Politik : Die Angst ist zurück

Ein Vietnam-Veteran entdeckte am Times Square eine Autobombe – vom Täter gibt es bisher keine Spur

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Der meistbesuchte Platz in New York ist nur knapp einem Bombenanschlag entgangen. Polizisten entdeckten am Sonnabend am Times Square ein Auto mit explosivem Material, das Sprengstoffexperten entschärften. Bürgermeister Michael Bloomberg, der den Samstagabend beim White House Correspondent Dinner mit Präsident Obama in Washington verbracht hatte, sagte nach der nächtlichen Rückkehr nach New York bei einer improvisierten Pressekonferenz um 2 Uhr 15 am frühen Sonntagmorgen, er sei „überglücklich, dass ein Anschlag mit tödlichen Folgen verhindert werden konnte“.

Den Times Square besuchen jeden Tag Zehntausende Menschen, zum Großteil Touristen. Die Autobombe sollte offenbar am Abend explodieren, kurz bevor die Musicals und Shows in den umliegenden Theatern beginnen. Die Polizei sagte allerdings auch, die Sprengvorrichtung sei amateurhaft zusammengebaut worden. Nach allem Anschein hat der Zünder versagt.

Die auf die Beobachtung terroristischer Aktivitäten spezialisierten amerikanischen Institute Site und IntelCenter teilten am Sonntagabend mit, eine pakistanische Talibangruppe habe sich zu dem Anschlagsversuch bekannt. Die Gruppe Tehrik-e-Taliban Pakistan (TTP) habe in einem Video erklärt, der Anschlag sei die Vergeltung für den Tod von zwei Islamistenführer im April, hieß es. IntelCenter bezweifelte allerdings, dass der Anschlag innerhalb so kurzer Zeit nach dem Tod der Islamistenführern vor knapp 14 Tagen geplant und umgesetzt worden sein könnte. Solche Anschläge würden von langer Hand, oft Monate voraus geplant.

Ein amerikanischer Vietnam-Veteran, der als fliegender Händler T-Shirts verkauft, hatte gegen 18 Uhr 30 Verdacht geschöpft und einen berittenen Polizisten, der am Times Square patrouilliert, auf den dunkelgrünen Geländewagen vom Typ Nissan Pathfinder aufmerksam gemacht, der schräg zum Bürgersteig vor einer Filiale der Bank of America stand. Später hieß es, auch auf einer Überwachungskamera habe Sicherheitspersonal das Auto um 18 Uhr 28 entdeckt. Von der Rückbank stieg leichter Rauch auf, es war kein Fahrer zu sehen, der Motor lief, die Warnblinkanlage war eingeschaltet. Der Polizist meinte, er erkenne den Geruch von Schießpulver. Er forderte alle Umstehenden auf, den Times Square zu verlassen, riegelte den Platz ab und rief Polizeiverstärkung, Feuerwehr und das Sprengstoffteam herbei. Eine Überprüfung ergab, dass das Autokennzeichen gefälscht war.

Die Experten fanden nach Bloombergs Angaben eine Sprengvorrichtung mit drei Propangasflaschen, zwei Benzinkanister von je 20 Liter Fassungsvermögen, Feuerwerkskörper, Drähte und Batterien. Der Bürgermeister sagte, dies hätte „eine Explosion und ein enormes Feuer auslösen können“. Polizeichef Ray Kelly sagte auf einer Pressekonferenz knapp 24 Stunden nach dem Anschlagsversuch, gesucht würde ein „weißer Mann in den 40ern“. Er sei von Videokameras aufgenommen worden. Für die Behauptung der pakistanischen Talibangruppe, hinter dem Bombenanschlag zu stehen, gibt es nach Worten des Polizeichefs keine Anhaltspunkte.

Nach Angaben der „New York Times“ blieben der Times Square und die Straßen der Umgebung bis zu zwölf Stunden gesperrt. Tausende kamen nicht in die Broadway-Theater oder in ihre Hotels. Viele Touristen schossen an den Absperrgittern Fotos von der anrückenden Polizei, den Feuerwehr- und Krankenwagen. Währenddessen öffnete ein Roboter den Wagen. Experten in Schutzkleidung untersuchten das Auto. Der Times Square gilt schon lange als ein bevorzugtes Ziel für einen Terroranschlag.

Der Vietnam-Veteran, der den Polizisten alarmiert hatte, kehrte am Sonntagmorgen zum Schauplatz zurück, wollte aber den Medien weder seinen Namen nennen noch sonst Auskunft geben. Er sei seit 24 Stunden auf den Beinen und hundemüde, sagte er, während er ein Taxi suchte. Er hinkte und stützte sich auf einen Stock. Auf die Bitte um eine kurze Botschaft an die Bürger New Yorks sagte er: „Haltet eure Augen offen und sagt Bescheid, wenn ihr etwas seht!“ mit dpa

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