Politik : Die Blamage knapp vermieden Mecklenburgs umstrittener CDU-Landeschef bleibt im Amt

Andreas Frost[Schwerin]

Kaum ein Spitzenpolitiker im Nordosten der Republik ist ähnlich umstritten und unbeliebt wie Eckhardt Rehberg. Trotzdem wurde der 49-Jährige am Samstag für zwei weitere Jahre an die CDU-Spitze in Mecklenburg-Vorpommern gewählt. Allerdings setzte er sich nur äußerst knapp gegen den Vizevorsitzenden der CDU-Landtagsfraktion, Harry Glawe, durch. Auf Rehberg entfielen 86 der 166 gültigen Stimmen. Glawe, ein beliebter, aber keineswegs profilierter Politiker, kam auf 80. Rehberg kommentierte das Ergebnis lakonisch mit dem Satz: „Die CDU kann viele starke Schultern gebrauchen.“

Im September war es bereits zur offenen Rebellion gegen Rehberg gekommen – vor allem jüngere Abgeordnete begehrten gegen dessen ihrer Meinung nach zu autoritären Stil auf. Zudem meinen sie, dass die CDU mit Rehberg kaum Chancen habe, in Mecklenburg-Vorpommern an die Macht zu kommen. Außer der SPD, die derzeit mit der PDS verbandelt ist, ist kein Koalitionspartner in Sicht. Doch zu unversöhnlich scheint Rehbergs Ton. Auch in der Jungen Union und manchem Kreisverband regte sich Unmut. An den Anfahrtswegen zum Parteitag waren nachts noch Anti-Rehberg-Plakate mit dem Slogan aufgetaucht: „Neue Köpfe braucht das Land“.

Glaubt man der „Schweriner Volkszeitung“, dann bekommt kein Politiker in Mecklenburg-Vorpommern schlechtere Noten als Rehberg. 44 Prozent attestierten ihm in einer Umfrage schlechte Arbeit. Dabei liege die CDU im Land inzwischen bei weit über 40 Prozent. Rehberg will die Partei in den Kommunalwahlkampf im Frühjahr 2004 führen und dann einen „geordneten Übergang“ organisieren. In zwei Jahren wird er wohl nicht noch einmal antreten. Als Nachfolger wird Paul Krüger ins Gespräch gebracht. Der Ex-Bundesforschungsminister ist derzeit Oberbürgermeister von Neubrandenburg.

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