• Die Belgrader Polizei geht gegen Demonstranten vor, die die Ablösung des Staatschefs fordern

Politik : Die Belgrader Polizei geht gegen Demonstranten vor, die die Ablösung des Staatschefs fordern

Erstmals seit Beginn der neuen Protestwelle gegen den jugoslawischen Staatschef Slobodan Milosevic ist die Polizei am Mittwochabend in Belgrad gewaltsam gegen die Demonstranten vorgegangen. Dabei wurden nach Angaben der oppositionellen Allianz für den Wandel (SZP) mindestens 45 Menschen verletzt. Rund 20 000 Menschen wollten zur Residenz von Milosevic im Stadtviertel Dedinje marschieren. Die Polizisten gingen mit Schlagstöcken und Wasserwerfern gegen die Teilnehmer der Kundgebung vor. 14 Mitglieder der Sozialdemokratischen Partei wurden nach Angaben der Nachrichtenagentur Beta festgenommen. Der "brutale Einsatz gegen friedliche Demonstranten" zeigt nach Ansicht von Oppositionsführer Zoran Djindjic, "dass Milosevic am Ende ist und die Kontrolle vollständig verloren hat". Am Wochenanfang waren Polizisten in Belgrad von Tür zu Tür gezogen, um die Ausweise der Bevölkerung zu überprüfen. In Belgrad gehen die Menschen seit vergangenem Dienstag gegen Milosevic auf die Straße.

Unter den Verletzten waren den Sicherheitskräften zufolge auch mindestens fünf Polizisten. Russische Diplomaten in Jugoslawiens Hauptstadt verurteilten die gewaltsame Auflösung der Demonstration, wie die russische Nachrichtenagentur Interfax am Donnerstag berichtete. Der Vorfall habe in Moskau "ernsthafte Sorge" ausgelöst, hieß es. Zugleich wurde aber den Demonstranten vorgeworfen, Druck auf die Belgrader Führung auszuüben.

Vertreter der größten serbischen Oppositionsparteien wollten nun über die Voraussetzungen sprechen, unter denen sie sich an vorgezogenen Neuwahlen beteiligen würden. Auch die Serbische Erneuerungsbewegung von Vuk Draskovic sollte daran teilnehmen. Draskovic hat eine Beteiligung an den täglichen Demonstrationen bislang abgelehnt.

Die Teilnehmer des Treffens wollten über einen Vorschlag des Zentrums für freie Wahlen und Demokratie für mögliche Neuwahlen sprechen, demzufolge stärkere Kontrollen des Wahlablaufs nötig sind. So sollen mögliche Betrugsmanöver der regierenden Sozialistischen Partei Serbiens (SPS) von Milosevic verhindert werden. Seit Einführung des Mehrparteiensystems in Serbien 1990 sind gegen die SPS wiederholt Vorwürfe wegen Wahlmanipulation laut geworden. Die Oppositionsparteien fordern außerdem freien Zugang zu den von der Regierung kontrollierten Medien.

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