Politik : Die Balkan-Krise: Mazedonien schickt Panzer gegen Rebellen

Mazedonische Regierungstruppen haben am Sonntag mit ihrer angekündigten Bodenoffensive mit Panzern zur Vertreibung der albanischen UCK-Rebellen aus dem Hügelland um Tetovo begonnen. Zuvor waren die Hänge unter schweren Panzer- und Artillerie-Beschuss genommen worden. Jugoslawiens Armee kehrte am Sonntag in zwei weitere Abschnitte der Pufferzone zum Kosovo zurück.

Auf einer Kuppe hinter dem am heftigsten umkämpften Hügel bei Tetovo setzte ein mazedonischer Kampfhubschrauber am Sonntag offenbar Truppen ab. Auf dem Hügel selbst brannte ein Haus. Ein Sprecher des mazedonischen Verteidigungsministeriums sagte in der Hauptstadt Skopje, der Hügel solle eingenommen werden. Es handle sich um die entscheidende Phase der Offensive, um die albanischen Rebellen aus Mazedonien zu vertreiben. Auch aus dem Hügelland östlich von Tetovo war Gefechtslärm zu hören. Rauchsäulen stiegen über dem Gebiet auf, das wie Tetovo nahe der Grenze zwischen Mazedonien und dem Kosovo liegt.

Die Rebellen kämpfen nach eigener Darstellung für die Rechte der albanischen Minderheit in Mazedonien. Der Regierung zufolge stammen die Rebellen aus dem Kosovo und verfolgen separatistische Ziele. Etwa ein Drittel der Einwohner Mazedoniens sind albanischstämmig, wie auch die Mehrheit der Bewohner des Kosovo. Die Nato, die USA und die EU haben Mazedonien aufgerufen, auf die Verhältnismäßigkeit der Mittel im Kampf gegen die Rebellen zu achten, um eine Solidarisierung der dort lebenden Albaner mit der UCK zu verhindern.

Am Wochenende wurde auch im Grenzgebiet nahe der Straße zwischen der Kosovo-Hauptstadt Pristina und dem mazedonischen Skopje gekämpft. Die mazedonische Grenze westlich der Straße wird von deutschen Kfor-Soldaten bewacht. Für den Grenzabschnitt östlich der Straße sind Kfor-Truppen aus den USA zuständig. Die Friedenstruppe setzte am Samstag Hubschrauber ein, um mögliche Nachschubtrecks für die mazedonischen Rebellen aus dem Kosovo aufzuspüren. Die Nato hatte um Verstärkungen gebeten, um den UCK-Rebellen Nachschubwege aus dem Kosovo abzuschneiden. Nach Nato-Angaben wollen Spanien und Schweden jeweils eine zusätzliche Kompanie entsenden. Italien kündigte die Verlegung eines Bataillons innerhalb des Kosovo an die mazedonische Grenze an. Großbritannien, die USA und Frankreich lehnen es ab, ihre Kampftruppen aufzustocken. Frankreich und die USA schicken unbemannte Aufklärungsflugzeuge.

Deutsche Artilleriesoldaten trafen indes als Verstärkung im kosovarischen Prizren ein. Ihr Einsatz solle in der kommenden Woche beginnen, hieß es aus dem Verteidigungsministerium . Sie sollten eine Infanterie-Einheit ablösen, die wiederum die Patrouillen an der Grenze des deutschen Sektors zum Kosovo verstärken sollten. Es sei offen, wann die angekündigten deutschen Fallschirmjäger auf den Balkan verlegt würden. Dies hänge von den Entwicklungen vor Ort ab, sagte eine Sprecherin. Die Zeitung "Bild am Sonntag" berichtete unter Berufung auf Verteidigungsminister Rudolf Scharping, deutsche Fallschirmjäger sollten nach Tetovo verlegt werden. Dort befindet sich eine wegen der gegenwärtigen Kämpfe teilweise geräumte Nachschubbasis der deutschen Kfor-Truppen.

Die Rückkehr der jugoslawischen Truppen in die Pufferzone zum Kosovo sei ein "erfolgreiches Ergebnis von Diplomatie und Politik", sagte Belgrads Verteidigungsminister Slobodan Krapovic in Rozaje, am Grenzdreieck zwischen Montenegro, dem Kosovo und Albanien. Die Soldaten würden jeden Kontakt mit den örtlichen Albanern meiden und bewohnte Ortschaften nicht betreten, hieß es. Armee-Vertreter seien im ständigen Kontakt mit der Friedenstruppe Kfor, der Aufmarsch werde von EU-Beobachtern verfolgt. Die zwei Sektoren, einer um Rozaje und der zweite um das südserbische Merdare, sind insgesamt 260 Kilometer lang und fünf breit.

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