Politik : Die Burg

Robert von Rimscha

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Nein, nicht Burg Hornberg. Die ist ganz in der Nähe. Nein, auch nicht Burg Guttenberg, die mit der Vogelwarte. Die ist ebenfalls nicht weit. Hier aber geht es um die Burg von Bad Wimpfen. Das ist immerhin einmal die größte Kaiser-Pfalz der Staufer nördlich der Alpen gewesen. Damals.

So. Es begab sich also vor geraumer Zeit, dass Roland Koch, Kurprinz von Hessen und als dreister Recke weit über seine Landesgrenzen bekannt, nach Süden zog, um daselbst einen Besuch abzustatten. Praktisch gesagt hatte der Wiesbadener CDU-Ministerpräsident mit seinem baden-württembergischen Kollegen und Parteifreund Erwin Teufel eine gemeinsame Kabinettssitzung abzuhalten, aber das nur am Rande. Man traf sich also in der Neckar-Stadt Bad Wimpfen, in der seit den Staufern nicht mehr so besonders viel passiert ist. Bis jetzt eben, der Koch und der Teufel. Letzterer, mit Heimvorteil, übergab dem hohen Gast also ein Gastgeschenk, wie dies unter hochmögenden Rittern üblich ist. Kochs Vize-Regierungssprecher Rainer Kling griff zur Harfe und hob zum Gesang an: Meist gebe es ja nur langweilige Bildbände oder Volkskunst unterschiedlicher Kitschhaftigkeit. Aber die Bad Wimpfener, die hatten Geschmack.

Schenkten dem Koch doch aus den Händen vom Teufel ihre Burg – 50 Zentimeter hoch, in feinster Schokolade. Zwei Wochen stand die Schoko-Festung hernach in Kochs Büro. Dann dachte der Herr an seine Hintersassen. So kam es, dass die Mitarbeiter der hessischen Staatskanzlei sie verspeisen durften. Die ganze Burg, 50 Zentimeter mit Pfalzkapelle, Arkaden, Blauem Turm, Hohenstaufentor, Steinhaus, Rotem Turm und Nürnberger Türmchen.

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