Deutschlandbesuch : Dalai Lama kommt nach Berlin

Der Dalai Lama kommt im Rahmen seines Deutschlandbesuchs auch nach Berlin. Am 19.Mai wird er mit Vertretern des Ausschusses für Menschenrechte im Bundestag zu politischen Gesprächen zusammentreffen. Der Entschluss von Außenminister Steinmeier, das Oberhaupt der Tibeter nicht zu treffen, sorgt für Kritik.

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Dalai Lama: Mitte Mai zu Besuch in Deutschland. -Foto:dpa

BerlinBeim Besuch des Dalai Lama am 19. Mai in Berlin ist auch ein großer öffentlicher Auftritt geplant. Das geistige Oberhaupt der Tibeter werde wahrscheinlich vor dem Brandenburger Tor sprechen, sagte Wolfgang Grader, der Vorsitzende der Tibet Initiative Deutschland (TID) am Donnerstag in Berlin. Man sei aber noch in der Planungsphase. Der Dalai Lama kommt zum Abschluss eines viertägigen Deutschlandbesuchs zu politischen Gesprächen nach Berlin. Vorgesehen sei eine Rede vor dem Auswärtigem Ausschuss des Bundestages und Treffen mit Vertretern parteiübergreifender Tibet- und Chinagruppen sowie des Menschenrechtsausschusses.

Die TID erhofft sich von der Reise des Dalai Lamas indes ein "politisches Signal". Das gewaltsame Vorgehen gegen die Tibeter und die "Hetzkampagne" gegen ihr Oberhaupt müssten ein Ende haben, sagte der TID-Vorstandsvorsitzende Wolfgang Grader und forderte die Bundesregierung auf, als Vermittler in der Tibetfrage aufzutreten. "Die deutsche Bundesregierung muss von Peking verlangen, umgehend in allen tibetischen Gebieten wieder Normalität herzustellen." Nur so könne die Ernsthaftigkeit der Gesprächsangebote seitens China glaubwürdig gemacht werden.

Kritik an Steinmeier

Vor seinem Berlinbesuch, bereist der Dalai Lama vom 16. bis 18. Mai Bochum, Mönchengladbach, Nürnberg und Bamberg. In Bochum trifft er Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU). Der Europa-Vertreter des Dalai Lama, Tseten Chhoekyapa, kritisierte Außenminister Frank-Walter Steinmeier. Es sei eine "sehr unglückliche Entscheidung", dass der SPD-Vize keine Zeit für ein Treffen mit dem Friedensnobelpreisträger während des Besuchs finde, sagte Chhoekyapa. "Wir denken, er ist schlecht beraten worden." Steinmeier habe eine Gesprächsanfrage aus Termingründen abgelehnt.

Der Grünen-Politiker Volker Beck bezeichnete die Ablehnung Steinmeiers, den Dalai zu treffen, als "absolut unangemessen". "Statt vor China in die Knie zu gehen, sollte er Rückgrat zeigen und den Dalai Lama in Berlin empfangen", erklärte der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen. Er erinnerte daran, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und andere hochrangige westliche Politiker den Dalai Lama "offiziell empfangen" hätten.

Der Dalai Lama setzt sich seit Jahrzehnten für die Autonomie Tibets ein. Ein Treffen des 72-Jährigen mit der Bundeskanzlerin im Kanzleramt im September 2007 hatte das Verhältnis zu Peking belastet. Steinmeier hatte Merkel wegen des Treffens in ihrem Amtssitz kritisiert. Sie befindet sich zum Zeitpunkt des diesjährigen Besuchs des Dalai Lamas auf einer Lateinamerika-Reise. (sgo/dpa/AFP)

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