Politik : Die Botschaft: Zorn Israel zieht Truppen aus Kalkilja ab

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Der saudische Kronprinz Abdullah hat vor „ernsten Folgen“ gewarnt, sollten die USA ihre Unterstützung für Israel nicht „mäßigen“. Nach Angaben saudischer Beamte sagte Abdullah bei einem Treffen mit Präsident George W. Bush am Donnerstag (Ortszeit) in Texas, die USA würden in der arabischen Welt weiter an Glaubwürdigkeit verlieren und mehr Instabilität im Nahen Osten verursachen, wenn sie den Druck auf den israelischen Regierungschef Ariel Scharon zum Abzug aus den Palästinenser-Gebieten nicht erhöhten.

Die amerikanische Darstellung zum Verlauf der rund fünfstündigen Gespräche auf der Bush-Ranch in Crawford fiel positiver aus. Bush bezeichnete die Gespräche als herzlich und lobte die starken Beziehungen zwischen den USA und Saudi-Arabien. Er und Abdullah hätten eine „starke persönliche Bindung“ entwickelt und strebten beide eine Nahost-Lösung an, die auf einem „friedlichen Nebeneinander“ eines israelischen und palästinensischen Staates basiere. Bush begrüßte erneut den Friedensvorschlag von Abdullah. Er habe dem Kronprinzen gesagt, wie sehr er dessen Bemühungen schätze. Der Präsident bekräftige weiter seine Position, dass beide Seiten im Nahost-Konflikt Verpflichtungen hätten. Die Palästinenser müssten mehr zur Beendigung des Terrors tun. Die israelische Seite müsse ihren Abzug aus den Palästinenser-Orten vollenden und die Belagerungen in Ramallah und Bethlehem „ohne Gewalt lösen“.

Sowohl Bush als auch die saudischen Beamten bestätigten, dass Abdullah versichert habe, er werde Öl nicht als Waffe gegenüber den USA einsetzen. Der Kronprinz habe in keiner Weise damit gedroht, die Öllieferungen an die USA zu verringern, sollte die US-Regierung den Druck auf Scharon nicht erhöhen. Nach saudischer Darstellung war auch keine Rede davon, die USA zu einem Rückzug ihrer in Saudi-Arabien stationierten Soldaten aufzufordern. Abdullahs außenpolitischer Berater Adel Jubeir beschrieb es als Ziel der Mission des Kronprinzen, „sicher zu stellen“, dass Bush sich über das Ausmaß des Zorns in der arabischen Welt über die Haltung der USA im Klaren sei. Abdullah verließ die Ranch ohne eine öffentliche Erklärung.dpa

Kalkilja/Jerusalem (rtr/dpa/AFP). Die israelische Armee hat sich am Freitagabend aus der Palästinenserstadt Kalkilija zurückgezogen. Die Truppen seien auch aus drei benachbarten Dörfern im Norden des Westjordanlandes abgezogen, hieß es aus Militärkreisen. Zuvor hatte US-Präsident George W. Bush erneut mit Nachdruck den Rückzug der israelischen Armee aus den besetzten palästinenischen Autonomiegebieten gefordert. Zwar habe es Fortschritte gegeben, nun sei aber der Zeitpunkt gekommen, sich vollständig zurückzuziehen, sagte Bush am Freitag auf seiner Ranch im texanischen Crawford. Israel hatte am Freitag die Offensive gegen palästinensische Extremisten im Westjordanland fortgesetzt. Die israelische Armee stieß am Freitag mit Panzern nach Kalkilja und drei Nachbardörfer vor, um nach eigenen Angaben Terroristen zu fassen. 15 Kampfpanzer und gepanzerte Fahrzeuge beteiligten sich an der Razzia. Die Armee teilte mit, in Kalkilja, Beita, Silt a-Dhar und Dschabaa seien 20 Palästinenser gefangen genommen worden. Der Vorstoß war der zweite seit der Räumung Kalkiljas am 9. April. Israel versucht seit dem 29. März, mit einer Offensive im Westjordanland den Aufstand der Palästinenser zu beenden. Sie will die Selbstmordangriffe in Israel stoppen, die das Bild des Aufstandes geprägt haben.

Der Vorstoß im Westjordanland folgte nur wenige Stunden auf die Forderung von US-Präsident George W. Bush an Israel, alle autonomen Gebiete des Westjordanlandes wieder zu räumen. Dazu gehöre auch das Ende der Belagerungen einer Kirche in Bethlehem und des Amtssitzes von Palästinenser-Präsident Jassir Arafat in Ramallah. Auf internationalen Druck hat Israel die meisten der Palästinenser-Gebiete geräumt, in die es seit Ostern Soldaten geschickt hatte. Nach wie vor belagert die Armee aber Arafats Amtssitz und eine Kirche in Bethlehem. Sie ließ am Donnerstag neun Jugendliche aus der Kirche und erlaubte auch den Abtransport zweier erschossener Palästinenser. Die Armee vermutet Dutzende von Extremisten unter den 230 Menschen in der Kirche. Sie verlangt, dass sie sich ergeben, um entweder vor Gericht gestellt oder ins Exil geschickt zu werden. Israels Ministerpräsident Ariel Scharon will die Soldaten erst von Arafats Amtssitz abziehen, wenn vier Palästinenser ausgeliefert werden, die im Oktober seinen Tourismusminister umgebracht haben sollen.

Israel forderte am Freitag eine Verschiebung der UN-Untersuchung zu den Vorgängen im palästinensischen Flüchtlingslager Dschenin. Erst sollten die Gespräche über die Mission mit UN-Vertretern in New York beendet und die noch umstrittenen Punkte geklärt werden, teilte das Büro von Scharon mit.

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