Politik : Die Bürde des weißen Mannes

Andrea Dernbach

Berlin - „Diversity Management“ ist nicht umsonst kein deutsches Wort. Vielfalt von ethnischer und sozialer Herkunft, der Weltanschauungen und auch eine gute Mischung von Frauen und Männern, Alten und Jungen in der Belegschaft wird von der Mehrheit der deutschen Firmen und Behörden nicht als etwas angesehen, was man zum Besten des Unternehmens fördern sollte. Gerade einmal 44 Prozent der Unternehmen und Verwaltungen hierzulande praktizieren „Diversity Management“. In EU-Europa sind es 75 und in Großbritannien und den USA sogar 92 Prozent. Doch es geht, glaubt man der Integrationsbeauftragten der Bundesregierung, Maria Böhmer (CDU), seit einem Jahr auch hier voran: Böhmer präsentierte am Mittwoch eine Zwischenbilanz der von mehreren deutschen Dax-Unternehmen gestarteten „Charta der Vielfalt“. 188 Firmen, Behörden und Stadtverwaltungen haben die Charta seit dem Startschuss vor einem Jahr unterschrieben und sich damit zu einer Unternehmenskultur verpflichtet, die frei ist von Vorurteilen. Neben dem Bekenntnis zur Vielfalt enthält die Charta auch die Verpflichtung, Arbeitsabläufe und Organisation im Betrieb darauf abzuklopfen, ob sie diesem Ziel im Wege stehen. So stellte der Ölkonzern BP nach den Worten seines Vorstandsvorsitzenden Uwe Franke fest, dass er den Tagesablauf viel zu sehr nach männlichen Mustern organisierte und nahm seine Einstellungspraxis unter die Lupe, wobei klar wurde: „Wenn in der Auswahlkommission lauter weiße Männer sitzen, stellen die Leute ein, die ihre Klone sind.“

Dass sich das ändert, sei nicht nur gesellschaftlich wünschenswert, sagte Böhmer, sondern zwingend, um in der globalisierten Wirtschaft zu bestehen. Beim Berliner Treffen am Mittwoch konnten sich die Charta-Unterzeichner über die besten Wege zu Diversity austauschen – und darüber, wie sie mehr werden: Bis Jahresende sollen 220 Unterschriften zusammen sein. Andrea Dernbach

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