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Vorwurf des Geheimnisverrats

Massive Kritik an Ermittlungen gegen Journalisten

Mit massiven Reaktionen hätten die Staatsanwälte rechnen können. Sie ermitteln gegen Journalisten und Abgeordnete, weil diese Geheimnisse aus dem BND-Untersuchungsausschuss weitergegeben haben sollen. Die Ermittler stehen nun im Kreuzfeuer der Kritik.
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Berlin -  Die Ermittlungen der Justiz gegen Journalisten wegen der Veröffentlichung geheimer Informationen aus dem BND-Untersuchungsausschuss haben Empörung auf breiter Front ausgelöst. Journalisten- und Verlegerverbände sprachen von einem Angriff auf die Pressefreiheit. Kritik kam auch aus der Politik und der Justiz. Die Staatsanwaltschaft Hamburg - eine der ermittelnden Behörden - bezeichnete das Verfahren selbst als "Quatsch". Die Verfahren richten sich nach Angaben der federführenden Berliner Staatsanwaltschaft auch gegen Abgeordnete.

Bei den Ermittlungen geht es um den Vorwurf, dass eine Reihe von Journalisten aus Geheimakten des BND-Ausschusses zitiert und sich damit des Geheimnisverrats mitschuldig gemacht hat. Nach ARD-Informationen wird gegen mindestens 17 Journalisten ermittelt, von Tagesspiegel, "Süddeutsche Zeitung" über den "Spiegel" bis zur "Zeit".

Auch Abgeordnete im Visier der Staatsanwälte

In dem Ausschuss geht es um die Aktivitäten des Bundesnachrichtendienstes (BND) und anderer deutscher Sicherheitsbehörden. Der Ausschussvorsitzende Siegfried Kauder (CDU) verteidigte das Vorgehen: "Für mich war wichtig, die Schotten dichtzuhalten im Ausschuss, weil die Ausschussarbeit deutlich behindert war", sagte Kauder. "Das war auch meine Absicht - herauszufinden, wo die undichten Stellen sind, und sicherzustellen, dass es in Zukunft so nicht läuft." Ermittelt wird nach Angaben der Berliner Staatsanwaltschaft auch in Richtung von Mitgliedern des Ausschusses beziehungsweise deren Mitarbeiter. Die Verfahren richteten sich bislang jedoch nicht gegen bestimmte Abgeordnete, sondern gegen unbekannt.

Die Journalistenverbände DJV und DJU werten die Verfahren hingegen als Versuch, Aufklärung verhindern zu wollen. "Spiegel"-Chefredakteur Stefan Aust, gegen den ermittelt wird, kritisierte: "Das scheint mir ein ungezielter Angriff mit der Schrotflinte auf die Pressefreiheit zu sein." Der Journalist Hans Leyendecker von der "Süddeutschen" sprach von einem "Versuch der Einschüchterung", der aber nicht gelingen werde.

Hamburger Staatsanwalt nennt Ermittlungen "Quatsch"

Auch die Zeitungs- und Zeitschriftenverleger protestierten gegen das Vorgehen der Staatsanwaltschaften. Die Bundespressekonferenz - der Zusammenschluss der Parlamentskorrespondenten in Berlin - verlangte, die Ermittlungen sofort einzustellen.   Die Ermittlungen sind aber auch in den Reihen der Justiz umstritten. Die Staatsanwaltschaft Hamburg bezeichnete die Verfahren als "überflüssig". "Nach dem "Cicero"-Urteil ist ein solches Verfahren Quatsch", sagte Oberstaatsanwalt Rüdiger Bagger. Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts im Streit um eine Durchsuchung gegen das Magazin "Cicero" vom Februar wird allgemein als Stärkung der Pressefreiheit gewertet.

Der CDU-Abgeordnete Reinhard Grindel sagte in der "Neuen Osnabrücker Zeitung", eigentliches Ziel sei es, "undichte Quellen in den Reihen der Abgeordneten, des BND oder wo auch immer" herauszufinden. Auch FDP und Grüne kritisierten die Ermittlungsverfahren. Der FDP-Obmann im Ausschuss, Max Stadler, sagte, man sei "über das Ziel hinausgeschossen". Nach Angaben des Grünen-Abgeordneten Hans-Christian Ströbele war bei dem Mehrheitsbeschluss des Ausschusses für die Ermittlungen erklärt worden, die Maßnahmen richteten sich nicht gegen Journalisten. (mit dpa)
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Kommentare [ 9 ] Kommentar hinzufügen »

Comment
von hansmebo hansmebo ist gerade offline | 3.8.2007 12:19 Uhr
Notwendigkeit
An alle Journalistinnen und Journallisten,
sie Notwendigkeit des kritischen Jourmnalismus ist fester Bestandteil zur Kontrolle der Demokratie.

Wir LeserInnen haben den Anspruch auf Information und so soll es auch sein.

Die Spiegel Affäre ist nicht vergessen und heute ist es scheinbar der Teil 2.

Lasst Euch nicht einschüchtern und entmutigen!
Comment
von talkingkraut.peterson talkingkraut.peterson ist gerade offline | 3.8.2007 13:47 Uhr
Geheimnisverrat
Als müßten sich die Journalisten durch diese Ermittlungen, die meiner Meinung nach notwendig sind, eingeschüchtert fühlen. Macht man sich da nicht lächerlich, wenn man das gleich zu einem Angriff auf die Pressefreiheit aufbauscht? Unangenehm ist das vielleicht schon, aber im Vergleich zu den Abgeordneten, die sich allem Anschein nach des Geheimnisverrats schuldig gemacht haben, harmlos, weil höchstens Beiheilfe. Gut, dass Lammert den Weg frei gemacht hat für Ermittlungen gegen die MdBs. Die Ermittlungen gegen die Journalisten sind da nur ein Umweg, um die MdBs herauszufinden, die als geheim eingestufte Dokumente aus dem Ausschuss weitergegeben haben. Ich zweifle, dass die Journalisten sich auch dann noch auf Quellenschutz berufen können, wenn da Geld geflossen ist.
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von wpev wpev ist gerade offline | 3.8.2007 13:48 Uhr
Vorwurf des Geheimnisverrats
Da muß jeder, ja wirkliche jeder, zur Aufklärung beitragen. Die Ermittler mit Sachlichkeit und Fairneß... die Betroffenen mit Veständnisund Transparenz. Oder, sollten Jornalisten eine besondere Spezies sein? Völlig gefeit gegen jegliche Versuchung?
Unglaubwürdig wäre das. Somit sind sie vor dem Gesetz wie ein normaler Bürger.
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von cremont cremont ist gerade offline | 3.8.2007 14:25 Uhr
falsches Beschäftigungs-Verständnis
Da der gewohnt obrigkeitshörige Deutsche, dem verhätschelten und hofiertem Herrn Obergeneralministerialpräsidentendirgenten nebst Frau, Kind, Kegel und seinem Hofstaat immer noch die gleiche Bewunderung und kratzfüßige Ehrfurcht entgegenbringt, die dieser Büttel auch abfordert, wird sich nichts ändern.

Die Einstellung, das er zwar die Regierung bildet, hat noch lange nicht zu bedeuten, das er sie ist. So sollte es doch in einer Demokratie sein, nicht wir haben die Ehre ihn zu wählen, sondern er wird von uns gewählt. So ist es seine Aufgabe, dem Volk, das sein Vorgesetzter ist zu dienen, nicht dem Stempel den er auf einen Aktendeckel drückt. Er hat mir bei Fragen Rede und Antwort zu stehen, der Büttel.
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von thomas.fischer.berlin thomas.fischer.berlin ist gerade offline | 3.8.2007 18:06 Uhr
@ talkingkraut und wpev
Ja - einem solchen Verfahren, daß die Herren Kauder und Lammert auch gegen Journalisten angestrengt haben, ist mit aller Deutlichkeit entgegen zu treten! Erinnern Sie sich noch an das Cicero-Urteil, in dem das Bundesverfassungsgericht Durchsuchungen in Redaktionen wegen "Beihilfe zum Geheimnisverrat" ausdrücklich untersagt hat? Allein die Ankündigung von Strafmaßnahmen gegen Journalisten können als Einschüchterungsversuche angesehen werden und verstoßen deshalb gegen das Grundrecht auf Presse- und Meinungsfreiheit. Ja – und in der Tat, Journalisten sind wegen der fundamentalen Bedeutung dieses Grundrechts dann etwas „Besonderes“, wenn sie sich auf den Quellenschutz und die Vertraulichkeit zu ihren Informanten berufen! Schon längst haben Presse und Fernsehen als „4. Gewalt“ eine wichtige Rolle im Sinn der Gewaltenteilung übernommen. Bezeichnend ist ja auch die Äußerung der Hamburger Staatsanwaltschaft und im übrigen, selber Schuld, wenn Kauder und Co. ihren Laden nicht im Griff haben
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von besserwisser besserwisser ist gerade offline | 3.8.2007 19:22 Uhr
warum soll es
den Journalisten und Abgordneten besser ergehen als dem "nromalen" BÜrger. Da sehen sie auch mal, wie man sich fühlt, wenn man ohne direkten vorwurf bespitzelt und in gruppenhaftung genommen wird.
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von gfdylan gfdylan ist gerade offline | 3.8.2007 20:27 Uhr
Vierte Gewalt?- Niemals!
Berichterstatung, insbesondere Enthüllung, ist wichtig und unverzichtbar. Somit muß es also auch Informantenschutz und den Schutz der Informationsbeschaffung an sich geben, aber doch nicht als ultimative und übergeordnete "4. Gewalt"! Kein Journalist ist vom Volk gewählt, er/sie legt niemandem Rechenschaft ab- außer seinem wie auch immer genannten Betriebsleiter (Verleger, Geschäftsführer, Intendant?). Die drei staatstragenden Gewalten kontrollieren sich gegenseitig, der Journalismus entzieht, oder strebt dazu, sich jeder Kontrolle. Aber eine Macht, die nicht zu kontrollieren ist, führt in die Diktatur; bitte keine Zustände wie in den USA!
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von yogi1954 yogi1954 ist gerade offline | 4.8.2007 8:00 Uhr
Demokratie und Pressefreiheit ja
- aber bitte nicht in Deutschland.

"Nur wenige Wochen, nachdem die Bundesregierung der Meinung war, sie müßte Venezuela wegen der Nichtverlängerung der Sendelizenz eines Kommerzsenders Lektionen in Meinungsfreiheit erteilen, demonstriert sie nun im eigenen Land, wie sie es mit diesem Grundrecht hält."
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von freiraum freiraum ist gerade offline | 6.8.2007 21:30 Uhr
unabhängiger, investigativer Journalismus: Demokratie geht kaum ohne
Ich muss da dem ersten Kommentierenden hansmebo zustimmen, wenn er schreibt:
"An alle Journalistinnen und Journallisten,
sie Notwendigkeit des kritischen Jourmnalismus ist fester Bestandteil zur Kontrolle der Demokratie. "

Ich sehe das genauso.

Sicher, Journalisten stehen nicht über dem Gesetzt. Davon spricht hier ja aber auch niemand. Nur muss es ihnen möglich sein unbehelligt ihren Job zu tun. Dazu gehört eben auch Informationen, die an sie herangetragen werden oder die sie selbst ermitteln/recherchieren, der Öffentlichkeit bekannt zu machen, so sie denn von Interesse sind.

Vom Sachsen-Skandal hätten wir vermutlich auch viel weniger mitbekommen, wenn sich da Journalisten wie Jürgen Roth (der ja auch in "Anklage unerwünscht" das Thema Justizskandale durchleuchtet) nicht so stark engagiert hätten und auf den Informationen, die sie hatten einfach sitzengeblieben wären.

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