Politik : Dialog mit Nordkorea: Schröder kündigt diplomatische Beziehungen zu Pjöngjang an

Deutschland ist nach den Worten von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) bereit, diplomatische Beziehungen zu dem kommunistischen Nordkorea aufzunehmen. Schröder sagte nach Angaben eines Regierungssprechers am Donnerstag beim Europa-Asien-Gipfel (ASem) in Seoul in einem Fernsehinterview, es werde diplomatische Beziehungen zu Nordkorea geben. Darüber bestehe auch Einigkeit mit Bundesaußenminister Joschka Fischer (Grüne). Angaben über den zeitlichen Ablauf habe Schröder nicht gemacht. Auch Großbritanniens Außenminister Robin Cook kündigte am Donnerstag an, diplomatische Beziehungen zu Norkorea aufzunehmen und damit eine entsprechende Anfrage Nordkoreas von September positiv zu erwidern. Die Aufnahme diplomatischer Beziehungen sei aber kein Zeichen dafür, dass Großbritannien das nordkoreanische Regime in irgendeiner Weise gutheiße.

Schröder traf am Donnerstag in Seoul mit dem chinesischen Ministerpräsidenten Zhu Rongji zusammen. Über das kurze Gespräch im Vorfeld des dritten ASEM-Treffens, das am heutigen Freitag beginnt, wurde zunächst nichts bekannt. Schröder will am Rande der Konferenz auch Gespräche mit Südkoreas Präsident Kim Dae Jung führen.

Auf dem Weg nach Seoul besuchte unterdessen der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Ludger Volmer, Nordkorea. Im Deutschlandfunk nannte Volmer am Donnerstag drei Themen, an denen Nordkorea gemessen werde, wenn es diplomatisch wieder salonfähig werden wolle. Pjöngjang müsse bereit sein, über Rüstungskontrollen und Abrüstung zu sprechen, den Annäherungsprozess zwischen Nord- und Südkorea aktiv voranzutreiben und sich für internationale Kontakte wie mit Journalisten und Menschrechtskommissionen zu öffnen.

Auch die US-Regierung unterstützt die politische Öffnung des jahrelang abgeschotteten Nordkoreas. US-Außenministerin Madeleine Albright kündigte an, sie werde am Wochenende in Pjöngjang mit Staatschef Kim Jong Il zusammentreffen. Ihr Besuch wäre der erste eines amerikanischen Kabinettsmitgliedes in Nordkorea. Die Außenministerin soll unter anderem den Besuch von US-Präsident Bill Clinton vorbereiten.

Bei dem ASEM-Gipfel wollen die Länder der Europäischen Union und Vertreter von zehn südost- und ostasiatischen Staaten über Wege zum Ausbau der politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Zusammenarbeit sprechen. Allerdings wurde bereits bekannt, dass in der Abschlusserklärung des Gipfels nicht zu einem Verzicht auf Massenvernichtungswaffen aufgerufen wird. Ein entsprechender Appell sei fallen gelassen worden, sagte Südkoreas Außenminister Lee Joung Binn. Dies geht offenbar auf Einwände Chinas zurück, einem engen Verbündeten Nordkoreas, das verdächtigt wird, Atomwaffen zu entwickeln oder bereits zu besitzen. Nordkorea ist zu dem Gipfel nicht eingeladen.

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