Politik : Die Botschaft lautet: Wir weichen nicht zurück

SPANGDAHLEM .Keine Schwäche, kein Zurückweichen, wenn es um die Menschenrechte geht.Das ist die Botschaft, die der amerikanische Präsident Bill Clinton am Mittwoch den Soldaten auf dem Luftwaffenstützpunkt Spangdahlem in der Eifel verkündet."Wir haben keine Auseinandersetzung mit dem serbischen Volk", sagt Clinton in seiner ersten Rede während seines zweitägigen Deutschlandbesuchs."Wir haben eine Auseinandersetzung mit ethnischer Säuberung."

Rund 4000 Soldaten und Familienangehörige sind zum Hangar eins des Luftwaffenstützpunkts gekommen, um den Präsidenten, Verteidigungsminister William Cohen und Außenministerin Madeleine Albright zu sehen und zu hören.Marschmusik stimmt die Amerikaner ein, die für ihren Präsidenten teilweise die Sonntagsgarderobe aus dem Kleiderschrank geholt haben.Zahlreiche Kinder schwenken kleine US-Fähnchen.Als Clinton gegen 13 Uhr 30 in der Flugzeughalle die Bühne betritt, wird der Beifall ohrenbetäubend.

Der Präsident vergleicht die Situation auf dem Balkan in seiner rund 20minütigen Rede mit der in den USA.Hier wie dort gebe es eine multi-ethnische Gesellschaft, deren Mitglieder verschiedenen Religionsgemeinschaften angehörten.Die USA aber zeigten, daß es für Menschen möglich sei, mit diesen Unterschieden zu leben und sie zu respektieren.Auf dem Balkan dagegen versuche der jugoslawische Präsident Slobodan Milosevic seit zehn Jahren, die ethnischen und religiösen Unterschiede für seine Politik auszunutzen: "Das ist falsch.Das ist das Böse." Dagegen werde die NATO kämpfen.

Clinton verweist auch auf die Geschichte.Hier in der Westeifel sei 2000 Jahre lang ein Krieg nach dem anderen geführt worden.Erst der Zweite Weltkrieg, den die USA und ihre Verbündeten gewonnen hätten, habe dem ein Ende gesetzt.Nun werde der Traum von Frieden und Einhaltung der Menschenrechte allmählich auch in Osteuropa wahr.Die Zukunft, für die bereits die amerikanischen Soldaten im Weltkrieg gekämpft hätten, gelte es nun zu schützen.

Spangdahlem ist der größte US-Luftwaffenstützpunkt in Europa.Rund 6000 Soldaten leben und arbeiten hier.Mit den Familienangehörigen zusammen gehören 13 000 US-Bürger zur Basis, auf der derzeit das 52.Luftexpeditionsgeschwader stationiert ist.Seit dem 6.April ist Spangdahlem zum ersten Mal auch direkt Operationsbasis für Angriffe auf eine feindliche Macht."Es ist eine Art elektrisierendes Gefühl", beschreibt ein F-16-Pilot, der aus Sicherheitsgründen seinen Namen nicht nennen darf, die Atmosphäre.Nacht für Nacht sind die Maschinen aus Spangdahlem über Jugoslawien im Einsatz.

Doch auch nach einem Monat Dauereinsatz ist bei den Soldaten und Angehörigen keine Kriegsmüdigkeit zu spüren."Wir sind bereit weiterzumachen", erklärt der Pilot.Die Angehörigen haben sich auf die neue Situation bereits auf ihre Weise eingestellt."Wir müssen die Moral hochhalten", erklärt Jane Coleman, Ehefrau eines Soldaten.Seit die Luftangriffe begonnen hätten und die Männer wegen der Einsätze oft fort seien, seien die Familien noch enger zusammengerückt."Wenn jemand was braucht, sind wir sofort da", sagt Coleman.

"Alle konzentrieren sich hier derzeit auf die militärische Mission", sagt Leutnant Mike Chavis, der Sprecher der Air Base, und er läßt keinen Zweifel an der Richtigkeit der Luftangriffe gegen Jugoslawien erkennen: "Wir tun das Richtige aus den richtigen Gründen." Das bestätigten auch Außenministerin Madeleine Albright und Verteidigungsminister William Cohen, die den Soldaten dankten.Jeder Teilnehmer am Kosovo-Einsatz könne stolz sein auf seine Arbeit, sagte Albright."Hier geht es um das Prinzip, daß sich Aggression nicht lohnen darf." GUIDO RIJSHOEK (AP)

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