Politik : Die Blume der Armen

Der Kampf gegen den Drogenanbau am Hindukusch ist ein wichtiges Thema – vor allem für den Westen

Ulrike Scheffer

Afghanistans Finanzminister gab in Berlin am Mittwoch marktwirtschaftlichen Nachhilfeunterricht. „Die Konsumenten sind ebenso wichtig wie die Produzenten“, sagte Ashraf Ghani auf der Afghanistan-Konferenz mit Blick auf die Drogenwirtschaft in seinem Land. Die westlichen Teilnehmerstaaten – allen voran die USA – haben die Drogenproblematik in Berlin auf die Tagesordnung gesetzt. Das Land hat im vergangenen Jahr 3600 Tonnen Opium produziert, so viel wie nie zuvor. Mehr als 70 Prozent des weltweit gehandelten Opiums stammen aus dem Land am Hindukusch. Aus Sicht der Afghanen gibt es dennoch wichtigere Themen: neue finanzielle Zusagen für den Wiederaufbau und die Ausweitung des Mandats der internationalen Schutztruppe Isaf auf ganz Afghanistan. Und daraus machen sie in Berlin keinen Hehl.

Afghanistans Präsident Hamid Karsai bezeichnete den Drogenanbau am Mittwoch zwar als Sicherheitsrisiko für Afghanistan und versprach, dagegen vorzugehen. Als wichtigste „Aufgabe für die Zukunft“ nannte er jedoch die Ausweitung der Internationalen Schutztruppe. Finanzminister Ghani sprach anschließend Klartext: „In einem reichen Land werden keine Drogen angebaut“, sagte er bei einer Pressekonferenz. Ghani forderte die internationale Gemeinschaft auf, weitere Mittel für den Wiederaufbau Afghanistans zur Verfügung zu stellen, um alternative Einkommensquellen für die Bevölkerung zu schaffen. „Wir müssen die Armut bekämpfen, dann bekämpfen wir auch den Drogenanbau“, sagte Ghani.

Washington erwartet jedoch, dass die afghanische Regierung direkt gegen den Drogenanbau vorgeht. „Der Drogenhandel ist für uns eines der wichtigsten Themen in Berlin“, sagte der Afghanistan-Beauftragte des US-Außenministeriums, William B. Taylor, unmittelbar vor der Konferenz und kündigte eine neue Initiative an. Die USA wollen Afghanistan für die Ausbildung einer Anti-Drogen-Einheit in den kommenden zwei Jahren 14 Millionen US-Dollar zahlen. Die Truppe soll die Mohnfelder der Bauern zerstören. „Amerikanische und britische Truppen werden die Aktion unterstützen“, sagte Taylor.

Die Razzien könnten die Sicherheitslage in Afghanistan indes weiter verschärfen. Auch Taylor rechnet damit, dass sich die Drogenmafia gegen die geplanten Vernichtungsaktionen wehren wird. Um eine Eskalation zu vermeiden, setzt er indes nicht nur auf eigene Kräfte: „Wir gehen davon aus, dass die regionalen Wiederaufbauteams ein Klima der Sicherheit schaffen“, sagte er, fügte aber hinzu, ein direktes Eingreifen der Teams erwarte er nicht. Dennoch: Auch die rund 200 im nordafghanischen Kundus stationierten Bundeswehrsoldaten könnten in Auseinandersetzungen verwickelt werden. In ihrem Einsatzgebiet liegt immerhin eine der größten Drogenanbauregionen Afghanistans. Und es dürfte den Soldaten schwer fallen, einfach wegzuschauen, wenn sie bei ihren Patrouillen Zeugen der Kämpfe werden.

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