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NPD

Feindliche Übernahme unter braunen Kameraden

Die NPD reklamiert den Osten als Markt für sich und verdrängt die DVU – die hofft auf eine Zukunft im Westen.
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Als sie Freunde waren: Die Chefs von NPD und DVU, Voigt (l.) und Faust.Foto: ddp
Berlin - Wutgeheul bei der DVU, eiskaltes Managergebaren in der NPD – der Bruch des Wahlabsprachen-Kartells der beiden Parteien, 2005 als „Deutschland-Pakt“ intoniert, gewährt einen Blick auf die mentale Lage des rechtsextremen Spektrums. DVU-Chef Matthias Faust empört sich im Internet, die NPD habe seine Partei „im wahrsten Sinne des Wortes verraten“. Das Ende des Pakts trifft die DVU hart: Sie kann kaum noch hoffen, bei der Wahl in Brandenburg ein drittes Mal den Einzug ins Parlament zu schaffen. Nach zehn Jahren im Potsdamer Landtag droht der Fraktion das Aus – weil sie ihr schon länger bröckelndes Wählerpotenzial nun obendrein mit der NPD teilen muss.

Der Verdrängungswettbewerb zeugt aber auch von einer tiefen Kluft im ultrarechten Spektrum. Das Ende des Deutschland-Pakts ist da ein bedeutsamer Indikator, aber nicht der einzige. In kapitalistischer Manier reklamiert die NPD den Osten als Markt für sich. Mit antikapitalistischen Parolen. So eroberte die Partei Mandate in den Landtagen von Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern sowie viele Sitze in kommunalen Vertretungen. Und im Bündnis mit den in Ostdeutschland zahlreichen Jungnazi-Cliquen nistet sich die NPD im Alltag ein. Das sind strategische Vorteile gegenüber der DVU, die fast nur bei Wahlen Präsenz zeigt und dann Stimmungen nutzt, aber weitgehend Phantompartei geblieben ist.

Die NPD drängt bereits seit Monaten darauf, östliche Restposten der DVU abzuräumen. Zunächst sicherte sich die NPD noch in Form einer freundlich vereinbarten Übernahme den Antritt bei der Wahl in Thüringen am 30. August – wo die DVU für sich keine Chance mehr sah. Jetzt folgte der unfreundliche Coup in Brandenburg. Und die DVU ist machtlos. Der NPD-Beschluss, den Pakt zu brechen, erfolgte zwei Tage nach dem Ende der Frist zur Einreichung von Kandidatenlisten in Thüringen und Sachsen. Die DVU kann sich nicht für den Verrat in Brandenburg mit einem Antritt in Thüringen und Sachsen revanchieren, wo die NPD auf fünf Prozent hofft. Und es dürfte die NPD kaum schocken, dass aus der DVU nun gedroht wird, auch an der Bundestagswahl teilzunehmen. Da hat keine rechtsextreme Partei Chancen.

Die NPD konzentriert alle Kräfte auf den Osten, auch um sich die dringend benötigte Zufuhr staatlicher Gelder durch die Wahlkampfkostenerstattung zu sichern. Im Westen hält sich die NPD zurück – weil sie hier mit ihrem braunen Ambiente stärker stigmatisiert ist als in den neuen Ländern. So ist der Bruch des Deutschland-Pakts auf makabere Weise auch eine Ost-West-Geschichte. Zumal der neue DVU-Vorsitzende Faust, der im Januar den Parteipatriarchen Gerhard Frey ablöste, einen westkompatiblen Kurswechsel anstrebt. Hin zu einem Rechtspopulismus nach dem Vorbild erfolgreicher Protestparteien in den Niederlanden, Belgien und anderen Nachbarstaaten. Mit betonter Islamophobie, ohne Judenhass und Fundamentalopposition gegen die Demokratie à la NPD.

Da trifft sich die DVU mit den Resten der „Republikaner“ und den Islamfeinden von „Pro Köln“. Der zur DVU übergelaufene Andreas Molau, Ex-Funktionär der NPD und dort als Reformkosmetiker gescheitert, träumt gar von einer Partei „Die Rechte“. Die NPD stellt sich schon mal darauf ein. Um neuer Konkurrenz vorzubeugen, die auch in den Osten vorstoßen könnte, betont sie jetzt stärker Ressentiments gegen den Islam. Den Wahlkampf in Thüringen will die NPD diese Woche mit „Mahnwachen“ beginnen – vor Moscheen in Erfurt, Jena und Nordhausen.

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 30.06.2009)
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Kommentare [ 9 ] Kommentar hinzufügen »

Comment
von Freiheitsfreund Freiheitsfreund ist gerade offline | 29.6.2009 20:42 Uhr
Wachsam bleiben!
Bitte die "Braunen" nicht unterschätzen. Vieles von dem, was öffentlich als Zwistigkeiten vermittelt wird, ist lediglich Taktik. So lange die Gefahr besteht, dass eine der Gruppierungen DVU, NPD oder REP am 30. August oder am 27. September die Fünf-Prozent-Hürde überwinden könnte, ist die Gefahr nicht vorbei.
Ich will gar nicht bis in das Jahr 1933 zurück gehen, sondern nur einen Blick über die Gegenwartsgrenzen werfen: Demagogen wie Jörg Haider, Jean-Marie Le Pen oder Geert Wilders braucht die deutsche Demokratie nun wirklich nicht. Und in Parlamenten, ob auf Landes- oder auf Bundesebene schon ganz und gar nicht!
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von unbekannt | 29.6.2009 21:42 Uhr
Tolerant
Laßt doch die Leute selber entscheiden! Wo bleibt da die Demokratie?
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von mogberlin mogberlin ist gerade offline | 29.6.2009 22:24 Uhr
@knut
Wo bleibt da die Demokratie?

Innerhalb der verfassungsrechtlichen Grenzen!

mog
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von unbekannt | 30.6.2009 8:42 Uhr
Mit Demokratie
haben die Braunen nicht allzuviel im Sinn, der Nährboden für extreme Parteien entsteht durch politisches Versagen demokratischer Parteien, wir können nur hoffen, dass sich hier nichts wiederholt!! Runterspielen sollte man das auf gar keinen Fall, dass ist nicht ungefährlich. Wir können nur hoffen, dass die Politik nicht auch noch den Rest an Vertrauen verspielt und damit solchen Parteien den Rücken stärkt.
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von metua metua ist gerade offline | 30.6.2009 11:02 Uhr
Jede weitere Spaltung
der rechtsextremen Parteien und deren Wählern ist wünschenswert.

Es schwächt die Gesamtposition.

Wachsam muss man sein beim Vorschlag zur Gründung von "DieRechte", denn dann haben wir einen Brei aus Rechtspopulisten, Rechtskonservativen und Rechtsradikalen, der durchaus der CDU/CSU einige Wähler kosten kann.
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von hansjoerg hansjoerg ist gerade offline | 30.6.2009 16:11 Uhr
Schlauer Schritt
Die DVU ist längst am Ende, sie würde in Brandenburg sicher nicht wieder in den Landtag einziehen (dort nur 1,7% bei der Europawahl erreicht). Da ist das Verhalten der NPD eigentlich das schlaueste, was man machen kann.
Die DVU-Restbestände werden wohl oder übel zur NPD gehen (müssen) und diese weiter stärken. Nur auf diese Weise kann in nächster Zeit eine stärkere Rechtspartei in Deutschland entstehen.
Ich würde mir wünschen, dass die DVU jetzt das Angebot der NPD auf eine gemeinsame Liste für Brandenburg annimmt, damit nicht beide Parteien gegeneinander antreten.
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von zweifel zweifel ist gerade offline | 30.6.2009 16:19 Uhr
Kein denkender "Rechts"konservativer...
...wird eine Partei wählen, die aus den jetzt noch in der (N)PD befindlichen Politikern hervorgeht - und die CDU ist ohnehin keine Heimat für "Rechts"konservative.
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von eban eban ist gerade offline | 30.6.2009 20:26 Uhr
Köstlicher Einfall
"Die Rechte". Allerdings fehlt denen ein Frontmensch wie Lafontaine für die Linke. Und auch sonst kriegt dieser braune Verein nicht viel gebacken, außer vielleicht Geldvernichtung durch untreue Schatzmeister.
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von robertpankow robertpankow ist gerade offline | 12.7.2009 11:47 Uhr
Naja
aber sie haben schon ne Menge Einfälle. CD vor Schulen verteilen, Gedenkmärsche, Mahnwachen, Jugendfeste. Liest man in die presse, der letzte Coup ist natürlich nach hinten losgegangen.

Da können sich die anderen Parteien was so Aktionen angeht mal ne innovative Scheibe abschneiden, wenn sie sich an deren heiße Themen natürlich auch nicht rantrauen werden.

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