Politik : „Die Aktion war nicht inszeniert“

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Herr Neudeck, es gibt Vorwürfe, die Rettung der Afrikaner vor Sizilien sei eine fernsehgerechte Inszenierung gewesen. Ging es „Cap Anamur“ auch um Selbstdarstellung?

Das schließe ich aus. Es wäre auch eine große Dummheit, so etwas zu machen, weil es die Arbeit von „Cap Anamur“ gefährden würde. Ich habe die Hilferufe von Bord auch für völlig übertrieben gehalten, aber das macht man in einer solchen Situation. Wenn sie verantwortlich sind für 37 Menschen und kommen drei Wochen nicht von Bord, wird die Situation einfach ziemlich ungemütlich, und man wird nervös. Die Aktion war nicht inszeniert. Mein Nachfolger bei Cap Anamur, Elias Bierdel, wollte Druck machen.

Und dafür ist jedes Mittel recht?

Wir leben nun einmal in einer Mediengesellschaft. Schon 1979, als wir die „Boat people“ aus Vietnam gerettet haben, waren wir darauf angewiesen, dass Journalisten dabei waren. Das ist noch lange kein Grund, eine Aktion zu bezweifeln oder Verdachtsmomente aufkommen zu lassen.

Ging es diesmal auch darum, im Kampf um Spenden auf sich aufmerksam zu machen?

Nein, sicher nicht. Die „Cap Anamur“ hat genügend Mittel aus Spenden, solche Einsätze zu starten. Deshalb glaube ich nicht, dass hier etwas gemacht wurde, um einen Anstieg von Spenden zu erreichen.

Elias Bierdel hat angekündigt, künftig öfter Flüchtlingsfahrten im Mittelmeer zu unternehmen. Ein Sprecher des deutschen Innenministeriums kritisierte, damit würden noch mehr Menschen zur Flucht ermutigt.

Diese Aussage Bierdels ist das Einzige, was ich in dieser Situation nicht für klug halte. Mein Prinzip bei „Cap Anamur“ bestand immer darin, die deutsche Bevölkerung für ein Projekt zu gewinnen – fast schon plebiszitär zu gewinnen. Es muss eine klare Unterstützung und damit Mandatierung geben, damit Einsätze wie diese ohne Regierungsgelder machbar sind. Das würde ich an Stelle meines Nachfolgers erst einmal ausloten, ehe ich zu weiteren Rettungsfahrten auslaufen würde.

Können solche Aktionen helfen, das Flüchtlingsproblem zu lösen?

Grundsätzlich kann unsere Aufgabe in Europa nur sein, die wenigen, die rüberkommen, aufzunehmen und alles zu tun, die Verhältnisse in den afrikanischen Herkunftsländern zu verbessern. Das halte ich humanitär für die bessere Lösung.

Das Gespräch führte Marc Hasse.

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