Politik : DGB-Chef trifft Gysi und Lafontaine

Matthias Meisner

Berlin - Das Verhältnis zwischen der Führung des Deutschen Gewerkschaftsbundes und der Linkspartei entspannt sich. Erstmals kommt es am 13. Februar kommenden Jahres zu einer offiziellen Begegnung zwischen DGB-Chef Michael Sommer und den Fraktionsvorsitzenden Gregor Gysi und Oskar Lafontaine. Sommer wird an diesem Tag zu Gast im Fraktionsvorstand der Linken sein. Vor der Wahl hatte Sommer, der wie die meisten anderen Spitzengewerkschafter SPD-Mitglied ist, Kontakte zur Linkspartei vermieden. Aus der DGB-Spitze hieß es damals, eine Partei müsse nicht nur nach möglichen gemeinsamen Inhalten beurteilt werden, sondern auch nach der Durchsetzbarkeit und nach der Glaubwürdigkeit der handelnden Personen.

Sommer selbst hatte schon im Wahlkampf durchblicken lassen, dass aus DGB-Sicht eine große Koalition nicht die schlechteste aller Möglichkeiten ist. Nach der Wahl von Angela Merkel zur Kanzlerin attestierte er dieser eine „inhaltliche Wandlung“, die er „mit einer Mischung aus Erstaunen und Bewunderung“ zur Kenntnis nehme. Die Kanzlerwahl Ende Oktober bezeichnete der DGB-Vorsitzende „unter den gegebenen Umständen“ als „guten Tag“. Dieses Lob sei „deplatziert“, protestierte damals die Linksfraktion.

Der neue Partner der Linkspartei/PDS, die Wahlalternative Arbeit und soziale Gerechtigkeit (WASG), ist mit massiver Hilfe von Gewerkschaftern entstanden, der WASG-Vorsitzende Klaus Ernst, IG-Metall-Chef aus Schweinfurt, ist einer der Vizechefs der 54-köpfigen Linksfraktion im Bundestag.

Auch mehrere Einzelgewerkschaften sondieren inzwischen, welche gemeinsamen Aktivitäten mit der Linkspartei möglich sind. Verdi-Chef Frank Bsirske nahm Mitte Dezember am Linkspartei-Parteitag in Dresden teil. Er nannte das einen „Ausdruck von Normalität“. Die Linkspartei habe „deutlich mehr Leben in die Parteienlandschaft gebracht“. Auch Sachsens DGB-Chef Hanjo Lucassen war Teilnehmer des Parteitages. Die Linkspartei selbst bemüht sich schon lange um Nähe zu den Gewerkschaften. Am 9. Januar will die Linksfraktion das politische Jahr mit einer Debatte über Alternativen zur Politik der großen Koalition beginnen – Gäste einer Anhörung im Bundestag werden etwa Sabine Reiner von Verdi, Axel Gerntke aus dem Hauptvorstand der IG Metall und Gustav Horn vom Institut für Makroökonomie der DGB-nahen Heinrich-Böckler-Stiftung sein.

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