Politik : Die Angst ist zurück

Die USA versuchen ihre Finanzzentren vor neuen Anschlägen zu schützen

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John Thain, der Vorstandschef der New Yorker Börse, gab sich am Montagmorgen bei einer improvisierten Pressekonferenz gelassen: „Wir haben heute wie immer geöffnet. Wir sind ein sehr sicherer Platz.“ Bürgermeister Mike Bloomberg läutete wenig später selbst die Glocke zum Handelsbeginn. Doch in den engen Nebenstraßen rund um Wall Street waren Panzerwagen der Nationalgarde und schwer bewaffnete Spezialeinheiten der „Hercules“Antiterrortruppe in Stellung gegangen. Die Konzernleitung der großen Finanzfirma Citigroup hatte versucht, die Belegschaft per E-Mail zu beruhigen: „Es sind zusätzliche Maßnahmen ergriffen worden“, so das Management, „die ihrer Sicherheit dienen“.

Drei Jahre nach den Terroranschlägen auf das World Trade Center und das Pentagon verunsichert eine neue Terrorwarnung die USA. Al Qaida plane Attacken – vermutlich mit in Lkw verborgenen Sprengsätzen – auf fünf führende Finanz-Institutionen des Landes, hatte Heimatschutzminister Tom Ridge am Sonntag verkündet. „Die Qualität dieser Informationen haben wir bisher nicht gesehen“, so Ridge. Ein Ministeriumsmitarbeiter berichtete, durch die Hilfe pakistanischer Behörden habe man Informationen über Al-Qaida-Mitglieder erhalten, die „mit bisher unbekannter Liebe zum Detail“ fünf Gebäude ausgespäht, in denen insgesamt 43 000 Menschen arbeiten: Die New Yorker Börse, den Citigroup-Wolkenkratzer, den Firmenkomplex der Prudential-Gruppe in New Jersey sowie die Weltbank-Zentrale und das Haus des Internationalen Währungsfonds in Washington. Dabei seien neben Sicherheitsmaßnahmen und Schichtzeiten der Schutzdienste auch Einzelheiten wie vermutete Konstruktionsschwächen der Gebäude und der Verkehrsfluss vor den Objekten notiert worden.

Als erste Reaktion wurden am Wochenende die „Pufferzonen“ um die jeweiligen Gebäude vergrößert – was für jedes sich nähernde Fahrzeug schärfere Kontrollen bedeutet. Bei der Weltbank kontrollierten Polizisten die Unterseite der Autos bei der Einfahrt in die Parkgarage mit Bombenspür-Geräten. Insgesamt sollen die unterirdischen Parkmöglichkeiten bei allen Gebäuden stark einschränkt werden. Vor allem Parkgaragen, Heiz- und Ventilationsanlagen gelten als mögliche Ansatzpunkte für Angriffe, bei denen auch eine „schmutzige Bombe“ – ein mit radioaktiven Partikeln durchsetzter Sprengsatz – verwendet werden könnte.

US-Präsident George W. Bush kündigte am Montag eine Reform der US-Geheimdienste, die Ernennung eines neuen obersten Geheimdienstdirektors sowie die Schaffung eines Zentrums für Terrorismusbekämpfung an. Dieses soll vor allem als Datenbank für alle Informationen über Terroristen und den Kampf gegen den Terror dienen. Bush folgt damit einer Empfehlung der Untersuchungskommission zum 11. September. „Wir sind eine Nation in Gefahr“, sagte er.

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