Politik : Die 10-Euro-Frage

Streit um die geplante Gebühr für Arztbesuche

Rainer Woratschka

Das Geld wollen sie alle, aber eintreiben wollen sie es nicht. Zehn Euro soll künftig der Arztbesuch pro Quartal und Behandlungsfall kosten, haben die Unterhändler der Parteien zur Gesundheitsreform vereinbart. Ob dieses Eintrittsgeld von der Sprechstundenhilfe, den Kassenärztlichen Vereinigungen oder von der Krankenkasse kassiert wird, ist noch offen – und umstritten. „Es wird die Lösung geben, die am wenigsten Bürokratie verspricht“, heißt es im Gesundheitsministerium, wo die Experten seit zwei Wochen am Gesetzentwurf tüfteln.

Vor allem müssten die Ärzte, „vor noch mehr Formularkram bewahrt werden“, fordert Roland Stahl von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. Davon gebe es in den Arztpraxen jetzt schon zu viel. Außerdem müsse dort die Relation zwischen Aufwand und Nutzen gewahrt bleiben. Ein Fünftel aller 250 Millionen Facharztfälle pro Jahr werde mit weniger als 15 Euro abgerechnet, sagt er. Warum sollten da nicht wenigstens die Krankenkassen die Bürokratie erledigen?„Wir wollen vor allem eine Lösung, die dem Versicherten möglichst wenig Arbeit macht“, sagt AOK-Sprecher Udo Barske. Aber auch der Aufwand für die Krankenkassen müsse sich in Grenzen halten. So verständlich es sei, dass die Ärzte „die Bürokratie auf die Kassen abwälzen wollen“, so nachvollziehbar müsse es auch sein, „dass wir kein Interesse daran haben, im Namen der Regierung die Hand aufzuhalten“.

Bei den Härtefällen immerhin signalisiert Barske Entgegenkommen. Den Eckpunkten zufolge soll die Zuzahlung bei zwei Prozent des Jahresbruttoeinkommens enden, für chronisch Kranke bei einem Prozent. Dies könne, so Barske, ähnlich organisiert werden wie bei der bisherigen Medikamentenzuzahlung.

Viele Versicherte holten sich kleine Nachweishefte von ihrer Krankenkasse und ließen sich darin von den Apothekern ihre Zuzahlungen bescheinigen. Wer das Limit überschritten habe, bekomme das Geld bei Vorlage dieser Nachweise von der Krankenkasse zurück. Solange die elektronische Patientenkarte in Deutschland noch nicht eingeführt sei, wäre dies ein gangbarer Weg, sagt Barske.

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