• Die Bundeswehr versorgt sich mit Pocken-Impfstoff Ministerium: Keine Verbindung zu möglichem Angriff auf den Irak

Politik : Die Bundeswehr versorgt sich mit Pocken-Impfstoff Ministerium: Keine Verbindung zu möglichem Angriff auf den Irak

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Berlin. Zum Schutz vor einem möglichen Angriff mit biologischen Waffen hat die Bundeswehr eine Million Dosen Pocken-Impfstoff geordert. Das Verteidigungsministerium bestätigte einen entsprechenden Bericht von „Spiegel-Online“. Zwei Tranchen mit je 500 000 Dosen sollen im November und im kommenden Februar geliefert werden. Seit Frühjahr 2000 plane das Verteidigungsministerium in Abstimmung mit dem Innen- und dem Gesundheitsministerium einen Impfstoff zu beschaffen, heißt es in einer Stellungnahme des Verteidigungsministeriums. Es trat damit Spekulationen entgegen, dass die Bestellung mit einem möglichen US-Angriff auf den Irak in Verbindung stehen könnte. Die Wahrscheinlichkeit eines Angriffs mit biologischen Kampfstoffen wird im Verteidigungsministerium als „gering“ eingestuft. Unter dem Eindruck der Terroranschläge am 11. September und der Milzbranderkrankungen in den USA hatte die Bundesregierung im November 2001 sechs Millionen Dosen Impfstoff eingekauft und gelagert, um im Ernstfall einen Teil der Bevölkerung schützen zu können.

„Der Impfstoff für die Bundeswehr ist eine grundsätzliche Vorsichtsmaßnahme“, sagt Katja Roeder, Vorsitzende des Sanitätsdienstes im Bundesvorstand des Bundeswehrverbandes. Sie erklärt den Zeitpunkt der Bestellung damit, dass die Bundeswehr gewartet habe, bis die Industrie einen verträglicheren Impfstoff entwickelt habe. Die Nebenwirkungen der Pockenimpfung sind erheblich.

„Impfstoffbestände gegen Pocken hat es bei der Bundeswehr schon immer gegeben. Jetzt werden die alten gegen neue ausgetauscht“, sagt Katja Roeder. Das Verteidigungsministerium widerspricht dieser Darstellung. Nach Angaben eines Sprechers hat die Bundeswehr in den 80er Jahren die alten Bestände aufgelöst. Neue seien zunächst nicht angelegt worden. Der jetzt bestellte Impfstoff werde in einem Bundeswehrdepot bei minus 18 Grad eingelagert und sei etwa drei Jahre haltbar. Derzeit werde nicht beabsichtigt, Bundeswehrangehörige zu impfen.

Als Vorsichtsmaßnahme gegen einen Angriff des Irak sollen unterdessen in Israel 15 000 Mitarbeiter von Polizei, Feuerwehr und Krankenhäusern gegen Pocken geimpft werden. Das hat das Sicherheitskabinett am Mittwoch beschlossen. Das Programm könne auf die ganze Bevölkerung ausgeweitet werden, sagte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums. Matthias Eggert

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