Politik : DGB-Chef fordert von den Gewerkschaften radikales Umdenken

Schulte: Reform der Flächentarifverträge und kürzere Ausbildungszeiten sind künftig unumgänglich KÖLN(AP/AFP/rtr).Offenbar unter dem Druck der hohen Arbeitslosigkeit hat DGB-Chef Schulte die Gewerkschaften aufgefordert, in zentralen Fragen wie der Reform der Flächentarifverträge und kürzerer Ausbildungszeiten radikal umzudenken und alte Widerstände aufzugeben."Wir müssen den Flächentarif stärker auf die Beschreibung von Rahmenbedingungen beschränken und den Betrieben stärkere Regelungskompetenzen geben", sagte er dem Kölner "Sonntag-Express". "Wir brauchen den Flächentarifvertrag.Er muß aber stark modifiziert werden", erklärte Schulte.Die Gewerkschaften müßten seine Reform in ihrem eigenen Interesse schnellstmöglich umsetzen, da sonst die Gefahr drohe, daß die Politik ihnen dies aus der Hand nehme."Das will ich auf jeden Fall verhindern, denn dann hätten wir einen Konflikt, gegen den alle bisherigen Auseinandersetzungen verblassen würden.Deshalb muß jeder Tarifvertrag, der ausläuft, im Sinne einer Gesamtreform auf Flexibilisierungsmöglichkeiten überprüft werden." Ferner forderte der DGB-Chef die Gewerkschaften auf, ihre Ablehnung gegen kürzere Ausbildungszeiten aufzugeben.Eine Möglichkeit, um Ausbildungshemmnisse beispielweise im Handwerk abzubauen, sei die sogenannte Modulausbildung: Der Lehrling bekomme dabei das Grundwissen für seinen Beruf vermittelt, später könne er sich weiterqualifizieren."Da wir uns mehr und mehr auf ein lebenslanges Lernen einstellen müssen, kann man die gesamte Ausbildung ohnehin kaum noch in drei Jahre packen." Als wichtigen Beitrag im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit hat die Bonner Koalition die Forderung des DGB-Chefs begrüßt.Der wirtschaftspolitische Sprecher der Union, Uldall, sagte am Montag, Schulte habe "gute Vorschläge" unterbreitet, die einen "großen Schritt nach vorn" darstellten.Im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit müßten alle "auch althergebrachte Tabus knacken".Uldalls Kollege von der FDP, Friedhoff, nannte Schultes Worte "geradezu sensationell".Es bleibe aber abzuwarten, ob nun auch Taten der Einzelgewerkschaften folgten. In den eigenen Reihen stieß Schultes Vorstoß auf Kritik.Die IG Medien erklärte in Stuttgart, Nachgiebigkeit sei die falsche Politik in einer Zeit, in der Regierung und Unternehmervertreter täglich neue Einschnitte ins soziale Netz forderten.

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