Politik : Die Affäre mit der Maus
Was auch immer Martin Hohmanns „Tätervolk“-Rede noch für Folgen haben mag, eine Fußnote ist dem CDU-Rechtsaußen sicher: Er hat die erste Internet-Affäre der Republik ausgelöst. Denn im Fall Hohmann haben virtuelle Darsteller die heimliche Hauptrolle gespielt – Google und seine Verwandten unter den Suchmaschinen.
Das fing schon damit an, dass Hohmanns Rede, am 3. Oktober in der abgelegenen hessischen Provinz gehalten, erst als Manuskript im Word Wide Web eine kritische Leserin fand, die obendrein in den USA lebt. Die weiteren Belege dafür, dass es sich nicht um einen Ausrutscher handelte, ruhten ebenfalls schon im Netz: Hohmanns frühere Reden ebenso wie die Links, die elektronischen Hinweistafeln, zu notorisch Gleichgesinnten lieferte frei Haus die eigene Homepage des MdB.
Wer mehr als einmal die fraglichen Seiten auf seinem Computerbildschirm aufrief, konnte danach Merkwürdiges berichten. Links waren plötzlich gelöscht, Texte verschwunden, Homepages stundenlang nicht erreichbar („under construction“) und danach auffällig-unauffällig verändert.
Fast ohne sich vom Schreibtisch zu bewegen, ließ sich der Fortgang der Geschichte verfolgen. Die Anti-Muslim-Sprüche des CDU-Manns Henry Nitzsche, die christdemokratisch korrekten, aber in Verdacht geratenen Sätze des Parteifreunds Axel Fischer, wütende Mails der Basis an die CDU-Spitze – alles Funde, die das Treibnetz Google zu Tage förderte, wenn man es nur, mit einschlägigen Stichworten als Köder gefüttert, im Ozean des Internets auswarf.
Der Ozean ist gewaltig; Google zählt in diesem Moment 3 307 998 701 Web-Seiten. Der Affärenfischer muss wissen, wo er sucht. Deshalb haben Telefon, Kamera und die Reporterkunst, zur rechten Zeit am rechten Ort zu sein, nicht ausgedient. Doch vieles, was einst tagelanges Archivstudium forderte oder mühsames Bohren in anonymen Quellen, landet heute mit drei, vier Mausklicks auf dem Tisch. Das WWW hat die Affäre so mächtig beschleunigt.












