Politik : Die Beziehungen zwischen Berlin und Teheran entspannen sich (Kommentar)

Albrecht Meier

Dass Helmut Hofer tatsächlich den Fängen der iranischen Justiz entkommen ist, wird der deutsche Geschäftsmann wohl erst glauben, wenn er in der Luft ist. Hofer hofft auf eine baldige Rückkehr nach Deutschland - das wäre dann das wirklich allerletzte Kapitel in einem Nervenkrieg, der gestern mit der Freilassung des Deutschen zu Ende gegangen ist.

Nun soll auf den Nervenkrieg die Geschichte deutsch-iranischer Freundschaft folgen. Die Diplomatie, die sich stets um ein glimpfliches Ende des Falles Hofer sorgte, soll in diesem Buch ebenfalls das erste Kapitel mitgestalten. In Berlin wird jetzt der Besuch des iranischen Präsidenten Mohammed Chatami erwartet, der allseits als ein Vertreter des Reformkurses gilt. Da stört es auch kaum noch, dass die Freilassung des deutschen Geschäftsmannes im unmittelbaren Zusammenhang mit dem milden Urteil eines Berliner Gerichts gegen den Iraner Hamid Khorsand gesehen wird.

Die deutsche Öffentlichkeit, die sich zu Recht daran gewöhnt hat, den Fall Hofer in die politische Großwetterlage zwischen Berlin und Teheran einzuordnen, dürfte den möglicherweise bevorstehenden Besuch des iranischen Präsidenten ebenfalls als konsequent empfinden. Und politisch richtig ist er ja auch: Ähnlich wie die Türkei an der Nahtstelle zwischen Orient und Okzident als Stabilitätsanker gilt, so spielt auch der Iran eine wesentliche strategische Rolle in der Region. Hofer ist also auf freiem Fuß - und die politische Normalisierung, die schon nach dem "Mykonos"-Urteil im Jahr 1997 begonnen hatte, kann fortgesetzt werden.

Ende gut, alles gut? Leider nein. Denn der Fall Hofer hat auch eine ganz banale Seite, die Auskunft gibt über den gegenwärtigen Stand im Machtkampf zwischen Irans Konservativen und den Reformkräften des Präsidenten Chatami. Am Ende ist ein deutscher Geschäftsmann wegen der Beleidigung eines Polizisten verurteilt worden - eines von zahlreichen Willkür-Urteilen, die zum Alltag Irans gehören. Am selben Tag, als die Nachricht von der Freilassung Hofers bekannt wurde, berichtete eine iranische Zeitung von den drakonischen Urteilen gegen eine Diebesbande im Nordosten des Landes. Den sieben Männern wurden je vier Finger abgeschnitten. Je 74 Peitschenhiebe und drei Jahre Gefängnis gehören ebenfalls zum Strafmaß. Die konservativen Kräfte, die den Deutschen Helmut Hofer über zwei Jahre lang zum Spielball im inneriranischen Machtkampf gemacht hatten, mögen zwar im Fall Hofer Ruhe gegeben haben. Das Justizsystem werden sie aber weiter als politischen Hebel benutzen.

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