorstoß. Es müsse geklärt werden, ob der Rechtsstaat heute ausreiche, um den Bedrohungen durch den Terror zu begegnen. Die rechtlichen Probleme reichten bis zu Extremfällen wie der gezielten Tötung. Zur Begründung führte Schäuble eine mögliche Exekution Osama bin Ladens an. Wenn dessen Aufenthaltsort bekannt wäre, „könnte man eine ferngesteuerte Rakete abfeuern, um ihn zu töten“, sagte Schäuble. „Die Amerikaner würden ihn exekutieren und die meisten Leute würden sagen: Gott sei Dank.“ Bei einer Beteiligung Deutscher an einer solchen Aktion wäre die Rechtslage aber völlig unklar. „Wir sollten versuchen, solche Fragen möglichst präzise verfassungsrechtlich zu klären, und Rechtsgrundlagen schaffen, die uns die nötigen Freiheiten im Kampf gegen den Terrorismus bieten“, forderte der Minister. Den Vorwurf, den Rechtsstaat bis an seine Grenzen zu dehnen, wies er zurück. Schon jetzt gebe es in den Polizeigesetzen der Länder den finalen Rettungsschuss.
Zum Umgang mit Gefährdern, die nicht abgeschoben werden könnten, warf Schäuble die Frage auf, ob man diese wie „Kombattanten“ behandeln und internieren könne. Er schlug in diesem Zusammenhang vor, den Unterbindungsgewahrsam, wie er etwa für Hooligans existiert, auszudehnen. Denkbar sei auch, Kommunikationsverbote im Internet oder mit dem Handy zu erlassen.
Als Gefährder stufen die Sicherheitsbehörden potenzielle Attentäter ein. Es handelt sich um Menschen, bei denen zwar Anhaltspunkte vorliegen, dass sie in die Planung von Anschlägen verwickelt sein könnten, bei denen die Hinweise aber nicht für die Einleitung eines förmlichen Ermittlungsverfahrens ausreichen.
Die SPD reagierte mit deutlicher Kritik auf Schäubles Vorstoß: Der Innenminister überzeichne, sagte SPD-Chef Kurt Beck im ZDF. Ständige neue Verschläge würden nicht weiterhelfen. „Wir dürfen die Freiheit nicht zu Tode schützen.“ Der innenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Dieter Wiefelspütz, erklärte: „Das ist halb gar, zum großen Teil heiße Luft. Nichts von dem wird umgesetzt." Grünen-Chef Reinhard Bütikofer zeigte sich erschüttert über Schäubles Pläne. Dem Tagesspiegel sagte er: „Der Innenminister verneint die Unverbrüchlichkeit der Menschenrechte. Er will den Rechtsstaat durch einen Willkürstaat ersetzen. Nach diesen Äußerungen kann er nicht mehr für sich in Anspruch nehmen, Verfassungsminister zu sein.“ Bütikofer rief die Bundesregierung dazu auf, sich im Kampf gegen den Terror ein Beispiel an der „entschlossenen Gelassenenheit“ des britischen Premiers Gordon Brown zu nehmen. Diese stehe „in scharfem Kontrast zu der bürokratischen Hysterie, mit der Schäuble sein Amt missbraucht“. FDP-Fraktionsvize Sabine Leutheusser-Schnarrenberger warf Schäuble vor, dieser wolle mit der gezielten Tötung von Verdächtigen durch den Staat „den politischen Mord legalisieren“. Das könne nicht einmal im Ausnahmezustand gelten, sagte die frühere Bundesjustizministerin. Der innenpolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Max Stadler, sagte, Schäubles Forderung nach einer Art Vorbeugehaft für Gefährder zeige, dass der Innenminister rechtsstaatliche Prinzipen über Bord werfen wolle. Auch der Chef der Linksfraktion im Bundestag, Gregor Gysi, warnte vor einer Verschärfung der Sicherheitsgesetze. Terroristen dürften nicht indirekt über Grund- und Bürgerrechte in Deutschland entscheiden dürften.
Dagegen forderte der Islam-Experte Bassam Tibi eine verstärkte Überprüfung von Muslimen, die nach Europa einreisen. Tibi sagte, man müsse „Muslime, die nach Europa kommen, durchleuchten“. Das sei „keine Diskriminierung“, fügte der Göttinger Professor für Internationale Beziehungen hinzu. Es gebe globale Netzwerke, die Dschihad-Kämpfer nach Europa brächten. Darauf müsse man sicherheitspolitisch reagieren.
Schäuble hatte bereits in den vergangenen Wochen mit seinem Plan für Aufsehen gesorgt, eine rechtliche Grundlage für die Durchsuchung privater Computer über das Internet zu schaffen. Für die Online-Durchsuchungen will er weiter- kämpfen. Zudem setzt er sich hartnäckig für die Ausweitung der Bundeswehrkompetenzen im Inland ein. Über seine Vorschläge dazu laufen derzeit Verhandlungen in der Bundesregierung. Trotz des anhaltenden Widerstands von Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) setze er „noch auf das Gespräch“. SPD-Fraktionschef Peter Struck habe ihm versichert, er sei „absolut gesprächsbereit für meine Vorschläge“. has/Tsp
(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 09.07.2007)
Kommentare [ 26 ] Kommentar hinzufügen »
Die Grundrechte sind seinerzeit nach einem elendigem Krieg verfasst worden und unser Land tut gut daran , sich an diese zu halten .
Sie haben 60 Jahre unseren Rechtstaat bewahrt.
Der Weg kann nicht ein target killing sein , der Weg kann auch nicht sein , 82.000.000 Bürger unter Kollektivterrorismusschuld zu stellen . Ich habe etwas gegen diese herbeigeredeten Terrorismusaufgepusche. Provocant acteurs gab es immer . Und keiner Regierung fällt es schwer , ihr eigens herbeigeredetes Szenario auch selbst zu produzieren . Früher klaute man feindliche Uniformen , steckte Gefangene hinein und produzierte Kriege . Heute ............ Denkt einfach selber !!!!!!
Jährlich sterben in der Bundesrepublik ca. 140.000 Menschen wegen des Konsums von Zigaretten.
Durch Passivrauchen sterben jedes Jahr ca. 3.400 Menschen.
Über 500 Millionen Menschen, die jetzt weltweit noch Leben, sterben voraussichtlich am Rauchen. Das sind über 8% der Weltbevölkerung
Das Innenministerium hat deswegen heute die sofortige Internierung aller Raucher angeordnet. Es heißt aus Sicherheitsgründen. Ehemalige Raucher müssen sich langen Verhören unterziehen und deren Handys wurden beschlagnahmt.
Alle Verantwortlichen der Zigarettenindustrie wurden vorab nach "Guantanamo" gebracht Sie müssen mit einer langen Haftstrafe rechnen.
Worldsnews.
stephan krubert epunion
www.epunion.de
Man sollte gerade Herrn Schäuble für geistig nicht so minderbemittelt halten, nicht beurteilen zu können, was die Stunde geschlagen hat und wie dauerhaft dagegengehalten werden muß. Trotz der populistischen Schwätzer aus der Oppositionsparteien und linker SPD-Ecken ist zu hoffen, daß Schäuble mit der Umsetzung seiner Vorhaben noch in dieser Legislaturperiode, bzw. der folgenden, Erfolg haben wird. Vielleich senkundiert Peter Struck babei.
Würde Schäuble endlich definieren, dass Terrorismus nichts anderes als eine Kriegsmethodik ist, dann ergäge sich dieses Problem nicht! Genau über diesen Sachverhalt wollen wir diskutiere. Weil erhebliche Bedenken in der Medienlandschaft, vielleicht auch aufgrund der offiziellen Festlegungen, besteht, Terrorismus nicht als Krieg zu bezeichnen, ist eine Klärung dringend erforderlich. Wir haben Quellen aufgelistet, die genau diese Position vertreten; Bush bestätigt indirekt diese Position, weil er Guantanamo als militärischen Vorgang betrachtet.
In Deutschland haben es seitdem 12 der 16 Bundesländer in ihre Polizeigesetze aufgenommen und das Grundrecht des Rechts auf Leben einschränken.
Ein Schuss, der mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit tödlich wirken wird, ist nur zulässig, wenn er das einzige Mittel zur Abwehr einer unmittelbar bevorstehenden Lebensgefahr oder der unmittelbar bevorstehenden Gefahr einer schwerwiegenden Verletzung der körperlichen Unversehrtheit ist. § 20 Absatz 1 Satz 1 findet im Falle des Satzes 1 keine Anwendung.
Detlef, es geht um eine neue Form der Bedrohung.
Vor 15 oder 20 Jahren kannte man eben nur den Bankräuber, der mit einer Geisel flüchten will, und von einem Scharfschützen getötet wird. Dafür war der finale Rettungsschuß konzipiert.
Wenn wir aber heutzutage Terroristen haben, die mit Bomben massenweise Menschen umbrigen wollen, müssen wir neue Lösungsmöglichkeiten denken und gehen.
Ein solcher Terrorist, dem jegliche ethischen und moralischen Grundsätze abgehen, kann sich nicht auf die Grundsätze des Rechtsstaats berufen.
Diese Leute meine ich mit bewaffneten "Zivilisten".
Es muß möglich sein, sie auch gezielt zu töten.
Mir scheint, daß es da einen Bruch in Ihrer Argumentationskette gibt.
Ganz davon abgesehen, daß der Terrorist mit dem Sprengstoffgürtel sich nicht diese Art von Finessen schert.
Natürlich besteht die Gefahr von Anschlägen, aber Mord ist nicht deren Lösung. Seit 50 Jahren beschäftigen wir Deutschen uns mit den Ursachen und Folgen des dritten Reiches und dann so was...
In der Bundesrepublik Deutschland gilt – wie heute in allen demokratischen Staaten üblich – das Prinzip der dreifachen Gewaltenteilung in Legislative (Gesetzgebung), Exekutive (Ausführung) und Judikative (Gerichte).
Der Terrorist mit Sprengstoffgürtel würde wenn er die Hand am Zünder hätte und es sinnvoll währe sicher mit dem finalen Rettungsschuß zur Abwehr einer unmittelbar bevorstehenden Lebensgefahr getötet werden können. In einer “Bananenrepublik” neigt man dazu einen unbewaffneten Terroristen nicht festzunehmen sondern zu erschießen.
ad 1: bei der Gefahrenabwehr ist nur die Exekutive und eben nicht alle drei Gewalten zuständig.
ad 2: Die Rechtsgrundlage für den finalen Rettungsschuß wurde in den 70er Jahren entwickelt und damals gab es genau die selben Diskussionen wie heute.
Vielleicht sind wir heute an einem Zeitpunkt angelangt, an dem wir eben eine Grundlage für die Tötung von Terroristen schaffen müssen, auch wenn sie keine unmittelbare oder gegenwärtige Gefahr darstellen.
Umstände ändern sich, und Veränderungen verlangen nach veränderten Antworten. Denkverbote und stupide Verweise auf bestehende Gesetzeslagen führen hier nicht weiter.
Und das mit dem Denkverbot ist von Frau Merkel kopiert, wobei das von ihrer Seite schon mehr als unglücklich bis beschämend war. Pfui