Politik : Die Angst der Nachbarn

Iran, Syrien und die Türkei beraten über eine Nachkriegsordnung

Susanne Güsten[Istanbul]

Während innerhalb der Kriegskoalition noch um die Führungsrolle beim Wiederaufbau des Irak gerungen wird, werden die Nachbarstaaten in der Region unruhig. Die iranische Regierung schlug der Türkei jetzt eine Drei-Mächte-Initiative mit Syrien vor, um die Entstehung eines Kurdenstaates im Nordirak zu verhindern. Ankara denkt über eine breiter angelegte Regionalinitiative zur Neuordnung des Irak nach und schickt seinen Außenminister zu Sondierungen nach Damaskus.

Geeint werden die Regionalmächte durch das Misstrauen gegen die Absichten der Amerikaner im Irak. Selbst die mit den USA verbündete Türkei zweifelt an den amerikanischen Garantien für die umstrittenen Städte Kirkuk und Mossul und drohte am Montag erneut mit einer eigenen Intervention. Die mögliche Abspaltung eines Kurdenstaates vom Irak sei eine gemeinsame Sorge von Iran, Syrien und der Türkei, sagte der iranische Außenminister Kamal Charrasi, der eigens nach Ankara gekommen war. Die türkische Regierung wollte sich nicht sofort auf die Dreier-Initiative festlegen, weil dies ihre Beziehungen zu den USA weiter belasten würde. Außenminister Abdullah Gül kündigte sich aber zu Beratungen mit der syrischen Führung in Damaskus an. Auch weitere Optionen hält sich Ankara für den Fall offen, dass die US-Pläne für den Irak nicht mit den eigenen Interessen konform gehen: Statt einer Dreier-Initiative könne sich die Türkei die Einberufung eines breiteren Regionalgipfels zur Zukunft des Irak vorstellen, verlautete aus dem Außenministerium. Daran sollten neben Syrien und dem Iran auch Ägypten, Jordanien und Saudi-Arabien teilnehmen.

Neben den rivalisierenden Modellen der USA und der Europäer schält sich damit ein drittes Konzept für den Wiederaufbau des Irak heraus. Dass die Türkei dabei die Führungsrolle übernimmt, ist kein Zufall, denn die Differenzen zwischen Ankara und Washington über den Nordirak bleiben bestehen. Die Kurdenkämpfer und ihre US-Berater stehen unmittelbar vor Kirkuk und Mossul. Wenn sie weitermarschieren, könnte die Region ins Rutschen kommen.

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