Politik : Die Angst kehrt nach Marokko zurück

Al-Qaida-Terroristen könnten hinter dem Anschlag in Marrakesch stecken

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Gegen 11.30 Uhr, kurz vor Mittag, verwandelt sich der berühmte Marktplatz der marokkanischen Touristenstadt Marrakesch in eine Hölle. Eine schwere Explosion erschüttert am Donnerstag den weltberühmten Dschema al Fna, den riesigen Platz, auf dem sich gerade hunderte europäische Touristen aufhalten. Die Menschen rennen schreiend und in Panik in alle Richtungen. Blutüberströmte Verletzte liegen am Boden, rufen um Hilfe. Die Bombe ging im beliebten Touristen-Café „Argana“ hoch, das in vielen Reiseführern wegen seiner schönen Aussicht über den orientalischen Platz empfohlen und auch von Einheimischen gerne aufgesucht wird. Mehr als ein Dutzend Menschen wurden bei dem Anschlag getötet.

Das Café „Argana“ war voll besetzt, als der Sprengsatz hochging, der möglicherweise von einem Selbstmordattentäter gezündet wurde. Die marokkanische Regierung bestätigte am Donnerstagabend, dass es sich um einen „kriminellen Akt“ handelte, also um einen Terroranschlag. Augenzeugen berichteten, dass vor der Explosion ein Mann „mit einer Tasche“ das Kaffeehaus betreten habe.

Das zweistöckige Café wurde fast völlig zerstört. Von der großen Terrasse im ersten Stock, von der man den schönsten Blick über das malerische Treiben auf dem Platz hatte, ist nicht mehr viel übrig. Ein Teil der Fassade wurde durch die Druckwelle weggesprengt, das Vordach stürzte ein. Im Inneren des Hauses brach ein Feuer aus. Feuerwehrleute mit roten Helmen und Polizisten suchten zwischen den Trümmern nach weiteren Opfern und Beweismaterialien. Zwischen umgestürzten Korbstühlen und Tischen waren Blutlachen zu sehen, Schuhe lagen verstreut am Boden, zerfetzte Kleidungsstücke, ein Rucksack.

Den letzten größeren Terroranschlag hatte es in Marokko im Mai 2003 in der Metropole Casablanca gegeben. Damals starben bei mehreren Attentaten von Kamikaze-Terroristen auf westliche und jüdische Einrichtungen 45 Menschen. Unter den Opfern waren seinerzeit auch fünf Spanier, drei Franzosen und ein Italiener. 2007 folgte eine weitere Bombenserie von Selbstmordattentätern in Casablanca, bei der mindestens sieben Menschen umkamen. Zudem wurden in den letzten Jahren zahlreiche Terrorgruppen in Marokko zerschlagen, die touristische und westliche Einrichtungen angreifen wollten. Das nordafrikanische Terrornetzwerk Al Qaida im islamischen Maghreb (AQMI) ist auch in Marokko aktiv und könnte hinter dem jüngsten Attentat stecken. Politische Islamistenbewegungen, die in Marokko weitgehend im Untergrund agieren, haben bei der frustrierten Jugend großen Zulauf.

Auch in Marokko gingen in den letzten Wochen in vielen Städten Hunderttausende auf die Straße und demonstrierten für Demokratie und ein Ende der autoritären Herrschaft von König Mohammed VI. Dabei gab es immer wieder gewalttätige Unruhen. Der Monarch versprach zwar jüngst politische Reformen. Die Protestbewegung reagierte jedoch skeptisch auf die Ankündigungen, denen bisher wenige Taten folgten.

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