Politik : Die Angst fährt mit Neue Hinweise auf Anschläge

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Nach dem Anschlag auf der tunesischen Ferieninsel Djerba fürchten sich mehr als die Hälfte der Deutschen vor einer Reise in ein islamisches Land. Dies ermittelte das Forschungsinstitut polis im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur. In jedem Jahr verbringen Millionen Deutsche ihren Urlaub in islamischen Ländern. Allein in die Türkei reisten im vergangenen Jahr 2,8 Millionen deutsche Touristen, nach Ägypten zog es 715 000. Gute Noten bekommt die Informationspolitik der Bundesregierung: 59 Prozent der Deutschen zeigten sich mit den Informationen im Fall Djerba zufrieden. Trotzdem wünscht sich eine deutliche Mehrheit, dass das Auswärtige Amt künftig häufiger und weniger zurückhaltend Reisewarnungen heraus gibt. Das Auswärtige Amt verschärfte zwar die Sicherheitshinweise für Tunesien, sprach aber bislang keine Reisewarnung aus. dpa

Berlin. Die Terrororganisation „Al Tawhid“ hat offenbar Anschläge in Deutschland geplant. Einer der Männer, die bei den Razzien in dieser Woche festgenommen worden waren, habe ein Geständnis abgelegt, meldete am Sonnabend der „Spiegel“. Demnach hatten die in der Bundesrepublik agierenden Mitglieder von Al Tawhid den Auftrag, jüdische und israelische Ziele auszukundschaften. Die Attentate hätte allerdings ein weiteres, kurzfristig einreisendes Kommando verüben sollen. Möglicherweise wollte aber auch der am Dienstag in Essen festgenommene Palästinenser Yaser H. ,alias „Abu Ali“, sich für ein Selbstmordattentat zur Verfügung stellen. Laut „Spiegel“ telefonierte Yaser H. fünf Wochen nach den Anschlägen des 11. September mit einem der Anführer von Al Tawhid, Abu Mosab Al Zarqawi. In dem Gespräch habe H. mitgeteilt, er wolle Märtyrer werden und sei zu einem Selbstmordanschlag bereit.

Die Sicherheitsbehörden hatten von dem Anruf Kenntnis und befürchteten einen Anschlag in der Bundesrepublik. Dennoch wurde Yaser H. nicht festgenommen, sondern überwacht. Erst als Al Zarqawi Anfang April mit den in der Bundesrepublik lebenden Al Tawhid-Aktivisten über Waffen sprach, entschloss sich Generalbundesanwalt Kay Nehm zum Eingreifen.

Die Meldung des Bundeskriminalamtes (BKA) über mögliche Geiselnahmen und Selbstmordanschläge haben in den Sicherheitsbehörden Ärger hervorgerufen. Das BKA hatte vor Al-Qaida-Kämpfern gewarnt, die angeblich in Deutschland, Großbritannien und Frankreich jeweils mehrere hundert Menschen in ihre Gewalt bringen wollten. Die Geiselnehmer hätten geplant, Gesinnungsgenossen frei zu pressen. Sollten die Behörden nicht nachgeben, wollten die Al-Qaida-Kämpfer sich mit den Gekidnappten in die Luft sprengen. Das BKA betonte jedoch, ein entsprechender Hinweis habe sich nicht erhärten lassen. Dennoch wurde die Meldung per Fernschreiben den Sicherheitsbehörden der Länder geschickt.

„Das ist verantwortungslos“, sagte ein Sicherheitsexperte, der ntlich nicht genannt werden wollte. Die Länderbehörden seien auch verärgert, weil das BKA sie in dem Fernschreiben auffordere, „eine Bewertung in eigener Zuständigkeit“ vorzunehmen. „So etwas hätte doch nur Sinn, wenn es für uns Informationsquellen gäbe, die dem Bundeskriminalamt nicht zugänglich sind“, wunderte sich der Experte. Skeptisch zeigte sich auch der Chef des Berliner Landeskriminalamts, Peter-Michael Haeberer. Für die Stadt treffe die Information nicht zu, sie werde aber „ernsthaft geprüft“.

Nach Erkenntnissen niedersächsischer Verfassungsschützer bemühen sich islamistische Organisationen, ihre finanziellen Transaktionen zu verschleiern.Es gebe ein internationales Dickicht von Vereinen und Organisationen“, sagte Behördensprecher Rüdiger Hesse. Die größte islamistische Organisation in Deutschland, die türkische „Milli Görus“, habe allein für die Verwaltung ihrer Immobilien einen eigenen Verein gegründet. „Der Immobilienbesitz wird von uns ganz vorsichtig auf 50 Millionen Euro geschätzt“, sagte Hesse. Insgesamt machten Islamisten in Deutschland mit ihren Geschäften Umsätze in Höhe von mehreren hundert Millionen Euro.Frank Jansen/Otto Diederichs

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