Politik : Die Bahn verpasst den Anschluss

Zeitweise nur 80 Prozent der Regionalzüge in Berlin und Brandenburg pünktlich / VBB rät: S-Bahn fahren

Klaus Kurpjuweit

Berlin - Die Bahn war in diesem Jahr in Berlin und Brandenburg so unpünktlich wie seit Jahren nicht mehr. Zeitweise kamen nur 80 Prozent der Regionalzüge pünktlich an. Die Bahn selbst strebt eine Pünktlichkeitsquote von 90 Prozent im Fern- und Regionalverkehr an. Verspätungen von bis zu fünf Minuten werden dabei nicht mitgezählt.

Zu Beginn des Jahres lag die wöchentliche Pünktlichkeitsrate im Regionalverkehr von Berlin und Brandenburg nach Angaben des Verkehrsverbundes (VBB) noch zwischen 90 und 95 Prozent. Nach dem Fahrplanwechsel Ende Mai waren es nur noch etwa 85 Prozent. Hier wirkten sich die zahlreichen Umstellungen im Netz aus, heißt es beim Verkehrsverbund. Durch die Inbetriebnahme des Nord-Süd-Tunnels in Berlin mit dem neuen Hauptbahnhof und den Stationen Gesundbrunnen, Südkreuz, Jungfernheide und Lichterfelde Ost änderte sich auch das Linienkonzept. Hier habe sich der Betrieb erst einspielen müssen. Außerdem hatte es die Bahn nicht geschafft, schadhafte Gleise auf dem südlichen Berliner Außenring bis zum Fahrplanwechsel zu reparieren, was den Abschnitt zu einer „Langsamfahrstelle“ machte.

Nachdem sich die Pünktlichkeitsrate nach einigen Wochen wieder auf etwa 90 Prozent verbessert hatte, sackte der Wert Mitte Oktober auf nur noch knapp 80 Prozent ab. Inzwischen hat sich die Lage etwas stabilisiert, die 90-Prozent-Marke ist aber bisher nicht wieder erreicht worden.

Die Bahn führt ihre Verspätungen vor allem auf Baustellen zurück, die es nach der Fußball-Weltmeisterschaft vermehrt gegeben habe. Zunehmend fielen Züge auch aus oder verspäteten sich, weil Kupferkabel von Oberleitungsmasten gestohlen würden. Auch Unfälle brächten den Betrieb durcheinander. Und auf eingleisigen Strecken, heißt es, verspäte sich auch der Gegenzug – etwa Richtung Cottbus. Obwohl die Strecke nach Cottbus jetzt für Tempo 160 ausgebaut wird, soll es beim einen Gleis bleiben.

Insider werfen der Bahn aber auch hausgemachte Fehler vor. Zum Teil seien die Fahrzeiten im Fahrplan falsch berechnet; der Zug könne dann gar nicht pünktlich sein. Außerdem würden Baustellen oft nicht aufeinander abgestimmt, was bei mehreren auf einer Linie zu Verspätungen führe wie Anfang November auf der RE 1 zwischen Berlin und Frankfurt (Oder). Ausweichgleise hat die Bahn oftmals entfernt, um die Kosten für die Pflege der Weichen zu sparen.

Wegen der Verspätungen wird der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) wahrscheinlich einen Teil der Zuschüsse der Landeskasse an die Bahn zurückfordern. Der VBB hat die Bahn aufgefordert, bei Fahrplanauskünften nicht mehr auf den Regionalverkehr zu verweisen. Stattdessen solle sie die wesentlich pünktlichere S-Bahn empfehlen.

Pech haben können vor allem Fahrgäste, die am Bahnhof Zoo Richtung Hannover oder Frankfurt am Main abfahren wollen. Weil seit Ende Mai im Bahnhof Zoo keine Fernzüge mehr halten, schlägt die Reiseauskunft der Bahn in den meisten Fällen vor, von Zoo aus mit einem Regionalexpress bis Spandau zu fahren und dort in den ICE umzusteigen. Da der Regionalexpress jedoch häufig zu spät ankommt, reicht es in Spandau oft nicht mehr zum Anschluss. Fahrgäste haben schon erlebt, dass sie im Bahnhof Zoo immer noch auf den Regionalexpress warteten und der ICE, in den sie in Spandau einsteigen wollten, an ihnen vorbei – ohne Halt – durch den Bahnhof Zoo fuhr.

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