RAF : Dubiose Stasi-Akte über Verena Becker

01.09.2009 00:00 UhrVon Frank Jansen

Die ehemalige RAF-Terroristin Verena Becker soll bereits fünf Jahre vor dem Mord an Generalbundesanwalt Buback mit dem Verfassungsschutz in Kontakt gestanden haben. Dies gehe aus ihrer Stasi-Akte hervor. Becker wird eine Mittäterschaft an Buback-Attentat zur Last gelegt. Sie wurde vergange Woche erneut verhaftet.

Berlin - Der Fall der in der vergangenen Woche verhafteten Ex-RAF-Terroristin Verena Becker erscheint mysteriös. Die „Bild“-Zeitung berichtet jetzt, aus der Stasi-Akte über Becker gehe hervor, dass der Verfassungsschutz bereits 1972 mit ihr in Kontakt gestanden habe – also fünf Jahre vor dem Mord an Generalbundesanwalt Siegfried Buback, an dem Becker möglicherweise beteiligt war. Wegen des Verdachts auf Mittäterschaft sitzt Becker in Untersuchungshaft. In der Zeitung wird aus einem Aktenvermerk der MfS- Hauptabteilung II/2 vom 2. Februar 1978 zitiert: „Es liegen zuverlässige Informationen vor, wonach die B. seit 1972 von westdeutschen Abwehrorganen wegen der Zugehörigkeit zu terroristischen Gruppierungen bearbeitet bzw. unter Kontrolle gehalten wird.“

Mehrere vom Tagesspiegel befragte Sicherheitsexperten nannten die Vermutung, der Verfassungsschutz könnte mit einer aktiven RAF-Terroristin in Verbindung gestanden oder gar kooperiert haben, „unvorstellbar“. Becker kam 1972 erstmals in Haft, wurde 1975 freigepresst, 1977 wieder festgenommen und 1989 begnadigt. Das Bundesamt für Verfassungsschutz hatte im vergangenen Jahr der Bundesanwaltschaft mitgeteilt, vor 1981 habe es zu Becker keinen Kontakt gegeben. Damals hatte sie Verfassungsschützern erzählt, der RAF-Mann Stefan Wisniewski habe Buback und zwei Begleiter 1977 in Karlsruhe erschossen. Zwei Bundesanwälte konnten 2008 die gesperrten Unterlagen zu den Gesprächen einsehen. Die Anklagebehörde berichtete anschließend, das Material enthalte keine neuen Erkenntnisse. Die Bundesanwaltschaft hat dennoch vergangene Woche nach der Verhaftung Beckers entschieden, beim Bundesinnenministerium die Freigabe der gesperrten Akten zu beantragen. 

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