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Sachsen-Anhalt

Rassistische Polizei - Landtag prüft Vorwürfe

Drei Jahre ist es her, dass der leitender Polizeibeamte die beschämenden Worte sprach: "Schwarze brennen nun mal länger". In Dessau war der gefesselte Afrikaner Oury Jalloh verbrannt. Jetzt beschäftigt sich der Landtag mit dem Vorfall und seinen Folgen.
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Magdeburg/Berlin -  Der Fall liegt drei Jahre zurück und schien vergessen, doch jetzt wird sich der Landtag von Sachsen-Anhalt damit befassen. Abgeordnete aus allen Fraktionen (CDU, SPD, Linke, FDP) wollen von der Regierung Auskunft über die Folgen der rassistischen Äußerung eines leitenden Beamten in der früheren Polizeidirektion Halle. Nachdem im Januar 2005 in einer Polizeizelle in Dessau der gefesselte Afrikaner Oury Jalloh verbrannt war, äußerte einen Monat später ein Polizeioberrat bei einer Dienstbesprechung: „Schwarze brennen nun mal länger“. Etwa 25 Kollegen hörten zu, nur einer widersprach. Dieser Oberrat wandte sich kurz darauf an den Präsidenten der Direktion, der an der Besprechung nicht teilgenommen hatte.

Für seinen Mut musste der Oberrat büßen: Er wurde derart gemobbt, dass er die Versetzung nach Dessau beantragte, die dann im März vollzogen wurde. Der Beamte, der den rassistischen Spruch von sich gegeben hatte, kam mit einem Verweis davon. Der Abteilungsleiter Polizei in der Direktion erstattete eine Anzeige wegen des Verdachts auf Volksverhetzung, doch die Staatsanwaltschaft stellte die Ermittlungen rasch ein.

Die Abgeordneten wollen nun in der nächsten Sitzung des Innenausschusses von der Landesregierung wissen, wie es zur Versetzung kam. Nach Informationen des Tagesspiegels wurde der couragierte Oberrat in der Direktion Halle als „Nestbeschmutzer“ beschimpft, außerdem gab es in Anspielung auf seine niedersächsische Herkunft Bemerkungen wie „hier ist eine wessifreie Zone“. Anonyme Anrufer beleidigten ihn als „Wessi-Schwein“ und drohten mit Gewalt.

Der Fall wurde am Montag im Untersuchungsausschuss zur Polizeiaffäre bekannt, am Mittwoch besuchte Innenminister Holger Hövelmann (SPD) den Oberrat in Dessau. Hövelmann wollte sich hinterher nicht äußern. Nach Informationen des Tagesspiegels hatte der Minister dem Beamten versichert, er habe sich vorbildlich verhalten. Ein Sprecher des Ministeriums sagte, „wir prüfen, ob etwas gutzumachen ist“. Die Linksfraktion forderte, dass Hövelmann auch auf drei frühere Staatsschützer aus Dessau zugeht, die mit ihrem Widerstand gegen einen Vorgesetzten, der die Bekämpfung rechter Kriminalität bremsen wollte, die Polizeiaffäre ausgelöst hatten und ebenfalls schikaniert werden. 

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 14.02.2008)
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Kommentare [ 8 ] Kommentar hinzufügen »

Comment
von unbekannt | 14.2.2008 10:29 Uhr
schön, dass sowas in der zeitung steht
was in amtskreisen üblich ist, kennt man aus krimis...
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von weissauchnich weissauchnich ist gerade offline | 14.2.2008 11:01 Uhr
Staatsanwaltschaft?
Und die schnelle Einstellung des Verfahrens durch die Staatsanwaltschaft wird nicht weiter hinterfragt?
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von klaus_weiss klaus_weiss ist gerade offline | 14.2.2008 11:06 Uhr
@ganymed
Nein, so ganz würde ich es nicht sehen, sondern die Ursache eher in der Abgehobenheit der Mächtigen suchen. Ob es nun hohe Politiker a la Sarrazin sind oder leitende Polizeibeamte oder Staatssekretärinnen oder Fraktionsvorsitzende -- der Abstand zum Urnen- und Gesetzbefolgungspöbel ist einfach zu groß. "Du stehst über dem Gesetz", heißt in in Men in Black. Das ist für viele der oben Angesprochenen in ihrer Einbildung schon Wirklichkeit geworden. Deshalb sind sie auch überrascht, wenn es ihnen an den Kragen gehen soll, und aus dem gleichen Grund geschieht ihnen nichts, weil das Netz der über dem Gesetz Stehenden eine soziale Hängematte ist.
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von deutschmann deutschmann ist gerade offline | 14.2.2008 11:59 Uhr
Überrascht ?
wer wundert sich denn noch über so etwas ?
Manche suchen sich eben ihre Heimstatt, wo man nicht unter Polizeischutz demonstriert, sondern selbst die Polizei ist.
Ist doch nur ein Einzelfall, da es in Sachsen-Anhalt doch nur Einzelfälle gibt.
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von 23 23 ist gerade offline | 14.2.2008 12:22 Uhr
Alltag
Kein Wunder, dass es keine nennenswerten Erfolge gegen rechts gibt. Da müssten ja einige für ihr Verhalten die Konsequenzen tragen. Wer will denn schon gute "Deutsche" verlieren.
Ory Jalloh ist von der Polizei umgebracht worden, und was macht das Land Sachsen Anhalt, alle diejenigen die für Aufklärung sorgen möchten, werden diskreditiert. Oder wenn es sich um sogenannte Fremde handelt, verlieren sie systematisch ihre Lebensgrundlage und werden beschuldigt, Straftaten zu verüben.

Zitat einer KZ-Überlebender:

Die schlimmsten Nazis, waren die, die zugeguckt haben, die anderen angefeuert und die es einfach nur geduldet haben, um nicht aufzufallen.

Erspart uns einfach dieses verlogenen Gehabe, es gebe kein Rechtsextremsproblem, dass Land ist von ganz oben bis ganz unten mit extremen Nationalisten übersäht. Das ist Realität für viele, es sind gerade mal 66 Jahre vergangen.

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von josse josse ist gerade online | 14.2.2008 13:31 Uhr
"Der größte Schuft im ganzen Land..."
Leute, die zu ihrer Meinung stehen - vor denen, die anderer Meinung sind - werden gemeinhin geachtet. Leute, die in denuziatorischer Absicht, (unangemessene, unanständige) Bemerkungen aus Dienstbesprechungen nach "oben" weitermelden, werden gemeinhin anders eingeordnet. "Nestbeschmutzer" kommen eher bei denen gut an, die Nutzen aus ihnen ziehen. Es geht hier weniger um Nazis, Wessis oder Antifa - es geht um miserabeles Betriebsklima, in dem nicht erfolgreich gearbeit werden kann. Insofern war eine Versetzung im dienstlichen Interesse. Dessen ungeachtet ist es wünschenswert, das der Vorgang aufgekärt wird.
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von marcw marcw ist gerade offline | 14.2.2008 15:01 Uhr
Ich finde es...
... einfach nur beschämend, dass solche Vorfälle in unserem nicht nur vorkommen, sondern auch noch gedeckt werden. Für den Spruch müsste der Polizist disziplinarisch bis ans Ende der Welt verfolgt werden, und der Staatsanwalt, der das Verfahren eingestellt hat, gleich mit. Ekelhaft.
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von nachdenken nachdenken ist gerade offline | 18.3.2008 20:10 Uhr
@josse
Dieses angebliche Nestbeschmutzen ist ein sehr antiquiertes und schädliches Kameradschaftsdenken das genau diese Probleme instand hält und nichts mit einem wirklich offenen Betriebsklima zu tun hat. Der Beamte zeigt mit seiner rassistischen Äußerung das er nicht für den Polizeidienst geeignet ist, der Rest war wohl seiner Meinung und demnach genauso zweifelhaft. Wo ist hier das Betriebsklima das schützenswert wäre? Welchen persönlichen Nutzen hatte der anzeigende Beamte? Keinen. Zu denken das er alleine, im persönlichen Gespräch gegen einen rassistischen Saustall ankommt ist naiv, vor allem wenn die Deckung hierbei auch von oben kommt und Achtung hätte er hierfür auch nicht bekommen. Nein, die Nutznießer vom mobben und als Nestbeschmutzer denunzieren sind die, die Dreck am stecken haben und so von sich ablenken wollen. Diese Wessi-Nummer zeugt von dem Niveau dieses "Betriebsklimas". Gewisse schädliche Strukturen lassen sich nur von außen knacken, dazu braucht es mutige Nestbeschmutzer.

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