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Jubiläum : Die Grünen: In Bewegung

11.01.2010 00:00 Uhrvon
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Reifer geworden. Die Grünen-Vorsitzenden Cem Özdemir und Claudia Roth auf der Matinee zum 30. Geburtstag der Partei am Sonntag in Berlin. - Foto: dpa

Die Grünen feiern ihren 30. Geburtstag – das Fest wird zeitweilig zur Partnerbörse.

Berlin - Es läuft für die Grünen nicht so schlecht, aber wie immer fordert Claudia Roth noch mehr Pep. Die Partei feiert Geburtstag: Auf einem Kongress am 12. und 13. Januar 1980 in Karlsruhe hat sie sich auf Bundesebene gegründet, und bei der Matinee aus diesem Anlass am Sonntag im Haus der Heinrich-Böll-Stiftung in Berlin erläutert die altgediente Vorsitzende – laut, wie es ihre Art ist – was sie nach 30 Jahren gern noch etwas lebendiger hätte. Dem Publikum, darunter viele Gründungsmitglieder, sagt sie gleich zu Beginn: „Vielleicht müssen wir noch sehr viel radikaler werden.“ Später dann wünscht sie sich, „dass wir in Bewegung bleiben und vielleicht wieder mehr in Bewegung kommen“.

Schließlich versichert Roth: „Wir werden gebraucht, wir sind überhaupt nicht überflüssig geworden.“ Als ob das jemand bezweifelt hätte.

In fast allen Reden auf der Festveranstaltung geht es um die grüne Selbstvergewisserung, mit allen Höhen und Tiefen. Das betrifft das „historische Verdienst“ (Roth), die Ökologie zum Thema der Politik gemacht zu haben. Aber auch um historisches Versagen: Roths Co-Chef Cem Özdemir erinnert daran, dass 1990 alle über Deutschland und nur die Grünen über das Klima gesprochen hätten. „Mitten im Vereinigungsprozess hat uns die Stimme versagt.“ Die Grünen scheiterten zehn Jahre nach ihrer Gründung im Westen der Republik an der Fünf-Prozent-Hürde, im Bundestag waren sie eine Wahlperiode lang nur durch ein paar Aktivisten von Bündnis 90 vertreten. Inzwischen können sie als etabliert gelten – auch wenn das einige immer noch als Schimpfwort auffassen –, sie sind nach einer längeren Auszeit auch wieder in fast alle Ost-Landtage eingezogen und haben bei der Bundestagswahl am 27. September 2009 zum ersten Mal in ihrer Geschichte ein zweistelliges Ergebnis geholt, 10,7 Prozent.

Andererseits sind die Grünen beim Mitregieren etwas aus der Übung gekommen. Mit der SPD koalieren sie nur noch in Bremen; die Bündnisse in Hamburg (mit der CDU) und im Saarland (mit CDU und FDP) müssen noch als Experimente gelten. Özdemir findet, dass Koalitionspartner auf längere Sicht meist im linken Spektrum gesucht werden müssten. Aber auch Werber von der Union werde man „nicht wegschicken“, sondern die Angebote genau prüfen, „wenn sie bereit sind, mit uns das Land zu verändern“.

Gäste der Geburtstagsparty kommen auf die Optionen zu sprechen, der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Theo Zwanziger, bekennt sich in seiner Festansprache als Fan von Schwarz-Grün: „Ich bin 1970 in die CDU eingetreten, weil es die Grünen noch nicht gab.“ Dagegen schwärmt SPD-Vize Olaf Scholz, dass die Zusammenarbeit von SPD und Grünen Deutschland „lebenswerter gemacht“ habe. Als „Geschenk“ hat er den Grünen das Bekenntnis mitgebracht, sie seien „kein Betriebsunfall der Geschichte, nicht Fleisch vom Fleische, nicht Hilfstruppe der SPD“. Wobei: „Was wir dürfen, dürfen die Grünen auch: gelegentlich ungern mit der Union koalieren.“

CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe kennt Grünen-Chef Özdemir noch aus der Pizzaconnection – in den 90ern trafen sich junge Grüne und Christdemokraten regelmäßig bei einem Bonner Italiener. Er sei zwar „zum Geburtstag hier und nicht zur Partnervermittlung“, sagt Gröhe. Aber er betont doch, dass die Grünen Konkurrent und nicht mehr Gegner seien, das eröffne „neue Horizonte“. Als symbolbeladenes Geschenk hat er einen Bonsai-Baum dabei: Der wird alt, stark, aber „wächst nicht in den Himmel“. Linken-Vizechefin Halina Wawzyniak derweil nimmt den für sie in der ersten Reihe reservierten Platz gar nicht ein – und verpasst so, dass Özdemir ihren Namen gar nicht kennt.

Was soll werden aus den Grünen? Gründungsmitglied Fritz Kuhn, seit der Wahl nur noch stellvertretender Fraktionschef, ist sicher, dass die Partei ihren Platz behauptet, auch wenn alle anderen über die Umwelt reden: Die Wähler unterschieden schon zwischen „Original und schlecht gemachter Kopie“. Auch Ralf Fücks, Vorstand der Böll-Stiftung, ist sicher, dass die Grünen in den vergangenen 30 Jahren „enorme Pionierarbeit“ geleistet hätten, aber auch „Avantgarde“ bei der Veränderung der Gesellschaft bleiben würden. Die Grüne Jugend teilt an die Vorstandsmitglieder T-Shirts aus mit dem Slogan „Trau keinem über 30“. Claudia Roth bekommt sogar eine Lederjacke. Sie freut sich über die Aufmüpfigkeit des Nachwuchses – und trägt sie ganz stolz.

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