Die AfD-Chefin und ihr Netzwerk : Das Universum der Frauke Petry

Frauke Petry steht im Mittelpunkt der AfD. Doch neue Abhängigkeiten sind entstanden - und Unterstützer von einst wurden zu Gegnern. Ein Überblick.

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AfD-Chefin Frauke Petry, hier zusammen mit Bundesvize Alexander Gauland (links) und ihrem Co-Vorsitzenden Jörg Meuthen (rechts).
AfD-Chefin Frauke Petry, hier zusammen mit Bundesvize Alexander Gauland (links) und ihrem Co-Vorsitzenden Jörg Meuthen (rechts).Foto: dpa

Nicht nur die AfD, auch ihre Chefin Frauke Petry liefert im Moment fast jeden Tag Schlagzeilen. Mal ist es ihre Äußerung, Bundespolizisten sollten gegenüber Flüchtlingen „notfalls auch von der Schusswaffe Gebrauch machen“. Dann spricht sie über angebliche No-Go-Areas in Deutschland und benennt als Beispiel ihren früheren Wohnort Bergkamen – was die dortige Polizei umgehend als falsch zurückweist. Oder sie sorgt mit ihrem Nicht-Erscheinen im ZDF-„Morgenmagazin“ für eine kleine Medienposse. Innerparteilich ist Petry nicht unumstritten. Die 40 Jahre alte Chemikerin ist erst seit drei Jahren in der Politik. Ihren Aufstieg in die erste Reihe hat sie auch einem Netzwerk von AfD-Politikern zu verdanken – von denen längst nicht mehr jeder die Vorsitzende vorbehaltlos unterstützt.

Der Partner: Marcus Pretzell ist EU-Abgeordneter und Chef der NRW-AfD. Schon im vergangenen Frühjahr, als Petry um die Abwahl von Ex-Parteichef Bernd Lucke kämpfte, spielten sich beide die Bälle zu. Ihre private Beziehung machten Pretzell und Petry dann im Oktober öffentlich. Der Jurist Pretzell ist ein begnadeter Redner mit einem Talent für Demagogisches. Auch innerhalb der AfD aber hat er schon viele Leute vor den Kopf gestoßen. Oft schießt er über das Ziel hinaus. So zum Beispiel, als er die AfD im vergangenen Sommer auf dem Essener Parteitag als „Pegida-Partei“ bezeichnete.

Dem vierfachen Vater haftet in der Partei der Ruf des Unseriösen an. Weil er Steuern nicht bezahlte, pfändete das Finanzamt noch zu Luckes Zeiten ein Parteikonto. Nicht wenige in der AfD kritisieren, dass Pretzell einen zu großen Einfluss auf Petry habe, sie sich nur noch von ihm wirklich beraten lasse. So hatte er im Februar eine Veranstaltung zusammen mit FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache organisiert, bei der auch Petry sprach. Pretzell war früher in der FDP. Eine Annäherung an FPÖ und Front National dürfte an ihm nicht scheitern, im Gegenteil. Dass Waffengewalt als Ultima Ratio gegen den Grenzübertritt von Flüchtlingen in Frage komme, hatte er schon lange vor Petry gesagt, im vergangenen Herbst.

Der heimliche Vorsitzende: Alexander Gauland ist der unumstrittene Doyen der AfD. Sollte Petry einmal stürzen, dann dürfte er die Partei anführen – wenn auch nur als Interimschef. Der frühere hessische CDU-Staatssekretär, der seit Jahrzehnten in Potsdam lebt, ist in allen Teilen der Partei hochangesehen, auch wenn er seine Gunst durchaus abrupt entziehen kann. Das bekam Lucke zu spüren, von dem Gauland in den Gründungstagen der AfD in höchsten Tönen schwärmte, der dann aber im Kampf gegen Petry seine Unterstützung verlor.

Auffallend war, dass Gauland sich von Petrys Schusswaffen-Äußerung deutlich distanzierte. Gauland ist ein politischer Vollprofi. Die Winkelzüge des politischen Paars Pretzell/Petry sieht er auch daher durchaus kritisch. Schon mehrfach hat Gauland sich dagegen für Björn Höcke verwendet, den Rechtsausleger der AfD. Dieser sei kein Rechtsradikaler, sondern lediglich „ein Nationalromantiker“. Gauland ist es auch, der die AfD als „Partei der kleinen Leute“ verankern will und ihre Zukunft langfristig in der Opposition sieht. Petry hingegen will die AfD als potenzielle Regierungspartei aufstellen – „zu gegebener Zeit“, wie sie sagt.

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