Politik : Die Amerikaner sind weg, der Terror bleibt

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Von Moritz Kleine-Brockhoff,

Jakarta

Francis Ricciardone klingt überzeugt: „Die Abu-Sayyaf-Gruppe ist so gut wie erledigt“, sagte der US-Botschafter in den Philippinen. Er lobt den amerikanisch-philippinischen Militäreinsatz gegen die Banditen, die angeblich Verbindungen zu Osama bin Ladens Al Qaida-Netzwerk haben. „Die Struktur der Abu Sayyaf ist zerschlagen“, meint Ricciardone, „die Zahl ihrer Kämpfer deutlich verringert." Sechs Monate lang haben 1000 Soldaten aus den USA der philippinischen Armee geholfen, nun ziehen sie ab.

Die durch Entführungen weltbekannt gewordene Abu Sayyaf ist angeschlagen. Sie hält keine Geiseln mehr fest, ihr Anführer Abu Sabaya und viele andere sind tot oder gefasst. 300 Kämpfer gebe es noch, sagt der philippinische Verteidigungsminister, aber die seien auf der Flucht.

Die Regierungen in Manila und Washington sind zufrieden, die Schlagzeilen positiv. Doch was US-Botschafter Ricciardone nach seinem Lob in Manila noch sagte, fand wenig Beachtung: „Die Situation, aus der die Abu Sayyaf entstanden ist, die Armut, die Arbeits- und Hoffnungslosigkeit, muss benannt werden“, meinte der Diplomat, „sonst werden bald andere Leute den Platz der Abu Sayyaf einnehmen“.

Die Geschichte ist nicht vorbei, die Aufgabe nicht erledigt – seit Jahrhunderten verhindert im Süden der Philippinen Krieg wirtschaftliche Entwicklung. Allein in den vergangenen 30 Jahren soll es rund 100 000 Tote gegeben haben. Es ist ein Religionskonflikt zwischen Christen und Moslems. Es geht um Benachteiligung, um die Rechte von Moslems in einem Land, in dem die Mehrheit katholisch ist. Um das Recht auf Selbstbestimmung, um Armutsbekämpfung, um fairen Zugang zu Bildung und zu politischen Ämtern. Dass US-Soldaten ihren philippinischen Kollegen ein paar Monate lang erfolgreich helfen, Kriminelle zu jagen, ändert nichts an der Unzufriedenheit der Moslems.

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